HOME

Wachstumsmarkt: Versicherungen umwerben mehr Frauen

Immer mehr Versicherungen werben mit Spezialpaketen und Sondertarifen um weibliche Kundschaft. Leider mogelt sich immer mehr Schund unter seriöse Angebote.

Sie heißen »Ladylike«, »Frauen-Spezial« oder »Lady K«: Immer mehr Versicherungsunternehmen werben mittlerweile mit Spezialpaketen und Sondertarifen um die weibliche Kundschaft. Doch es bedarf häufig eines scharfen Blickes, um seriöse Angebote von Werbeballons zu unterscheiden.

Ursachenversicherung ist sinnlos

Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, warnt vor solchen »lila Einlullungen«. So wird bisweilen eine Kombination aus herkömmlicher Unfallversicherung und zusätzlichen Leistungen bei Krankheiten angeboten, zum Beispiel bei Brustkrebs. »Diese Auschnittsdeckung ist völliger Unsinn«, sagt Scholl. Eine Frau erkrankt zwar häufiger an Brustkrebs, kann aber genauso Darmkrebs bekommen und wäre für den Fall dann nicht versichert. Es macht generell keinen Sinn, nach Ursachen zu versichern, so der Experte. Zur Vorsicht bei speziellen Frauenagenturen oder entsprechenden Sonderangeboten rät auch Michael Wortberg, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Diese sind oft reine Werbegags. Zu empfehlen sind hingegen ertragsstarke Anbieter, die Frauen und Männer gleichwertig versichern.

Meist kein spzieller Versicherungsbedarf

Thomas Dammbier von der Stiftung Warentest sieht generell bei Lebens- und Krankenversicherungen keinen speziellen Versicherungsbedarf für Frauen. Unterschiedliche Tarife gleichen sich letztlich wieder aus: Frauen haben statistisch gesehen eine höhere Lebenserwartung als Männer. Bei der privaten Rentenversicherung haben sie daher einen leichten Nachteil: Sie bekommen bei gleich eingezahltem Beitrag eine etwas niedrigere Rente als Männer, beziehen sie allerdings in der Regel über einen längeren Zeitraum. Bei einer Lebensversicherung sind die Frauen jedoch im Vorteil: Das Risiko, dass die Frau stirbt, bevor sie alle Beiträge bezahlt hat, ist geringer als bei einem Mann. Deshalb bezahlt eine weibliche Versicherte bei gleicher Versicherungssumme niedrigere Beiträge. Insofern sind Mann und Frau annähernd gleichberechtigt versichert, so Dammbier.

Die Stiftung Warentest hat mehr als 60 Versicherungen in Hinblick auf ihre Angebote für Frauen bei private Renten-und Krankenversicherungen analysiert. Im Bereich Rente schnitten die drei Anbieter Cosmos Direkt, Hamburger Leben und HDI mit »Sehr gut« ab. Bei Krankenversicherungen für Angestellte, Beamte und Selbständige bekam die Huk Coburg als einziger Anbieter ein »Sehr gut«.

Frauen sind ein Wachstumsmarkt

»Der Frauenanteil bei den Versicherungen ist ein leicht wachsender Markt«, sagt Alois Schnitzer, Pressesprecher der Huk Coburg. Seinen Angaben zufolge versichern sich mehr jüngere als ältere Frauen: So liege die Zahl der weiblichen Versicherten in der Altersgruppe zwischen 45 und 49 Jahren in seinem Unternehmen bei 40 Prozent, in der zwischen 60 und 70 Jahren unter 30 Prozent. Die große Mehrheit der Verträge wird jedoch immer noch von Männern abgeschlossen.

Jährlich gibt es auf dem bundesweiten privaten Krankenkassenmarkt etwa 150.000 Neuzugänge, die relativ gleichmäßig auf Männer und Frauen verteilt sind. »Es gibt keine frauenspezifischen Produkte, nur unterschiedliche Tarife für Männer und Frauen, weil diese verschiedene Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen«, erklärt Christian Weber, Pressesprecher des Verbands privater Krankenversicherungen in Köln.

Mehr Männer rentenversichert

Anders sieht es bei den Lebensversicherungen aus: Dort gab es 1999 zum ersten Mal eine geschlechtsspezifisch aufgeschlüsselte Erhebung. Privat rentenversichert waren zu 40 Prozent Frauen und zu 60 Prozent Männer. Bei den Kapital-Lebensversicherungen waren 36 Prozent der Verträge von Frauen und 64 Prozent von Männern abgeschlossen worden. Doch die Frauen holen auf, so Katrin Rüter, Pressesprecherin des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungen für Leben und Renten (GdV) in Berlin: »Tendenziell versichern sich mehr Frauen privat, da sie zunehmend besser verdienen und unabhängig von ihrem Ehepartner werden.«