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100 Tage Gesundheitsreform: Alles, was neu ist

Das erste Durcheinander ist vorbei, die Korrekturen sind gemacht. Unser großes Lexikon erläutert alle wesentlichen Änderungen.

Das erste Durcheinander ist vorbei, die Korrekturen sind gemacht. Unser großes Lexikon erläutert alle wesentlichen Änderungen.

A wie Allgemeine Regeln für Zuzahlungen, Altersheim, Anschluss-Rehabilitation, Arbeitsunfall, Arzneimittel, Ausland und Auslandskrankenschein

Allgemeine Regeln für Zuzahlungen:
Grundsätzlich müssen alle Versicherten bei jeder medizinischen Leistung, ob beim Arzt, in der Klinik, bei der Krankengymnastik oder in der Apotheke, eine Zuzahlung leisten, also einen Teil der Kosten tragen - maximal zehn Euro. Was eine "Leistungseinheit" ist, wird unterschiedlich definiert: mal zeitlich (je Tag, je Monat, je Quartal), mal je Stück, mal je Verordnung oder Krankheitsfall (Indikation).

Die Höhe der Zuzahlung richtet sich nach dem Preis der Leistungseinheit: Unter fünf Euro muss man die Kosten vollständig selbst tragen. Zwischen fünf und 50 Euro zahlt der Patient fünf Euro, zwischen 50 und 100 Euro zehn Prozent des Preises. Ab 100 Euro beträgt die Zuzahlung zehn Euro. Immer gilt eine Höchstgrenze für Zuzahlungen pro Jahr in Höhe von einem bis zwei Prozent des Bruttoeinkommens (Details unter Belastungsgrenze). Generelle Ausnahme: Kinder und Jugendliche bis zum Tag vor dem 18. Geburtstag sind von allen Zuzahlungen außer bei Fahrt-/Transportkosten befreit. Grundlage: §§ 60-62 SGB V.

Altersheim:


siehe Heimbewohner.

Anschluss-Rehabilitation:


Bei direkter Verlegung vom Krankenhaus in eine Reha-Einrichtung (das gilt auch innerhalb von 14 Tagen nach Verlassen des Krankenhauses) müssen zehn Euro pro Tag zugezahlt werden, für maximal 28 Tage im Kalenderjahr. Vorangegangene Krankenhaustage werden angerechnet. Grundlage: § 40 SGB V.

Arbeitsunfall:


Bei allen medizinischen Leistungen wegen anerkannter Unfälle in der Arbeitszeit fallen weder Praxisgebühren noch Zuzahlungen oder Eigenleistungen an, dafür ist die Berufsgenossenschaft zuständig. Wurden sie erhoben, kann man sie von der Kasse zurückfordern.

Arzneimittel (immer von der Kasse bezahlte):


Grundsätzlich dürfen auf Kassenkosten nur noch verschreibungspflichtige (= rezeptpflichtige) Medikamente verordnet werden. Dabei gelten die allgemeinen Zuzahlungsregelungen (siehe Allgemeine Regeln). Die Preise für bisher sehr billige Arzneimittel sind gestiegen, weil die Apotheke für sie mehr Provision bekommt. Dafür erhält sie bei teuren Arzneimitteln weniger. Für verschreibungspflichtige Arzneien gilt in Deutschland eine Preisbindung, sie sind also prinzipiell über zugelassene Internetapotheken (siehe dort) oder per Privatrezept nicht günstiger zu beziehen. Es ist den Apothekern aber erlaubt, ihren Kunden "Treue"-Rabatte zu gewähren: Handeln lohnt sich. Grundlage: § 31 SGB V.

Arzneimittel (ausnahmsweise von der Kasse bezahlte):


Bei bestimmten "schwerwiegenden Krankheiten" und Indikationen bezahlt die Kasse auch Arzneimittel, die rezeptfrei sind. Dazu gehört zum Beispiel die Gabe von Magnesium, Calcium, Eisen und Zink bei schwerwiegendem Mangel, von Enzymen bei Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, von Johnniskraut bei Depressionen, von Acetylsalicylsäure ("Aspirin") nach Infarkten. Für die genannten Ausnahmefälle sind sogar anthroposophische und homöopatische Mittel zugelassen. Es gelten die Allgemeinen Regeln der Zuzahlung. Die komplette Liste aller 41 Indikationen und der dazugehörigen Wirkstoffe kann aus dem Internet hier heruntergeladen werden. Grundlage: § 34, § 92 SGB V.

