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Auszeichnung für die Wirtschaft Was bringt der Mindestlohn? Drei Ökonomen mit Nobelpreis ausgezeichnet

Eine Medaille mit dem Konterfei von Alfred Nobel
Der Wirtschaftsnobelpreis ging in diesem Jahr an drei Forscher aus den USA und Kanada.
© Kay Nietfeld / DPA
Echte Experimente sind in der Ökonomie in der Regel kaum möglich. Manchmal aber hilft der Zufall – der Wirtschaftsnobelpreis 2021 würdigt die Arbeit auf diesem Gebiet.

Was bringt der Mindestlohn? Wie wirkt sich Zuwanderung auf den Arbeitsmarkt aus? Die Erforschung dieser Fragen ist essentiell, um gesellschaftspolitische Antworten zu finden. Ökonomen tun sich jedoch oft schwer damit, den Zusammenhang von Ursache und Wirkung systematisch zu untersuchen. Im Gegensatz etwa zur medizinischen Forschung sind reale Experimente in den Wirtschaftswissenschaften meistens schwer umsetzbar und ethisch schwierig. Beim Mindestlohn wäre es zum Beispiel kaum vorstellbar, aus der Bevölkerung eine Vergleichsgruppe auszuwählen, die keinen Anspruch darauf hat.

Die Ökonomen David Card, Joshua Angrist und Guido Imbens haben am Beispiel des Arbeitsmarkts gezeigt, dass es auch ohne stichprobenartige Versuche möglich ist, kausale Zusammenhänge zu analysieren. Sie haben sich dabei sogenannte natürliche Experimente zu Nutze gemacht. So werden Ereignisse genannt, die die Gesellschaft auf natürliche Weise in Versuchs- und Kontrollgruppen teilen.

Neue Methoden in der wissenschaftlichen Foschung

Am Montag zeichnete die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften die drei Forscher dafür mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften aus. "Die Beiträge der Preisträger haben die empirische Arbeit in den Wirtschaftswissenschaften völlig neu geformt", heißt es in der Begründung des Preiskomitees. Dadurch habe sich "unsere Fähigkeit, kausale Fragen zu beantworten, die für uns alle von großer Bedeutung sind, enorm verbessert".

Die eine Hälfte des Preises ging an den Kanadier David Card für "seine empirischen Beiträge zur Arbeitsökonomik". Card ist Wirtschaftsprofessor an der Universität Berkeley. Das Nobelkomitee würdigte insbesondere seine Forschung zur Auswirkung des Mindestlohns auf den Arbeitsmarkt am Beispiel von Fast-Food-Ketten in den USA in den frühen 1990er Jahren. Card machte sich dabei die unterschiedliche Gesetzgebung zweier benachbarter US-Staaten zunutze, die jeweils eine natürliche Versuch- und Kontollgruppe hervorbrachte.

Die andere Hälfte des Preises ging an den US-Amerikaner Joshua D. Angrist und den Niederländer Guido W. Imbens für "ihre methodologischen Beiträge zur Erforschung kausaler Zusammenhänge". Ihre Arbeit habe das Verständnis für natürliche Experimente verbessert und präzise Schlussfolgerungen daraus möglich gemacht.

Verkündigung um zwei Uhr nachts

Bei der Verleihung des Preises am Montagmittag in Stockholm war Preisträger Guido Imbens telefonisch aus den USA zugeschaltet. Der erste Anruf des Nobelkomitees habe ihn um zwei Uhr nachts erreicht, sagte der völlig überraschte Laureat. "Ich war absolut begeistert, als ich die Nachricht gehört habe. Vor allem, dass ich den Preis zusammen mit David Card und Joshua Angrist bekommen habe, die beide zu meinen Freunden zählen", sagte er. Angrist sei sogar sein Trauzeuge gewesen.

Der "Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften", wie die Auszeichnung offiziell heißt, geht im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen nicht auf das Testament von Alfred Nobel zurück. Er wurde erst 1968, viele Jahrzehnte nach seinem Tod, von der Schwedische Reichsbank in seinem Gedenken gestiftet. Der Preis wird jedes Jahr von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm verliehen. Im vergangenen Jahr ging er an die US-Ökonomen Paul Milgrom und Robert Wilson für ihre Arbeiten zur Auktionstheorie.

cl

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