Die Überreaktion des Immunsystems läuft nicht bei allen Allergien gleich ab. Manche Reaktionen erfolgen unmittelbar nach dem Kontakt mit einem bestimmten Allergen, andere mit zeitlicher Verzögerung - es können bis zu 72 Stunden vergehen. Dann ist es für Allergiker und ihre Ärzte besonders schwer, den Auslöser herauszufinden. Das ist aber wichtig, um künftig das Allergen meiden zu können oder um eine gezielte Therapie zu beginnen.

Mehr als 90 Prozent aller Allergien sind Erkrankungen vom sogenannten Soforttyp© Colourbox
Mediziner unterscheiden vier Allergietypen. Bei jedem Typ laufen im Körper andere Reaktionen ab. Auch sind jeweils unterschiedliche Zellen, Botenstoffe oder Antikörper der Immunabwehr daran beteiligt:
Bei der allergischen Sofortreaktion treten die Symptome unmittelbar nach dem Kontakt mit dem Allergen auf. Die allergische Reaktion beruht dabei vor allem auf einer gesteigerten Produktion des Antikörpers IgE. Besonders heftige Reaktionen sind bei Menschen zu erwarten, die genetisch dafür veranlagt sind, bei Kontakt mit einem Allergen vermehrt IgE zu produzieren. Fachleute nennen sie Atopiker.
Typische allergische Reaktionen vom Soforttyp sind:
Schaltstellen für die allergische Reaktion sind die Mastzellen. Diese speziellen weißen Blutkörperchen gehören zu den Abwehrzellen, die im Knochenmark aus Knochenmarkstammzellen gebildet werden. Mastzellen befinden sich im lockeren Bindegewebe aller Organe, auch im Bereich der Haut und der Blutgefäße. Nur im Gehirn sind sie nicht vorhanden. In den Mastzellen befinden sich kleine Bläschen, die mit Botenstoffen (so genannten Mediatoren) gefüllt sind, vor allem mit Histamin.
Bei Kontakt mit einem Allergen produzieren bestimmte Abwehrzellen (B-Zellen) IgE-Antikörper, die sich auf den Mastzellen festheften. Diese Antikörper können, jeweils zu zweit, ein Allergenmolekül einfangen und neutralisieren. Das bezeichnet man als Antigen-Antikörper-Reaktion.
Beim ersten Kontakt mit dem Allergen werden nur wenige der auf der Mastzelle angehefteten IgE-Antikörper zur Neutralisation belegt. Dieser Reaktionsschritt wird Sensibilisierung genannt. Beim nächsten Kontakt mit dem gleichen Antigen kommt es dann zur eigentlichen allergischen Reaktion. Die massenweise an den Mastzellen anhaftenden IgE-Antikörper (bis 50.000 auf einer einzigen Mastzelle) fangen die Moleküle des Allergens ein. Und das führt zu einer übermäßigen Freisetzung von Histamin. Durch die heftige Reaktion platzt die Mastzelle regelrecht auf.
Histamin und andere Entzündungsstoffe führen dazu, dass die Blutgefäße sich stark weiten. Innerhalb von Sekunden bis Minuten tritt Flüssigkeit aus und es kommt zur Bildung der typischen Ödeme und Blasen. Der Blutdruck sinkt. Die Betroffenen leiden unter Juckreiz und Atemnot. Häufig sind diese Reaktionen örtlich begrenzt. Beispiele dafür sind der Heuschnupfen und die Nesselsucht. Weitet sich die allergische Reaktion auf den ganzen Organismus aus, wie das bei einem anaphylaktischen Schock der Fall ist, kann es lebensgefährlich werden: Der Blutdruck fällt so stark ab, dass Bewusstlosigkeit eintreten kann.