Arzneimittel (selbst zu zahlende I):


Von obigen Ausnahmen abgesehen, müssen rezeptfreie Medikamente selbst bezahlt werden. Preisvergleiche (auch im Internet) lohnen sich, jegliche Preisbindung ist aufgehoben. Grundlage: § 34 SGB V, § 1 Arzneimittelpreisverordnung.

Arzneimittel (selbst zu zahlende II):


Auch wenn sie im Einzelfall verschreibungspflichtig sein sollten, wurden folgende Medikamente von der Kassenversorgung ausgeschlossen: Linderungsmittel gegen Erkältungskrankheiten, Mund- und Rachentherapeutika (außer Anti-Pilzmitteln), Abführmittel (wenn nicht krankheitsbedingt), Mittel gegen Reisekrankheiten. Das gilt nicht für Versicherte unter 18 Jahren. Grundlage: § 34 SGB V. Infos im Internet gibt es hier.

Arzneimittel (selbst zu zahlende III):


"Lifestyle-Medikamente" wie Potenzmittel, Schlankmacher, Haarwuchsmittel, Nikotintabletten werden nicht von der Kasse bezahlt, auch wenn sie verschreibungspflichtig sein sollten. Grundlage: § 34 SGB V. Infos im Internet hier

Arzneimittel (Sonderzahlung):


Um die Kosten für verschreibungsfähige Medikamente (also alle außer den unter selbst zu zahlende III genannten) in Grenzen zu halten, hat der Gesetzgeber zum 1. April 2004 für die meisten Mittel Höchstgrenzen der Erstattung festgesetzt. Die meisten Hersteller überschreiten diese "Festbeträge" nicht. Immerhin 1126 Medikamente liegen allerdings preislich darüber, darunter auch viele selbst ernannte Billighersteller wie Ratiopharm. Die Differenz zum Festbetrag, den die Kasse trägt, muss der Patient aus eigener Tasche zahlen, zusätzlich zur Zuzahlung. Der Arzt sollte Sie darauf hinweisen, wenn das verschriebene Produkt den Festbetrag überschreitet. Fragen Sie Ihren Apotheker, ob es ein günstigeres Produkt mit gleichem Wirkstoff gibt.

Ausland:


Jeder Versicherte kann sich überall in der EU bei einem Arzt des dortigen allgemeinen Versorgungssystems gegen Rechnung ambulant behandeln lassen. Die Kasse ersetzt die vergleichbaren "deutschen" Kosten, berechnet ihrerseits allerdings Verwaltungskosten und die Zuzahlungen. Stationäre Behandlungen im Ausland müssen vorher von der Kasse genehmigt werden. Grundlage: § 13, § 18 SGB V.

Auslandskrankenschein:


Bei Notfällen im EU-Ausland bewirkt dieser Schein, den Sie sich vor der Reise von der Kasse holen sollten, dass Sie im Regelfall die Behandlungskosten nicht privat vorschießen müssen. Grundlage: § 13, § 14, § 18 SGB V.

B wie Belastungsgrenze für Zuzahlungen, Beschwerden, Bonusprogramme, Brillen und Brustkrebsvorsorge

Belastungsgrenze für Zuzahlungen:
Zuzahlungen müssen generell nur bis zur Höhe von zwei Prozent des Jahres-Bruttoeinkommens geleistet werden. Ausnahme: Schwerwiegend chronisch Kranke zahlen nur bis zu einem Prozent. Bei einem anrechenbaren Einkommen von 40000 Euro wären das also maximal 800 Euro beziehungsweise 400 Euro. Die meisten Kassen bieten im Internet kleine Programme an, mit denen man seine Belastungsgrenze leicht ausrechnen kann. Wird sie erreicht, kann man mit den gesammelten Zuzahlungsquittungen und den Einkommensnachweisen bei der Kasse die Zuzahlungsbefreiung für das restliche Jahr beantragen. Es ist auch möglich, die zu viel gezahlten Zuzahlungen am Jahresende von der Kasse zurückzufordern. Achtung: Eigenbeteiligungen wie zum Beispiel beim Zahnersatz, bei der künstlichen Befruchtung oder Eigenausgaben zum Beispiel für Fahrtkosten, Medikamente und Brillen gelten nicht als Zuzahlungen und werden bei der Belastungsgrenze nicht berücksichtigt. Grundlagen: § 2a, § 62 SGB V, "Gemeinsames Rundschreiben zu den leistungsrechtlichen Vorschriften" vom 26. 11. 2003 und "Gemeinsame Verlautbarung der Spitzenverbände der Krankenkassen" vom 19. 1. 2004. Siehe auch Quittungen, Heimbewohner, Chronisch Kranke.

Beschwerden:


Sowohl die Kassen als auch die Kassenärztlichen Vereinigungen sind gesetzlich verpflichtet, besonderes Augenmerk auf "Fehlverhalten im Gesundheitswesen" zu richten. Wer etwa glaubt, "abgezockt" worden zu sein, sollte diese Institutionen informieren. Grundlage: § 81a SGB V (Ärzte) und § 197a SGB V (Kassen). Siehe auch Patientenbeauftragte.

Bonusprogramme:


Kassen können Sonderregelungen anbieten, zum Beispiel Befreiung von der Praxisgebühr bei Teilnahme an Vorsorgeprogrammen. Die meisten Kassen bieten zahlreiche Sonderregelungen an. Nachfragen lohnt sich! Grundlage: § 65a SGB V.

Brillen:


Es gibt grundsätzlich keine Zuschüsse mehr von der Kasse. Ausnahme: Sehhilfen (inklusive medizinisch notwendige Kontaktlinsen) für Kinder unter 18 und Schwerstsehbehinderte (Sehleistung bei bestmöglicher Korrektur auf dem besseren Auge nur 30 Prozent). Bezahlt werden auch Sehhilfen zur Behandlung von Augenverletzungen und -krankheiten. Brillenverordnung und Sehschärfebestimmung des Augenarztes bleiben Kassenleistung. Die Sehschärfebestimmung beim Augenoptiker muss selbst bezahlt werden, ihr Preis kann bei höherwertigen Brillen oft verhandelt werden. Grundlagen: § 33, § 92 SGB V. Infos im Internet gibt es hier

Brustkrebsvorsorge:


Alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden künftig alle zwei Jahre schriftlich zu einer kostenlosen Mammographie (Röntgen der Brust) eingeladen. Das Programm für dieses "Mammographie-Screening" befindet sich im Aufbau, manche Regionen wie München sind schon erfasst, im Laufe des Jahres 2005 soll es flächendeckend eingeführt sein. Die Praxisgebühr fällt nicht an. Grundlagen: § 25, § 28 SGB V. Infos im Internet hier

C wie Chronisch Kranke

Chronisch Kranke:
Eine Krankheit gilt als schwerwiegend chronisch, wenn sie wenigstens ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal ärztlich behandelt worden ist. Zusätzlich muss eines der folgenden Merkmale vorliegen: mindestens Pflegestufe II, ein Grad der Schwerbehinderung (oder Erwerbsunfähigkeit) von mindestens 60 Prozent (wenigstens mitverursacht durch diese Krankheit). Oder es ist eine ständige medizinische Versorgung notwendig, um eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Krankheit zu verhüten. Der Nachweis gegenüber der Kasse erfolgt über bereits vorhandene Bescheinigungen oder über spezielle ärztliche Atteste. Grundlage: § 2a, § 62 SGB V. Infos im Internet hier. Siehe auch unter Belastungsgrenze.

D wie Disease-Management

Disease-Management:
Für mehrere chronische Krankheiten, zum Beispiel für Diabetes oder Brustkrebs, bieten einige Kassen so genannte Disease-Management-Programme an. Das sind Maßnahmenbündel zur besonderen ärztlichen und fachlichen Betreuung. Neben medizinischen Vorteilen kann mit finanziellen gelockt werden, zum Beispiel dem Verzicht auf die Praxisgebühr. Nachfragen lohnt sich. Grundlage: § 65a SGB V. Richtlinien sind hier im Internet nachzuschlagen.

E wie Entbindungsgeld

Entbindungsgeld:
Die bisherige Zahlung von 77 Euro für Gebärende ohne Anspruch auf Mutterschaftsgeld ist ersatzlos gestrichen.

F wie Fahrtkosten und Freiwillig Versicherte

Fahrtkosten:
Patientenfahrten ins Krankenhaus, zur ambulanten Operation und Rettungstransporte werden generell erstattet, wenn sie vom Arzt verordnet worden sind - im akuten Notfall auch nachträglich. Fahrten zur ambulanten Versorgung müssen zusätzlich zur ärztlichen Verordnung von den Kassen genehmigt werden. Sie werden nur noch in Ausnahmefällen gezahlt: bei Fahrten zur Dialyse, zur Chemo- und Strahlentherapie, Fahrten von Schwerstgehbehinderten (Rollstuhlfahrer, Amputierte), von Blinden und von hilflos Betreuungsbedürftigen (Schwerbehinderteneintragung "aG", "Bl", "H" oder mindestens Pflegestufe II bzw. III).

