Zahnloser Pitbull

23. Januar 2013, 18:19 Uhr

Nissan bringt seinen Haustuner Nismo nach Europa. Den Anfang macht der Juke.

Sein Auftritt gleicht dem eines scharfen Pitbulls. Er sieht bullig, kräftig und sportlich aus. Wer sich mit ihm anlegt, so scheint es, zieht den Kürzeren. Doch der Schein trügt. Denn unter dem Stahlkleid des neuen Nissan Juke Nismo geht es nicht nur gewohnt eng, sondern mit nur zehn PS /sieben Kilowatt mehr auch äußerst kraftlos zur Sache. Zugegeben, 147 kW / 200 PS sind für ein Fahrzeug wie dem Juke ein ordentliches Pfund. Doch versucht Nissan mit eben jenem Modell seinen Haustuner Nismo in Europa zu etablieren. Eine weitere Ausbaustufe mit 160 kW / 218 PS soll Ende des Jahres auf den Markt kommen. Dass der nette Veredler von nebenan gegen einen Bruchteil des Aufpreises von 2.300 Euro zum vollausgestatteten Juke dem kleinen Japaner eine weitaus effektivere PS-Spritze verpassen kann, lässt den Hersteller jedoch kalt.

Warum es ausgerechnet der stark polarisierende, aber im vergangenen Jahr immerhin 12.600 Mal verkaufte Crossover sein musste, wird mit genau dieser Eigenschaft begründet. "Er fährt in seinem eigenen Segment und wirkt nicht nur durch sein Design innovativ", heißt es seitens Nismo. War schon der alte Juke ein Hingucker, zieht die hausgetunte Version noch mehr Blicke auf sich. Vor allem der martialische Frontbereich und die andersfarbig lackierten, leider etwas zu großen und dadurch Windgeräusche erzeugenden Seitenspiegel lassen zumindest im Betrachter den Glaube an ein PS-Monster entstehen. Dass es den Juke in genau so einer fast unfahrbaren R-Version mit satten 404 kW / 550 PS zu kaufen gibt, wissen allerdings nur die wenigsten. Von dessen Fahrleistungen darf der Besitzer eines 26.400 Euro teuren Juke Nismo zwar nur Träumen, doch wacht auch der letzte Träumer bei einem umgerechneten PS-Preis von knapp 1.000 Euro schnell wieder auf. Nein, hier liegt kein Rechenfehler vor, der R-Juke kostet fast eine halbe Million Euro.

Doch zurück zum gedopten Japaner für Jedermann. Wird sich von dem Gedanken, einen echten Übersportwagen kaufen zu wollen verabschiedet, werden Juke-Freunde beim diesem leicht getunten Fünfsitzer voll auf ihre Kosten kommen. Der Innenraum ist mit Alcantara ausgelegt, die überarbeiteten Armaturen gut ablesbar und dank der guten und bequemen Sportsitze ist ein steter Kontakt zum Fahrzeug gewährleistet. Der von einem 1,6 Liter großen Vierzylinder angetriebene Crossover bringt 250 Newtonmeter über die Vorderachse und die daran befindlichen 18 Zoll großen Räder auf die Straße - auch ohne, dass die Traktionskontrolle unter Dauerbeschäftigung leidet. Sein Leergewicht von 1.293 Kilogramm harmoniert gleichzeitig ausgesprochen gut mit seiner direkten Lenkung, welche im Vergleich zum normalen Juke, seinem Fahrer wesentlich mehr Rückmeldung vermittelt. Das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe arbeitet zuverlässig und die Bremsen packen ordentlich zu. Trotz des hohen Schwerpunktes lässt er sich überraschend komfortabel und auch durch schnell gefahrene Kurven ohne störende Wankbewegungen pilotieren. Die Geräuschkulisse des im Februar in Deutschland auf den Markt kommenden und erst ab 4.000 Umdrehungen pro Minute richtig sportlich wirkenden Japaners sollte Nismo jedoch noch einmal etwas nachwürzen.

Mit Blick auf die Fahrleistungen wird schnell deutlich, dass es den Entwicklern aus dem Hause Nismo tatsächlich mehr um den Schein als um ein stärkeres Sein gegangen sein musste. Denn anders sind die Sprintverbesserung um 0,2 Sekunden (7,8) bis Tempo 100 und eine identische Spitzengeschwindigkeit von 215 Kilometern pro Stunde nicht zu erklären. Mehr ist aus zehn Pferdestärken nicht zu holen. Erfreulich ist hingegen die Tatsache, dass der Spritverbrauch mit 6,9 Liter Benzin auf 100 Kilometern, beziehungsweise der CO2-Ausstoß von 159 Gramm pro Kilometer, ebenfalls gleich geblieben sind. Dank seines 46 Liter-Tanks schafft der 4,16 Meter lange, 1,77 Meter breite und 1,56 Meter hohe Nissan Juke Nismo eine Reichweite von über 600 Kilometern. Für den mit 251 Litern immer noch viel zu kleinen Kofferraum können die Entwickler von Nismo aber nun wirklich nichts. Immerhin vergrößert er sich mit Hilfe des Rückbankumklappens auf bis zu 830 Liter.

Da selbst Nissan mit einer Stückzahl in Höhe von nur 210 Exemplaren für das laufende Jahr kalkuliert, wird der kleine Pitbull nur selten im Straßenverkehr zu erspähen sein. Anders könnte es ab diesem Sommer mit dem nächsten Nismo-Modell werden, dem 370 Z. Der um 12 kW / 16 PS auf 253 kW / 344 PS erstarkte Sportler wird zwar auch nicht durch völlig neue Fahrleistungen glänzen, doch lässt er durch sein Äußeres nicht nur auf der Essen Motor Show die Herzen vieler Autofans höher schlagen. Im Vergleich zu dem kleinen Dachspoiler am Heck des Juke Nismo präsentiert der 370 Z eine echte Theke auf seinem runden Hintern. Und knapp einen halben Meter darunter luken anstelle nur eines verchromten Endrohres beim Sportwagen zwei Faustgroße Röhren hervor. Vielleicht wäre ein Europa-Nismo-Start mit ihm ein wenig geschickter gewesen.

Nissan Juke Nismo
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