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Ratgeber Allergie
Hyposensibilisierung

Eine Impfung gegen die Allergie

Wenn Sie Ihre Allergie bei der Wurzel packen wollen, hilft nur eine Hyposensibilisierung. Diese Therapie bekämpft nicht die Symptome, sondern die Ursache der überschießenden Abwehrreaktion. Ihr Arzt wird Ihnen Spritzen, Tabletten oder Tropfen anbieten. Doch Vorsicht: Nicht alle Präparate helfen gleich gut. Und die Behandlung selbst kann ebenfalls einen Allergieschub auslösen.

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Spezifische Immuntherapie,
Allergie-Impfung, Immuntherapie, Hyposensibilisierung, Allergie, Therapie

Ein Pieks gegen die Allergie: Die Spritze enthält winzige Mengen des Allergens. So gewöhnt sich das Immunsystem daran© Ecarf

Sie soll das Immunsystem trainieren und langsam an das Allergen gewöhnen: Die Hyposensibilisierung ist die einzige Allergietherapie, die das Übel tatsächlich bei der Wurzel packt. Ärzte nennen das Verfahren auch spezifische Immuntherapie oder sprechen von der Allergie-Impfung. Tatsächlich ist sie dem Impf-Prinzip sehr ähnlich: Allergiker erhalten winzige Mengen des Allergens, das in höherer Konzentration eine heftige Immunreaktion auslösen würde. Die geringe Dosis ermöglicht es dem Abwehrsystem, die angemessene Reaktion auf Pollen, Hausstaubmilben oder Insektengifte zu erlernen. Wie genau dieser Gewöhnungsprozess im Körper abläuft, ist noch nicht in allen Einzelheiten geklärt. Sicher ist aber: Fast immer findet er statt.

Die Immuntherapie gibt es gegen Gräser-, Baum- und Kräuterpollen, gegen Hausstaubmilben, Katzenhaare und Schimmelpilze. Am besten hilft sie bei Menschen, die überempfindlich auf Bienen- oder Wespenstiche reagieren. Derzeit arbeiten Forscher an neuen Impfstoffen gegen Nahrungsmittel- oder Kontakt-Allergien, zum Beispiel gegen Latex. Spritze, Tablette oder Tropfen

Standard ist die Hyposensibilisierung mit einer Spritze unter die Haut. Ärzte nennen das die subkutane Immuntherapie (SCIT). Dabei spritzt der Mediziner den Allergen-Extrakt in die Rückseite Ihres Oberarms. Seit einigen Jahren gibt es eine angenehmere Variante mit Tabletten oder Tropfen: die sublinguale Immuntherapie (SLIT). Dabei müssen Sie den Wirkstoff ein bis zwei Minuten unter der Zunge halten und können ihn dann schlucken. Allerdings ist diese Form der Immuntherapie noch nicht so gut erforscht.

Die Spritzentherapie besteht aus zwei Phasen: In den ersten Wochen spritzt Ihnen der Arzt das Allergen einmal wöchentlich – jedes Mal ein wenig mehr, bis die größtmögliche Dosis erreicht ist. Danach bekommen Sie die Allergenspritzen nur noch alle vier bis acht Wochen. So prägt sich das Immunsystem auch auf Dauer ein, dass es auf dieses Allergen nicht mehr zu reagieren braucht. Erst nach drei bis fünf Jahren ist die Behandlung abgeschlossen. Bessert sich Ihre Allergie nach spätestens zwei Jahren überhaupt nicht, wird der Arzt die Therapie möglicherweise vorzeitig abbrechen. Die Behandlung birgt das Risiko einer allergischen Reaktion - manchmal nur als roter juckender Knubbel an der Einstichstelle, selten mit Kreislaufproblemen oder Übelkeit bis hin zum allergischen Schock.

Die Therapie kann einen Allergieschub auslösen

Schneller geht es in der Anfangsphase mit einer Kurzzeit-Immuntherapie, die aus vier bis acht Injektionen vor der Pollenflugsaison besteht. Oder der Arzt spritzt Ihnen zwei bis vier Injektionen an einem Tag und wiederholt das ganze nach ein oder zwei Wochen. Für eine dritte Variante müssen Sie in die Klinik gehen: Dort erhalten Sie an zwei bis drei Tagen alle 30 bis 60 Minuten eine Spritze. Diese Rush-Immuntherapie ist sinnvoll für Menschen, die besonders heftig auf Insektengifte reagieren. Sie gewöhnen ihren Körper dann schnell an das Gift und die Therapie dauert nicht Wochen und Monate, in denen weiterhin jeder Insektenstich lebensbedrohlich sein kann. Sie birgt aber ein deutlich höheres Risiko einer heftigen allergischen Reaktion. Mit Ausnahme der Rush-Immuntherapie bei Insektengift-Allergie ist bislang unklar, ob die Schnellverfahren überhaupt Vorteile gegenüber der normalen Spritzkur haben.

Tabletten und Tropfen müssen Sie in den ersten Wochen täglich schlucken, danach zumindest mehrfach pro Woche. Verglichen mit der Spritze müssen Sie dabei eine deutlich größere Menge des Allergens zu sich nehmen. Die Therapie kann auch Nebenwirkungen haben: Bis zu 70 Prozent der Allergiker klagen über Juckreiz im Mund oder eine geschwollene Schleimhaut. Manchmal kommen auch Magen-Darm-Probleme dazu. Deshalb brechen mehr Menschen eine Tablettentherapie ab als eine Spritzentherapie.

Wenn Sie unter Heuschnupfen leiden, sollten Sie die Hyposensibilisierung am besten im Herbst beginnen. Dann ist Ihr Immunsystem im Frühjahr gut gegen die Allergie trainiert. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob Sie während des Pollenfluges die Therapie unterbrechen oder die Dosis vermindern sollten. Auf diese Weise wird Ihr Immunsystem nicht doppelt belastet. Manchen Insektengift-Allergiker begleitet die spezifische Immuntherapie ein Leben lang. Denn nur so kann er verhindern, dass der Körper die Gift-Toleranz wieder verlernt - und der nächste Stich wieder das Leben bedroht.


Katharina Kluin / Arnd Schweitzer

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