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Kommunen wollen mitverdienen Das lukrative Geschäft mit Deutschlands Müll

Ein Mann wirft einen gelben Sack auf einen Müllberg
Müll soll künftig noch besser recycelt werden. Daran wollen die Kommunen mitverdienen.
© Picture Alliance
Mit Müll lassen sich in Deutschland Milliarden verdienen. Bislang machen private Unternehmen mit Verpackungsabfall Kasse - nun wollen auch die klammen Kommunen mitmischen. Denn die Müllberge wachsen in Deutschland.

Eine Tonne für Verpackungsmüll, eine für Essensreste, eine für Altpapier, eine für Glas - und was dann noch übrig bleibt, kommt in den Hausmüll: Deutschland ist Weltmeister beim Müll trennen. Rund 64 Prozent des Abfalls werden wieder aufbereitet. Jeder Bürger, der brav das Weggeworfene in die richtigen Behälter stopft, ist ehrenamtlicher Helfer einer milliardenschweren Industrie.

Müll für Milliarden

Rund 35,6 Milliarden Euro wird der Umsatz der Abfallwirtschaft 2015 in Deutschland betragen, so die Schätzungen eines Branchenreports. Bis 2018 wird jedes Jahr eine Milliarde Euro dazukommen. Müll zu recyceln und zu entsorgen ist teuer - und somit ein lukratives Geschäft

Bislang haben privatwirtschaftliche Unternehmen das Geschäft der Verpackungsentsorgung dominiert. Jetzt wollen auch die Kommunen mitverdienen. Ein mit großer Mehrheit verabschiedeter Antrag von fünf Bundesländern sieht vor, dass die Kommunen künftig Abfälle sammeln. Damit stellt sich die Mehrheit im Bundesrat gegen einen Entwurf der Bundesregierung. Die will  das Wertstoffgesetz reformieren. Allerdings sollen nach Plänen der Regierung weiterhin private Unternehmen Kunststoffe und Metalle recyceln sammeln.

Streitpunkt Wertstofftonne

Konkret geht bei der Gesetzesänderung der Regierung um die Wertstofftonne und die Frage, was künftig alles darein gestopft werden darf. Durften bislang nur Verpackungen mit Kennzeichnung im gelben Sack landen, sollen künftig auch andere Plastik- und Metallgegenstände in diese Tonne. Kaputte Haushaltsgeräte, abgebrochenes Kinderspielzeug oder auch Altmetall würde nicht mehr im Hausmüll entsorgt werden. Kurzum: Alles, was sich wiederverwenden lässt, kommt in Zukunft in die Wertstofftonne. So würde auch die Recyclingquote steigen.

Den Kommunen geht dieser Vorschlag aber nicht weit genug. Sie wollen selbst beim Sammeln der Wertstoffe mitmischen. Sie planen eine zentrale Behörde, die die Organisation der Wertstofftonne verwalten würde, Gebühren bei den Verpackungsherstellern eintreibt und Aufträge für die Verwertung von Wertstoffen ausschreibt. Die Kommunen müssten nicht mehr alles mit dem Dualen System aushandeln, sondern würden - auch durch die Gebühreneinnahmen - unabhängiger agieren. Bislang holen zwar private Unternehmen den Müll ab, bringen in zum Sortieren und Weiterverarbeiten - doch die Verantwortung für die Müllabholung- und Entsorgung liegt bei den Kommunen. Und das ohne finanziellen Mehrwert.

Abfallwirtschaft übt scharfe Kritik

Die Abfallwirtschaft geht auf die Barrikaden. Die Unternehmen fürchten Umsatzeinbußen. Man wolle eine ganze Branche abschaffen, zitiert die "Lebensmittelzeitung" Thomas Mehl, den Chef des zweitgrößten Dualen Systems Bellandvision. Er wolle "mit aller Macht dafür kämpfen, dass es ein Wertstoffgesetz unter solchen Vorzeichen nicht gibt." Auch der Handelsverband Deutschland äußert Kritik. Die Zeche bei dem Bundesratsvorstoß müsse nicht nur die Wirtschaft, sondern auch der Bürger tragen, so die "Lebensmittelzeitung". Der Verband der kommunalen Unternehmen widerspricht: Da bislang jedes Abfallunternehmen allein arbeite und eine übergeordnete Behörde Synergien nutze, könnten unproduktive Systemkosten von rund 120 Millionen Euro eingespart werden, zitiert der "WDR" den Vizepräsidenten des Verbands, Patrick Haselkamp.

Kosten trägt der Kunde

Bei all dem Zoff um das Geschäft mit dem Müll ist die Realität von Recycling in Deutschland recht armselig: Während Glas und Altpapier bereits zu rund 80 Prozent wiederverwendet werden, ist das Anteil von recyceltem Plastik noch sehr gering. Zehn Millionen Tonnen Kunststoff werden pro Jahr neu hergestellt, vier Millionen Tonnen werden später zu Verpackungen verarbeitet. Doch nur 0,8 Millionen Tonnen haben den Grünen Punkt, schreibt das Wirtschaftsmagazin "BrandEins". Davon werden nur 60 Prozent dem Wertstoffkreislauf zugeführt - und nur ein Drittel davon wird wirklich recycelt. Allerdings kostet es rund 1,5 Milliarden Euro, dass auf Kunststoffverpackungen der Grüne Punkt prangt, schreibt "BrandEins". Diese Kosten trägt der Verbraucher. 


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