. .
Computer - Neuigkeiten und Trends
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
27. Juni 2008, 11:52 Uhr

Der mächtigste Nerd tritt ab

Bill Gates und seine Programme haben die Welt verändert. Nun hat der Microsoft-Gründer seinen letzten Arbeitstag bei dem Softwarekonzern. Er ist der Prototyp des leicht merkwürdigen Computernerds, eiskalter Geschäftsmann - und der größte Spender der Welt. Rückblick auf eine beispiellose Karriere.

Applaus! Bill Gates blickt auf 30 Jahre Microsoft zurück© Timothy A. Clary/AFP

Den Posten als Chef von Microsoft hat Bill Gates bereits vor acht Jahren aufgeben und in die Hände seines Kompagnons Steve Ballmer gelegt. Nun zieht sich der Mitbegründer von Microsoft endgültig aus dem Tagesgeschäft des Softwaregiganten zurück. Computergenie, Sonderling, "Nerd", Visionär und Business-Stratege - es gibt vielfältige Beschreibungen von dem Mann, der in den vergangenen 30 Jahren den Alltag von vielen Millionen Menschen radikal verändert hat. Vom 1. Juli an will er sich auf seine gemeinnützige Arbeit in der milliardenschweren Bill & Melinda Gates Foundation konzentrieren, die sich vor allem für den Kampf gegen Krankheiten engagiert.

Keine Führungspersönlichkeit der IT-Branche hat so früh daran geglaubt und so entschlossen daran gearbeitet wie Bill Gates, dass Computer einmal ganz selbstverständlich von jedermann genutzt werden können. Anfang der siebziger Jahre hatten nur Experten in Universitäten, Großunternehmen und beim Militär Zugriff auf die großen Rechenmaschinen. Die Wende kündigte sich an, als Ende 1974 die Zeitschrift "Popular Electronics" mit dem Mikrocomputer "Altair 8800" auf dem Titel erschien.

Elektrisiert vom Altair 8800

Bill Gates und sein Studienfreund Paul Allen waren wie elektrisiert. "Erregt lasen wir von dem ersten echten Personal Computer, und obwohl wir noch keine genaue Vorstellung davon hatten, wozu er zu gebrauchen wäre, war uns doch schon bald klar, dass er uns und die Welt des Computings verändern würde", schrieb Gates in seinem Buch "Der Weg nach vorn". "Wir sollten recht behalten. Die Revolution ist eingetreten, und sie hat das Leben von Millionen Menschen verändert."

Gates brach sein Harvard-Studium ab, um mit Paul Allen das Unternehmen Microsoft aufzubauen. In diesen Anfangstagen der IT- Industrie hatte Gates aber auch Glück. Per Zufall erhielt er 1980 den Großauftrag, ein Betriebssystem für den ersten PC von IBM zu liefern - ein System, das er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht besaß. Gates versprach der IBM-Delegation das Blaue vom Himmel und löste die prekäre Situation, indem er von der klammen Firma Seattle Computers Products (SCP) für 50.000 Dollar die Rechte an einem System mit dem Namen "Qdos" kaufte, um IBM zu bedienen.

Erste juristische Probleme

Gates benannte das System in MS DOS ("Microsoft Disc Operating System") um und entwickelte es weiter. Mitte der 80er Jahre musste Microsoft nach einem Rechtsstreit knapp eine Million Dollar an SCP bezahlen, da Microsoft den Namen des Großkunden IBM verschwiegen und sich damit das Qdos-System erschlichen habe. Auch später sah Gates sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, Innovationen nicht selbst entwickelt, sondern bei anderen abgekupfert zu haben.

Das legendäre Foto der ersten Microsoft-Belegschaft im Jahr 1978. Gates ist unten links, Allen unten rechts© Microsoft/DPA

Mit DOS legte Gates nicht nur den Grundstein für den überragenden Erfolg von Microsoft und seines persönlichen Vermögens, sondern begründete die Software-Industrie. Mit dem Büroprogrammpaket "Office" und dem Betriebssystem "Windows" wuchs das Unternehmen in den folgenden Jahrzehnten dann zu einem übergroßen Software-Imperium. Noch heute erwirtschaftet Microsoft seinen Gewinn fast ausschließlich mit Office und Windows, auch wenn die Produktpalette des Konzerns fast unüberschaubar geworden ist und von Großrechnersystemen bis hin zu (bislang erfolglosen) MP3-Playern ("Zune") reicht.