Fahrten in Reha-Einrichtungen (ambulant oder stationär) darf der Arzt nicht verordnen. Deren Kostenübernahme muss der Versicherte direkt bei seiner Kasse beantragen. Fahrten mit öffentlichen Massenverkehrsmitteln oder Privatwagen (kürzester Weg) brauchen nicht verordnet zu werden, das Fahrgeld (Fahrkarte oder Kilometergeld) wird direkt von der Kasse ersetzt. Aber: "Fahrten zur Abstimmung von Terminen, Erfragen von Befunden, Abholung von Rezepten etc." (Text der Richtlinien) sind "keine Kassenleistung". Für alle erstattungsfähigen Fahrten gelten die allgemeinen Zuzahlungsregeln. Auch für unter 18-Jährige muss zugezahlt werden. Grundlagen: § 60, § 73 SGB V. Richtlinien Krankentransport.

Freiwillig Versicherte:


Wer freiwillig bei einer gesetzlichen Kasse versichert ist, sollte nach Programmen für Selbstbehalt und Beitragsrückerstattung fragen. Wer selten zum Arzt muss, kann so sparen. Grundlage: § 53, § 54 SGB V.

G wie Gesundheits-Check

Gesundheits-Check:
Bei diesem allgemeinen Check, der ab 35 alle zwei Jahre empfohlen wird, entfällt die Praxisgebühr. Zur Untersuchung gehört auch die ärztliche Beratung. Grundlage: § 25, § 28 SGB V. Siehe auch Vorsorgeuntersuchungen.

H wie Härtefallregelungen, Hausarztmodell, Heilmittel, Heimbewohner und Hilfsmittel

Härtefallregelungen:
Wurden ersatzlos gestrichen. Ausnahme siehe Zahnersatz.

Hausarztmodell:


Auch "Hausarzt-zentrierte Versorgung" genannt, ein Modell, das jetzt von allen Kassen angeboten werden muss. Dabei verpflichtet sich der Patient für mindestens ein Jahr, immer zuerst zum Hausarzt - nicht direkt zum Facharzt - zu gehen. Nicht jeder Hausarzt hat Anspruch darauf, in dieses Programm aufgenommen zu werden. Die Kassen dürfen teilnehmenden Patienten Vergünstigungen anbieten, etwa bei der Praxisgebühr. Grundlage: § 73b, § 65a SGB V.

Heilmittel:


Zu Heilmitteln zählen Massagen, Krankengymnastik, Bäder und Sprachtherapie. Fällig werden zehn Euro je Verordnung und zehn Prozent der Kos- ten (ohne Obergrenze). Grundlage: § 32 SGB V. Richtlinie Heilmittel und Eckpunkte der neuen Richtlinien ab 1. Juli 2004. Weitere Infos im Internet hier

Heimbewohner:


Sind zuzahlungspflichtig. Wem als Sozialhilfeempfänger aber lediglich ein so genanntes Taschengeld bleibt, muss monatlich nur rund sechs Euro zuzahlen beziehungsweise drei Euro bei chronischer Krankheit. Grundlage: § 62 SGB V.

Hilfsmittel:


Dazu zählen etwa ein Rollstuhl, Schuheinlagen und Hörgeräte. Grundsätzlich gelten die allgemeinen Zuzahlungsregeln (siehe Allgemeine Regeln). Ausgenommen sind "Hilfsmittel zum Verbrauch". Das sind zum Beispiel Windeln für Erwachsene und Ernährungssonden. Hier ist die Zuzahlung auf maximal zehn Euro je Indikation und Monat begrenzt. Grundlage: § 33 SGB V, Richtlinien Hilfsmittel.

I wie Impfungen, integrierte Versorgung und Internet-/Versandapotheke

Impfungen:
Finden Arztbesuche nur zum Zweck von Impfungen inklusive der dazugehörenden ärztlichen Beratung statt, so wird keine Praxisgebühr fällig. Ausgenommen sind Reise-Schutzimpfungen, die komplett selbst bezahlt werden müssen. Grundlage: § 23 SGB V.

