HOME

Windkraft: Streit um geplante Überlandleitung

Wohin mit dem Strom aus Windkraft? Diese Frage stellt sich derzeit an der schleswig-holsteinischen Westküste, denn die Kapazitäten der Windkraftanlagen übersteigen die des Leitungsnetzes erheblich.

Mehrfach mussten in den vergangenen Monaten Anlagen abgeschaltet werden - mit Millioneneinbußen für die Betreiber. Die geplante Verlegung eines neuen Kabels sorgt nun für Steit: Soll eine Freileitung oder ein Erdkabel verlegt werden, lautet die Frage. Ein in Husum (Kreis Nordfriesland) vorgestelltes Gutachten könnte jetzt Bewegung in die Pläne bringen. Dass das Stromnetz ausgebaut werden muss, ist unbestritten: Der Bundesverband Windenergie (BWE) habe schon vor Jahren den landesweiten Bedarf bis 2010 auf 3000 Megawatt skizziert. Das ist ein Drittel mehr als heute vorhanden ist, sagt der BWE-Landesvorsitzende Hermann Albers: "Die Netzausbauanträge wurden aber erst 2003 gestellt." Sie sehen eine Freileitung vom nordfriesischen Breklum nach Flensburg vor.

Hochspannungsleitung verschandelt Landschaft

Dagegen gibt es Widerstand. Betroffene aus mehreren Gemeinden der Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg laufen seit Monaten Sturm gegen die E.ON-Pläne. Sie favorisieren ein Erdkabel. Für Windparks Eignungsflächen auszuweisen, um die Landschaft nicht zuzubauen, andererseits dies aber durch riesige Hochspannungsleitungen dann doch zu tun "das macht überhaupt keinen Sinn", gibt Peter W. Petersen von der Initiative Pro Erdkabel zu bedenken.

Der Netzbetreiber dagegen wirft als Hauptargument die Kosten in die Waagschale: 20 Millionen Euro sind für eine Überlandleitung Breklum-Flensburg veranschlagt, ein Erdkabel würde das Drei- bis Vierfache dieses Betrages verschlingen. Eine vom BWE in Auftrag gegebenen Studie zeigt jetzt eine Lösung auf. Der Energie-Experte Prof. Heinrich Brakelmann von der Universität Duisburg-Essen hat errechnet, dass die Leitung unter der Erdoberfläche zum gleichen Preis, wenn nicht günstiger verlegt werden könnte. Bei einer Windenergie-Tagung stellte Brakelmann seine Ergebnisse vor und nannte einen weiteren Vorteil des Erdkabels: die erheblich schnellere Bauzeit von nur ein bis zwei Jahren - gegenüber fünf bis sieben für die Freileitung.

Zeit ist Geld

Und vor allem für die Windkraftanlagenbetreiber bedeutet Zeit Geld. Denn den Prognosen der E.ON zufolge würde ihnen durch unzureichende Netzkapazitäten allein im kommenden Jahr ein wirtschaftlicher Schaden von zwölf Millionen Euro entstehen. "Jedes Jahr, den der Ausbau länger dauert, bedeutet zwölf weitere Millionen", sagt Albers.

Heike Wells/DPA / DPA