Ökosystem im MS-Umfeld

Rund um Microsoft ist ein eigenes Ökosystem entstanden: "Pro Dollar, den Microsoft umsetzt, verdienen unsere Partner-Unternehmen 7,79 Dollar", rechnete der Softwaregigant kürzlich vor. Danach machten 2007 weltweit mehr als 640.000 Unternehmen aus dem Microsoft- Umfeld mit 14,7 Millionen Arbeitnehmern über 425 Milliarden Dollar (275 Mrd. Euro) Umsatz.

Obwohl Gates stets bereit war, den Erfolg von Microsoft mit Partnern zu teilen, schreckte er aber auch nicht davor zurück, die Marktmacht seines Unternehmens brutal einzusetzen. Als Microsoft Anfang der neunziger Jahre die Bedeutung des Internets verschlafen hatte, zettelte Gates den "Browser-Krieg" gegen Netscape an. Diese Episode steht stellvertretend für die wiederholt angeprangerten Geschäftspraktiken des Konzerns.

"Rücksichtsloser Geschäftsmann"

Gates sei ein "rücksichtsloser Geschäftsmann, der durch technische Spielereien Macht gewinnt und es dann nicht lassen kann", charakterisierten die US-Autoren Jim Erickson und James Wallace "Mr. Microsoft". Die damalige US-Justizministerin Janet Reno klagte: "Microsoft nutzt sein Monopol auf ungesetzliche Weise, um seine Alleinherrschaft zu verteidigen und zu erweitern." Nach dem Wahlsieg von George W. Bush gegen Al Gore im Jahr 2001 entging Microsoft jedoch einer drohenden Zerschlagung.

Gates tat sich in dieser Phase schwer, die Rolle des Konzernführers auszufüllen. In endlosen Meetings musste er mit seinem Juristenstab die Abwehrstrategie für Microsoft entwerfen, anstatt sich auf neue Produkte konzentrieren zu können. Sein Auftritt im Kartellverfahren, in dem er jegliche unfaire Attacken auf seine Wettbewerber bestritt, ließen etliche Beobachter an der Glaubwürdigkeit von Gates zweifeln. Die Unzufriedenheit von Bill Gates mit seiner eigenen Rolle dürfte auch den Ausschlag gegeben haben, dass er im Januar 2000 als Chief Executive Officer (CEO) zurücktrat, um sich auf die Rolle des "Chief Software Architects" zu fokussieren.

Wohlgelitten in den USA

Die Querelen um das Kartellverfahren beeinträchtigten aber insbesondere in den USA die öffentliche Wertschätzung für Gates Lebensleistung kaum: Das liegt auch daran, dass viele hunderttausend Aktionäre vom Aufstieg der Gates-Firma profitierten: Wer beim Börsengang am 13. März 1986 hundert Microsoft-Aktien für insgesamt 2800 Dollar gekauft und sie bis heute behalten hätte, besäße nach den verschiedenen Aktiensplitts inzwischen 28.800 Microsoft-Aktien im Gesamtwert von knapp 830.000 Dollar. Ende 1999 wären die Papiere sogar mehr als 1,4 Millionen Dollar wert gewesen.

Bill Gates wurde vom US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" in der Zeit zwischen 1996 und 2007 dreizehn Mal als reichster Mann der Welt gelistet. In diesem Jahr rutschte er mit einem geschätzten Vermögen von 58 Milliarden Dollar auf Platz drei ab. In den kommenden Jahrzehnten will Gates ein Großteil seines Vermögens in die "Bill & Melinda Gates Foundation" überführen. Damit würde er nicht nur als Pionier der Software-Industrie in die Geschichtsbücher eingehen, sondern als einer der größten wohltätigen Stifter.