Integrierte Versorgung:


Darunter versteht man regionale Zusammenschlüsse von Ärzten ("Praxisnetze") und anderen Leistungserbringern (Heilgymnasten, Krankenhäusern). Um derartige Organisationsformen zu fördern, stehen den Kassen bis 2006 jedes Jahr rund 680 Millionen Euro zur Verfügung. Wer sich gegenüber der Kasse verpflichtet, im Regelfall nur Ärzte eines solchen Zusammenschlusses zu konsultieren, kann Geld sparen - beispielsweise durch einen Bonus. Nachfragen lohnt sich. Grundlagen: § 65a, § 140a-d, § 73a, § 73c SGB V. Darüber hinaus ist auch die Bildung von medizinischen Zentren möglich, in denen mehrere angestellte Ärzte verschiedener Fachrichtungen und andere medizinische Dienstleister ihren Service anbieten, was ebenfalls Kostenvorteile für die Patienten verspricht, Grundlage: § 95 SGB V.

Internet-/Versandapotheken:


Sie sind nun grundsätzlich zur Versorgung zugelassen. Sie müssen zum Verkauf apothekenpflichtiger Medikamente allerdings amtlich anerkannt sein und einen Vertrag mit Ihrer Kasse haben. Insbesondere bei rezeptfreien Medikamenten sind die Preise oft günstig. Aber auch bei den preisgebundenen rezeptpflichtigen werden bereits "Treue"-Rabatte gewährt. Surfen lohnt sich, auch zur Verhandlung mit dem Apotheker an der Ecke, dem Rabatte ebenfalls erlaubt sind. Grundlagen: § 31 SGB V und § 11a+b Apothekengesetz.

K wie Kostenerstattung, Krankenhaus, Krankenhaus/seltene Krankheiten, Krankenhaus/Mindestmengen, Krankenpflege daheim, Krebsvorsorge, Künstliche Befruchtung, Kuren

Kostenerstattung:
Jeder (nicht mehr nur der freiwillig Versicherte) kann wählen, ob er vom Arzt wie ein Kassenpatient oder wie ein Privatversicherter behandelt werden will. Im zweiten Fall muss er die Rechnung selbst zahlen und kann sie anschließend zur Kostenerstattung bei der Kasse einreichen. Voraussetzung ist, dass er diese Vereinbarung, die ihn mindestens für ein Jahr bindet, zuvor mit der Kasse getroffen hat. Nachteil: Erstattet werden nur die üblichen Kassensätze, die Ärzte können jedoch Ihnen als "Privatpatient" wesentlich höhere Beträge in Rechnung stellen. Die Differenz müssen Sie selbst zahlen. Hinzu kommen "Verwaltungskosten" von bis zu 50 Euro. Auch bei Kostenerstattung gelten die Zuzahlungsregeln. Grundlage: § 13 SGB V.

Krankenhaus:


Wie bisher zehn Euro Zuzahlung des Patienten pro voll stationärem Tag, nun aber bis zu 28 Tagen im Kalenderjahr. Grundlage: § 39 SGB V.

Krankenhaus/seltene Krankheiten:


Für die Behandlung bestimmter seltener Krankheiten wie Aids und Tuberkulose wurde die Trennung von ambulanter und stationärer Behandlung aufgehoben. Die Kassen können hierzu mit einzelnen Krankenhäusern Verträge schließen. Listen der Krankheiten finden Sie im Internet hier. Grundlage: § 116b SGB V.

Krankenhaus/Mindestmengen:


Ab Januar 2004 sollten bestimmte Operationen nur noch dann von Krankenhäusern abgerechnet werden dürfen, wenn sie dort in einer festgelegten Mindesthäufigkeit pro Jahr ausgeführt werden. Grund: Je häufiger eine Operation gemacht wird, desto geringer sind die Komplikationsraten. Bisher wurden lediglich für fünf seltene Operationen, zum Beispiel Lebend-Transplantationen, Mindestmengen festgesetzt. Dennoch lohnt es sich, generell vor dem Gang ins Krankenhaus nach der dortigen Operationshäufigkeit für diesen Eingriff zu fragen. Grundlage: § 137 SGB V.
Liste "Mindestmengenvereinbarung" im Internet hier.

Krankenpflege daheim:


Bei zeitweiliger fachlicher Krankenpflege zu Hause müssen zehn Euro je Verordnung und bis zu 28 Tage im Kalenderjahr zehn Prozent der tatsächlichen Kosten zugezahlt werden. Das gilt auch für zusätzliche "Behandlungspflege" bei eingestuften Pflegefällen. Grundlage: § 37 SGB V. Richtlinien Häusliche Krankenpflege.

