Apple-Chef Steve Jobs ist ein charismatischer Verkäufer, der es versteht, um fast jedes neue Produkt seiner Firma einen Hype entstehen zu lassen. Ihn zu interviewen, ist allerdings eine eher spezielle Erfahrung. Erinnerungen von Oliver Creutz

Jobs im Jahr 2001: Er stellt den iMac vor© Mario Tama/Getty Images
Da ist es wieder, das Zucken. Der linke Mundwinkel springt nach oben, ganz kurz, aber deutlich sichtbar für das Gegenüber. Steve Jobs im Interview, Paris 2001. Vor ein paar Stunden hat er sich, wie üblich, bei einer Ansprache an die Apple-Gemeinde für die neuen Produkte feiern lassen. Jetzt hat er sich Zeit genommen für ein Einzelgespräch. Wie wenig Zeit, wird sich bald zeigen.
Sein wiederkehrendes Zucken ist ein Zeichen dafür, dass ihm eine Frage nicht gefallen hat, etwa die Frage, wie es war in den 70ern, als die jungen Menschen in Kalifornien an die Rockmusik glaubten, an die Drogen, die Liebe - und nicht an Computer. Als er einer der wenigen war, der nicht mit dem Rock'n'roll berühmt werden wollte, sondern mit dem Computerbauen. Jobs zuckt, als wollte er die Antwort seinem Gegenüber ins Gesicht brüllen, doch dann findet er sein Geschäftsmann-Lächeln wieder und sagt, er sei nicht hier, um über die Vergangenheit zu reden, sondern über seine neuen Produkte.
So geht das bei jeder weiteren Frage. Warum stellen sich die Menschen einen Macintosh auf den Schreibtisch? "Weil wir fantastische Geräte haben." Wollen Apple-Nutzer ein bisschen anders sein als Microsoft-Nutzer? "Nein, sie wollen nur den besten Computer der Welt besitzen." Ist ein Apple-Computer eine Lebenshaltung? "Ich verstehe die Frage nicht." Nun, was ist denn so toll an dem neuen Betriebssystem? "Es hat ein sehr fortschrittliches Underpinning." Ach so. Nach zehn Minuten wird das Gespräch, das eigentlich eine Stunde dauern sollte, beendet, Steve Jobs lächelt sein Geschäftsmann-Lächeln, sagt "Machen Sie's gut" - und denkt wahrscheinlich, dass die ganze Welt aus Idioten besteht.
Jobs: Das Apple-Gefühl?
Okay.
Oh, um diesen Kram kümmere ich mich nicht mehr. Schreiben Sie, was Sie wollen, ich bin hier, um darüber zu reden, was Apple heute macht.
Hmhm.
Das müssen Sie selber rausfinden. Ich würde mich gern über die Sachen unterhalten, die wir heute auf den Markt bringen.
Okay.
Wir haben weltweit 25 Millionen Kunden, oder nein: Benutzer ist das bessere Wort. Allgemein gesagt, sind die alle ziemlich smart, kreativ. Sie arbeiten als Designer, Wissenschaftler, Schreiber. Wir sind die Nummer eins in der Bildung, viele Schüler und Lehrer benutzen Apple. Und: Auch im Kundenmarkt entwickeln wir uns prächtig. Wir haben fantastische Geräte, um ins Internet zu kommen. Und jetzt kann man auf einem Macintosh sogar einen Film herstellen.
Nicht unbedingt. Das sind Menschen, die einfach den besten Computer der Welt kaufen wollen.
Mac-Nutzer lieben ihre Macs mehr als andere Kunden ein Produkt lieben.
Apple legt Wert auf gutes Handwerk. Bei uns ist alles zu Ende gedacht, nicht nur angedacht. Der Nutzer muss kein Computer-Experte sein, um seinen Computer zu bedienen.
Der Apple ist einfach zu bedienen, und mit unserem neuen Betriebssystem Mac OS X wird alles noch einfacher.
Erstens: Es hat einen wahnsinnig fortschrittliches "underpinning". Das ist ein extrem modernes Betriebssystem, das unterhalb der Benutzeroberfläche arbeitet. Sehr schnell, sehr stabil, sehr zuverlässig. Nummer zwei: Es hat ein total neues Nutzer-Interface. Das Ziel: Es soll leistungsstärker und einfacher sein. Und die dritte Sache ist: Es wurde geschaffen für das Internet. Wir haben ein super Grafiksystem eingebaut.
Klar gibt es die.