Wirtschaftsnobelpreis Wirtschaftspolitik erforscht


Der Amerikaner Edward Prescott und der Norweger Finn Kydland erhalten den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft. Beide Forscher wurden für ihre bahnbrechenden Arbeiten zu Wirtschaftspolitik und Konjunkturzyklen ausgezeichnet.

Den Nobelpreis für Wirtschaft erhalten in diesem Jahr der Amerikaner Edward Prescott und der in den USA lehrende Norweger Finn Kydland. Sie wurden für ihre bahnbrechenden Arbeiten zu Wirtschaftspolitik und Konjunkturzyklen ausgezeichnet. Die Forschungen der beiden hätten nicht nur in der Wirtschaftswissenschaft, sondern auch in der Geld- und Steuerpolitik vieler Länder ihren Widerhall gefunden, erklärte die Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm.

Amerikaner dominieren Wirtschaftsnobelpreis

"Ich bin überwältigt. Schade nur, dass ich meine Vorlesung unterbrechen musste", sagte Kydland, den die Nachricht mitten während einer Lehrveranstaltung in Bergen ereilte. Er ist der dritte Norweger, der diese Auszeichnung erhält. Prescott erklärte, er fühle sich sehr geehrt. Der Wirtschaftsnobelpreis wird klar von Forschern aus den USA dominiert: Prescott ist bereits der fünfte amerikanische Preisträger seit dem Jahr 2000. Als bislang einziger Deutscher gewann der Wirtschaftswissenschaftler Reinhard Selten 1994 den Preis. Der 60 Jahre alte Kydland lehrt an der Carnegie-Mellon-Universität in Pittsburgh im US-Staat Pennsylvania. Der 63-jährige Prescott forscht an der Universität von Arizona in Tempe und ist Mitglied im Rat der Notenbank im US-Staat Minnesota.

Kydland und Prescott haben in den 70er Jahren über die Wirkungszusammenhänge von Wirtschaftspolitik und dem Handeln verschiedener Teilnehmer im Wirtschaftsprozess wie Unternehmen und Gewerkschaften geforscht. Sie stießen dabei auf das Phänomen des "Zeitinkonsistenzproblems". Dies besagt, dass eine Politik, die von den Entscheidungsträgern im Voraus als beste Option angestrebt wird, später oftmals nicht umgesetzt wird, weil allein schon deren Ankündigung - wie beispielsweise die Inflation zu bekämpfen - die Erwartungen und damit auch das Handeln von Firmen und Privathaushalten beeinflusst und somit die Rahmenbedingungen verändert, wie die Akademie erläutert. Die Arbeit der beiden Nobelpreisträger habe zugleich den engen Spielraum von Wirtschaftspolitik verdeutlicht.

Den Sirenen widerstehen

Hintergrund der Forschung ist die wirtschaftliche Situation in den 70er Jahren, als fast alle westlichen Industrieländer hohe Inflationsraten aufwiesen. Diese wurde aber akzeptiert, weil man sich davon kurzfristig einen Rückgang der Arbeitslosigkeit erhofft habe, erklärte Per Krusell vom Nobelpreiskomitee. Kydlands und Prescotts Artikel aus dem Jahr 1977 habe das Problem verdeutlicht und viele Länder dazu gebracht, ihren Notenbanken die Einhaltung bestimmter Regeln vorzuschreiben, egal was die Marktkräfte verlangen. Das Konzept sei im Grunde genommen schon aus der griechischen Mythologie bekannt. "Es ist ein bisschen so wie Odysseus, der sich selbst an den Mast bindet", um dem Gesang der Sirenen zu widerstehen, sagte Krusell. "Man hat erkannt, dass Regeln, die die Zentralbanken binden, in jedermanns Interesse liegen."

Der Nobelpreis ist mit zehn Millionen Kronen (1,1 Millionen Euro) dotiert. 1968 stiftete die Schwedische Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung einen Preis für Wirtschaftswissenschaften, der 1969 erstmals verliehen wurde. Die Verleihung der Nobelpreise erfolgt alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag des Stifters. In der vergangenen Woche wurden bereits die Nobelpreise für Medizin, Chemie, Physik, Literatur und Frieden vergeben.

Matt Moore/AP AP

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