Krebsvorsorge:


Wie bei allen Vorsorgeuntersuchungen wird bei der Krebsvorsorge keine Praxisgebühr fällig. Ausführliche ärztliche Beratung ist Bestandteil der Vorsorge. Bei Frauen beginnt der Anspruch auf diese Vorsorge ab dem 20. Geburtstag, bei Männern ab 45. Grundlage: § 25 SGB V. Richtlinien Krebsfrüherkennung. Siehe auch Vorsorgeuntersuchungen.

Künstliche Befruchtung:


Ausschließlich verheirateten Paaren werden nach Vorlage eines Behandlungsplans drei Versuche (vormals: vier) zur Hälfte von der Kasse bezahlt - wenn die Frau zwischen 25 und 40 Jahre und der Mann nicht über 50 Jahre alt ist. Grundlage: § 27a SGB V, Richtlinien über künstliche Befruchtung.

Kuren:


Regelung siehe Reha.

M wie Mammographie

Mammographie:
Siehe Brustkrebsvorsorge.

N wie Naturheilmittel und Notfälle

Naturheilmittel:
Siehe besonders unter Arzneimittel (ausnahmsweise von der Kasse gezahlte).

Notfälle:
Grundsätzlich wird beim Notfallarzt (aber nicht im Rettungswagen) eine zusätzliche Praxisgebühr fällig, egal, ob man im selben Quartal diese bereits gezahlt hat oder nicht. Ausgenommen sind "geplante" Notversorgungen. Beispiel 1: Erstversorgung am Freitag (eventuell mit Zahlung von Praxisgebühr) beim "Normalarzt", geplante Nachsorge am Wochenende beim Notfallarzt (ob im Krankenhaus oder anderswo): keine Praxisgebühr bei Vorlage der Überweisung. Beispiel 2: Erstversorgung beim Notfallarzt am Wochenende (Praxisgebühr wird fällig), vorhersehbare Nachbehandlung eines weiteren Notfallarztes am selben Wochenende: keine zweite Praxisgebühr. Übrigens: Wird die erste Praxisgebühr eines Quartals bei einem Notfallarzt fällig, muss in diesem Quartal in der Normalversorgung keine weitere gezahlt werden. Grundlagen: § 28 SGB V, § 18 Bundesmantelvertrag Ärzte nachzulesen im Internet hier

P wie Patientenbeauftragte, Patientenquittung, Patientenvertreter, Pflegeheim, Pille und Praxisgebühr

Patientenbeauftragte:
Es gibt beim Bundesgesundheitsministerium eine Beauftragte zur Stärkung der Patienteninteressen: Helga Kühn-Mengel, Patientenbeauftragte, Bundesministerium für Gesundheit, Wilhelmstraße 49, 10117 Berlin. Mail: info@die-patientenbeauftragte.de Grundlage: § 140h SGB V.

Patientenquittung:


Jeder hat das Recht, vom Arzt, Zahnarzt oder Krankenhaus je Behandlung oder summarisch am Quartalsende eine "Patientenquittung" zu verlangen. Kosten: ein Euro plus eventuell Porto. Die Übersicht muss alle erbrachten und abgerechneten Leistungen in verständlicher Form auflisten. Grundlage: § 305 SGB V.

Patientenvertreter:


Seit 2004 haben in wichtigen Selbstverwaltungsgremien wie dem "Gemeinsamen Bundesausschuss", der unter anderem den Katalog der Kassenleistungen beschließt, auch Vertreter von Patientenorganisationen Mitwirkungs- und Antragsrechte. Mit abstimmen dürfen sie nicht. Folgende Organisationen sind im Gemeinsamen Bundesausschuss vertreten: Verbraucherzentrale-Bundesverband,Tel.: 030/258 00-0, im Internet ,
Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., Tel.: 0641/99 45 12, im Internet ,
Deutscher Behindertenrat, Tel.: 030/726 29-0400, im Internet hier,
Bundesarbeitsgemeinschaft der Patientinnenstellen, Tel.: 089/76755131, im Internet hier.

Pflegeheim:

Siehe Heimbewohner.

Pille:


Bis zum 20. Geburtstag kann die Antibabypille auf Kassenkosten ver- schrieben werden. Frauen ab 20 müssen sie selbst bezahlen. Ärztliche Untersuchungen zum Zweck der Verordnung der Pille sind jedoch Kassenleistung. Allerdings wird für den dazu in der Regel alle sechs Monate nötigen Arztbesuch ab 18 Jahren jeweils die Praxisgebühr fällig. Grundlage: § 24a SGB V, Richtlinien Empfängnisregelung.

Praxisgebühr:


Beim ersten Arztbesuch im Quartal wird bei Patienten ab 18 Jahren prinzipiell eine Praxisgebühr in Höhe von zehn Euro fällig. Sie muss in der Praxis bar oder per Karte bezahlt werden, der Arzt muss dafür kostenlos eine Quittung ausstellen. Noch einmal wird diese Gebühr beim ersten Zahnarztbesuch im Quartal fällig. Weitere Besuche bei anderen Ärzten bleiben zuzahlungsfrei, wenn der zuerst aufgesuchte Arzt Sie dorthin überwiesen hat (Details siehe Überweisung). Leider haben sich Ärzte und Krankenkassen noch nicht auf einen vereinfachten Weg zur Rückzahlung eventuell zu viel erhobener Praxisgebühren geeinigt. Weitere Befreiungen siehe unter Vorsorgeuntersuchungen, Gesundheits-Check, Krebsvorsorge, Impfungen, Unfall, Arbeitsunfall, Schwangerschaft, Zahnvorsorge. Besonderheiten unter Kostenerstattung, Notfälle, Integrierte Versorgung, Hausarztmodell, Bonusprogramme, Disease-Management. Grundlage: § 28 SGB V, § 18 Bundesmantelvertrag Ärzte im Internet hier.

Q wie Quittungen

Quittungen:
Quittungen für Zuzahlungen sammeln! Wichtig: Sie müssen Namen und Anschrift des Versicherten tragen! Siehe Belastungsgrenze. Wer auch die Quittungen über sonstige Gesundheitskosten (Brille, orthopädische Schuhe, Fahrtkosten, Zahnersatz etc.) sammelt, kann diese Ausgaben bei der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Grundlage: Einkommensteuergesetz § 33.

R wie Rehabilition und Rollstuhl

Reha (Rehabilitation):
Ob ambulant oder stationär: Je Tag werden zehn Euro Zuzahlung fällig - ohne zeitliche Begrenzung. Grundlage: § 40 SGB V. Siehe auch Anschlussrehabilitation.

Rollstuhl:


siehe Hilfsmittel

S wie Schwangerschaft, Sozialhilfeempfänger, Sterbegeld und Sterilisation

Schwangerschaft:
Vorsorge während der Schwangerschaft ist von der Praxisgebühr befreit. Ärztliche Beratung ist Bestandteil der Vorsorge. Grundlage: § 196 RVO, Richtlinie Mutterschaft.

Sozialhilfeempfänger:


Es gelten die allgemeinen Zuzahlungsregeln, die Belastungsgrenze liegt bei zwei, für chronisch Kranke bei einem Prozent des regionalen Regelsatzes für Haushaltsvorstände (ca. 70 bzw. 35 Euro im Jahr). Freibeträge werden nicht berücksichtigt. Grundlage § 62 SGB V.

Sterbegeld:


Wurde ersatzlos gestrichen.

Sterilisation:


Die Kosten werden nur übernommen, wenn die Sterilisation "durch Krankheit erforderlich" (Gesetzestext) ist. Grundlage: § 24b SGB V, Richtlinie zur Empfängnisregelung.

T wie Taxi

Taxi:
Nur wer auf ärztliche Verordnung zur stationären Aufnahme ins Krankenhaus fährt, kann die Taxikosten erstattet bekommen, muss allerdings nach den Allgemeinen Regeln zuzahlen. Auch Minderjährige müssen zuzahlen. Taxifahrten zum Arzt oder zu anderen ambulanten Leistungserbringern werden grundsätzlich nicht mehr erstattet. Grundlagen und Ausnahmen: siehe Fahrtkosten.

U wie Überweisung und Unfall

Überweisung:
Wer beim Besuch eines weiteren Arztes in einem Quartal keine Überweisung vorlegt, muss die Praxisgebühr ein weiteres Mal zahlen. Ausnahmen siehe Notfälle. Es besteht kein Rechtsanspruch darauf, überwiesen zu werden. Grundlage: § 28, § 61 SGB V, § 18 Bundesmantelvertrag Ärzte nachzulsesn im Internet hier

Unfall:


Bei allen medizinischen Leistungen wegen eines Unfalles, an dem ein anderer schuld ist, können Belastungen wie Zuzahlungen und Praxisgebühr beim Schuldigen geltend gemacht oder von der eigenen Kasse zurückverlangt werden.

V wie Verbandmittel, Versorgungszentren, Viagra und Vorsorgeuntersuchungen

Verbandmittel:
Regelung wie bei Verschreibungspflichtige Arzneimittel (immer von der Kasse bezahlte). Allerdings muss nicht je Packung, sondern je "Verordnungszeile" zugezahlt werden. Also: Auch für fünf Packungen Mullbinden ist nur eine Zuzahlung fällig.

Versorgungszentren:


Siehe Integrierte Versorgung.

Viagra:


siehe Arzneimittel (selbst zu zahlende III).

Vorsorgeuntersuchungen:


Sämtliche Vorsorgeuntersuchungen sind von der Praxisgebühr befreit. Dazu gehört auch die Besprechung der Ergebnisse mit dem Arzt, selbst wenn dies einen zweiten Termin erfordern sollte. Aber: Werden neben der Vorsorge noch andere medizinische Leistungen erbracht, wird die Praxisgebühr fällig. Grundlagen: §23-25, § 28, § 30 SGB V, § 196 RVO, Richtlinien Krebsfrüherkennung, Gesundheitsuntersuchung, Mutterschaft, Zahnvorsorge. Siehe auch Schwangerschaft, Krebsvorsorge, Brustkrebsvorsorge, Zahnvorsorge, Gesundheits-Check.

Z wie Zahnarzt, Zahnersatz, Zahnvorsorge, Zusatzleistungen, Zusatzversicherung und Zuzahlung

Zahnarzt:
Beim ersten Besuch im Quartal wird die Praxisgebühr fällig, auch wenn Sie bereits bei anderen Ärzten gezahlt haben. Ausnahme: Kieferorthopäden und -chirurgen, Quittung vom zahnärztlichen Notdienst. Grundlage: § 28 SGB V.

Zahnersatz:
Die bisherigen Härtefallregelungen gelten ausnahmsweise bis Ende 2004. Ab 2005 muss man sich für Zahnersatz extra versichern. Das Prinzip der Familienmitversicherung gilt weiter. Gezahlt werden dann nur noch Festzuschüsse je nach Befund. § 30, § 55-59 SGB V.

Zahnvorsorge:
Für eine Vorsorgeuntersuchung pro Halbjahr wird keine Praxisgebühr erhoben. Röntgenaufnahmen und ärztliche Beratung gehören zur Vorsorge, ebenso die Entfernung von Zahnstein (diese jedoch nur einmal pro Jahr). Ist bei der Vorsorge weitere Behandlung nötig, wird die Praxisgebühr fällig. Grundlage: § 25 SGB V, Richtlinie im Internet

Zusatzleistungen: Bietet der Arzt Leistungen an, die nicht von der Kasse bezahlt werden, so muss er dies schriftlich mit dem Patienten vereinbaren und eine Quittung ausstellen. Achten Sie darauf, in der Vereinbarung festzuhalten, dass Sie die genau beschriebenen Leistungen nur dann selbst zahlen wollen, wenn sie nicht vom Leistungskatalog der Kassen gedeckt sind. Sollte sich später herausstellen, dass der Arzt zu Unrecht privat abgerechnet hat, bekommen Sie so leichter Ihr Geld zurück. Ausgaben für Zusatzleistungen zählen nicht als Zuzahlungen, haben also keine Auswirkungen auf die Belastungsgrenze. Sie können aber steuerlich geltend gemacht werden. Siehe auch Quittungen.

Zusatzversicherung: Auch gesetzliche Kassen dürfen jetzt in Kooperation mit privaten Versicherungsunternehmen Zusatzversicherungen anbieten. Meist sind diese günstiger als direkt privat abgeschlossene Versicherungen, da man über die gesetzlichen Kassen von Gruppentarifen profitiert. Meist sind auch die Aufnahmevoraussetzungen liberaler. Aber: Der Preisvorteil kann bei Wechsel der gesetzlichen Kasse wieder verloren gehen, denn dann ist der Gruppentarif nicht mehr anwendbar - der Versicherte ist ja aus seiner Gruppe ausgeschieden. Nachfragen und Preisvergleiche lohnen sich. Grundlage: § 194 SGB V

Zuzahlung: Siehe unter Allgemeine Regeln und Belastungsgrenze.
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