Christoph Dernbach/DPA
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Known (27.06.2008, 22:13 Uhr)
@Bill Gates
Bill, nimm Dir die Kommentare nicht zu Herzen, ich benutze seit Jahren die Produkte Deiner Firma und bin zufrieden. Ich kaufe einen Computer um damit zu arbeiten und nicht wie bei Linux und Konsorten, Hardware zu kaufen und dann monatelang auf einen Treiber zu warten der nicht der GPL entspricht und zusätzlich mein System instabil macht, weil der Treiber von nVidia nicht mit dem X.Org-Server zusammenarbeiten will...Habe Dich und dein BS ganz lieb, Dein lieber Known
Blaze (27.06.2008, 15:29 Uhr)
Bei aller Abscheu....
Auch ich habe schon viele Nerven an MS-Produkten gelassen, aber noch viel mehr Nerven hat es mich gekostet, andern Menschen den Umgang mit diesen Produkten zu erklären. Oder aber die Fehler die von andern gemacht wurden wieder auszubügeln. Wenn ich mir nun Vorstelle diesen Menschen Open Source produkte an die Hand zu geben, welche in der Bedinung eben nicht immer so super einfach sind, wie es den versierten PC Nutzern erscheinen mag, dann handele ich mir am Ende noch mehr Arbeit ein. Linux ist ein tolles OS, aber entweder kauft man eine Distribution wie Knoppix oder man hat einen miesen Bausatz mit dem man dann aber viel Freude hat.
Des weiteren sollte man in Sachen Fehlern mal ganz still sein, wenn man mal wieder keine Ahnung hat.
Das Linux und Co so wenige Fehler haben, liegt schlicht und ergreifend einfach daran, dass keiner (im Verhältniss zu Windows) diese OS nutzt. Backdoors, Glitches und sonstige BUGs gibt es dort genauso. Unter Umständen dauert es auch 10x so lange bis ein FIX kommt, als bei MS Produkten. Windows wird schlicht und einfach durch die hohe Nutzerzahl, besser *getestet* als die Konkurrenz.
hei_zen (27.06.2008, 15:08 Uhr)
@senfdazugeb2
Naja, wer freiwillig Vista benutzt, braucht über Stress nicht zu klagen.
pong (27.06.2008, 14:38 Uhr)
Bei aller Bewunderung....
Toll, das fast jeder heute , wenn er will, einen PC haben kann. Wenns Gate zun richtigen Zeitpunkt nicht rausgetüfftelt/geboxt hätte, wäre sicherlich ein anderer etwas später gekommen.
Aber nicht nur wegen diesem Idiotenmonopol ( Europärer/Asiaten/Politiker haben da lange tief fest geschlafen, eigene Produkte zu entwickeln, zu unterstützen.: Open-source u.a.) gingen/gehen wegen schludrigen Softwarefehler milliarden an Arbeitstunden...ja, an realer Lebenszeit verloren (und Nerven..) die unser hochgeschätzter Billy uns kaum bezahlen wird.
Die Freiheit, Computer so zu benützen, haben wir schlussendlich ganz verchiedenen kreativen Leuten zu verdanken die oft im Hintergrund blieben.
arniston (27.06.2008, 14:12 Uhr)
vorruhestand
na bitte, geht doch.
endlich mal ein ordentlicher vorruhestand und nicht immer das gejammer.
senfdazugeb2 (27.06.2008, 13:54 Uhr)
Bill Gates noch
Windows; Man zahlt, für etwas das einem danach nicht mal gehört sondern nur Lizenziert ist. Wäre es jedoch nur das Geld, schlimmer sind die Nerven, die draufgehen für die Scheisse die er auf den beinahe Konkurenzfreihen Markt bring. sollte ich ihn je sehen werde ich Ihm mein Vistaversauchten PC ind die Visage uploaden
antwone (27.06.2008, 13:21 Uhr)
auf dem bild sehen die alle so aus ..
wie pädos.
MEHR ZUM ARTIKEL
Yahoo Mit allen Mitteln gegen Microsoft

Der Yahoo-Chef spielt mit den Muskeln: Um dem Werben von Microsoft nicht nachgeben zu müssen, bändelt Jerry Yang mit Google an. Im August muss er bei der Yahoo-Hauptversammlung seine Strategie erklären - doch die Aktionäre haben möglicherweise andere Interessen. mehr...

"All Things Digital"-Konferenz Das neue Leben des Bill Gates

Am 1. Juli zieht der Microsoft-Mitgründer sich aus dem Tagesgeschäft zurück. Was dann kommt, verriet er auf einer Konferenz des Wall Street Journal in San Diego. stern.de war dabei. mehr...

"TouchWall" Wenn Wände zum Leben erwachen

Microsofts neue TouchWall soll nach jahrelanger Entwicklung Windows erlebbarer machen. Ein Informatikstudent aus den USA hat diese Technologie mit seiner Nintendo Wii nachgebaut und Ideen entwickelt, die die Spieleindustrie revolutionieren könnten. stern.de verrät, was sie für ihre eigene Touchwall brauchen. mehr...

 
Partnerangebot Der stern.de-DSL-Vergleich Der stern.de-DSL-Vergleich Sparen bei DSL-Flatrates

Mit einem DSL-Tarif-Vergleich finden Sie einfach und schnell den zu Ihnen passenden Anbieter. Kostenlos, schnell und sicher! mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft