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28. August 2009, 17:35 Uhr

Apple hat das Betriebssystem verschlankt

Das neue Betriebssystem von Apple kommt zwei Monate vor Windows 7 von Microsoft in die Läden. Statt vielen neuen Funktionen soll Snow Leopard deutlich schlanker und schneller als der Vorgänger sein.

Apple, Snow Leopard, OSX, OS X, 10.6

© AFP

Zwei Monate vor dem Start von Windows 7 heizt Apple an diesem Freitag mit seinem neuen Betriebssystem Mac OS X "Snow Leopard" den Wettbewerb mit Microsoft an. Im Gegensatz zu den Systemaktualisierungen zuvor setzt Apple dabei nicht auf eine Vielzahl von neuen Funktionen, sondern verspricht seinen Kunden ein schlankes und schnelles System, mit dem ein Macintosh-Rechner künftig noch zuverlässiger und einfacher zu bedienen sei. Von den Verbesserungen können allerdings nur die Besitzer eines modernen Macs mit einem Intel-Chip profitieren, da Snow Leopard auf älteren Maschinen mit einem PowerPC-Prozessor nicht mehr läuft.

Viele der Änderungen sind für die Anwender gar nicht oder zumindest nicht auf den ersten Blick sichtbar, da sie die Architektur "unter der Haube" betreffen. Die Apple-Software unterstützt künftig neben 32-Bit auch 64 Bit-Systeme, womit mehr Hauptspeicher genutzt und Programme schneller laufen können. Außerdem führt Apple mit "Grand Central Dispatch" und "OpenCL" neue Technologien ein, um die Mehrkern-Architektur moderner Computerchips sowie die ständig wachsende Power der Grafikkarten besser nutzen zu können.

Microsoft verfolgt mit dem im Vergleich zu Snow Leopard deutlich teueren Windows 7 einen anderen Ansatz. Mit dem Vorgängersystem Windows Vista hatte der Softwareriese bereits vor zwei Jahren gravierende Änderungen in der Systemarchitektur vorgenommen, die aber damals aber viele Partner und Kunden überforderten. So liefen dann etliche Programme oder externe Geräte wie Drucker zunächst nicht mit dem neuen System. Diese Schwierigkeiten sollen mit Windows 7, das am 22. Oktober auf den Markt kommen wird, überwunden werden. Außerdem nutzt Microsoft nun die Gelegenheit, die in der Kritik stehende Benutzeroberfläche von Vista zu überarbeiten, so dass die Anwender beispielsweise künftig seltener von dem System mit Sicherheitsnachfragen genervt werden.

"Radikales Konzept"

Apple führe mit Snow Leopard "ein radikales Konzept eines Software-Updates ein, das schlanker, schneller und besser anstatt größer, langsamer und aufgeblähter" sei, urteilt David Pogue von der "New York Times". Nach der Installation kann man unmittelbar sehen, was Apple unter "schlank" versteht. Bis zu sieben Gigabyte Speicherplatz gibt Snow Leopard auf der Festplatte frei. Das ist eine echte Premiere, denn bislang verschlangen neue Systeme immer mehr Platz. Die Geschwindigkeitsverbesserungen betreffen vor allem die Benutzeroberfläche "Finder", den Internetbrowser "Safari" und das Programm für die elektronische Post "Mail".

Kurios ist die Tatsache, dass das neue Apple-Betriebssystem nun die Exchange-Systeme von Microsoft besser unterstützt als ein Windows 7 (ohne zusätzlich zu kaufende Software). Exchange bildet in vielen Unternehmen und Organisationen das digitale Rückgrat der geschäftlichen Kommunikation. Das mit der Microsoft-Infrastruktur nun kompatible "Mail" wird ohne Zusatzkosten mit Snow Leopard ausgeliefert werden und kann direkt an Exchange angekoppelt werden ý auch wenn die Konfiguration in vielen Fällen komplexer sein wird, als Apple es verspricht. Windows 7 dagegen benötigt für die Kommunikation mit Exchange eine Software wie "Outlook", die nicht zum Betriebssystem gehört.

Kampf der Systeme

Unterschiedliche Ansätze verfolgen Apple und Microsoft bei der Positionierung ihrer Systeme auf dem Markt. Apple bietet letztlich nur eine Version von Snow Leopard für alle an. Nur bei der Preisgestaltung unterscheidet der kalifornische Computerbauer zwischen einer Aktualisierung vom Vorgängersystem "Leopard" (29 Euro) und dem "Mac Box Set" für ältere Systeme für 169 Euro. Findige Tester haben aber schon herausgefunden, dass die 29-Euro-DVD sich auch auf den älteren Systemen installieren lässt. Allerdings verstößt dieses Billig-Upgrade für Altsysteme gegen die Lizenzbedingungen.

Marktführer Microsoft hingegen offeriert Windows 7 hierzulande in fünf verschiedenen Versionen (Starter, Home Basis, Home Premium, Professional, Enterprise und Ultimate). In den USA sollen die Upgrade-Lizenzen zwischen 120 Dollar (Home Premium) und 200 Dollar (Ultimate) kosten, die Preise für Europa sind noch nicht bekannt. Kompliziert wird es insbesondere für die Kunden, die bislang ein System mit dem älteren System Windows XP einsetzen. Sie können nicht in einem Rutsch alle Einstellungen, installierten Programme und gespeicherten Daten übernehmen, sondern müssen die Festplatte ihres Rechners formatieren und das Windows-7-System komplett neu aufsetzen.

Kritisch bei Apple muss betrachtet werden, welche Software- Hersteller künftig das neue System unterstützen werden. So kündigte Adobe an, künftig nur noch sein neustes Grafikpaket CS4 für Snow Leopard zu optimieren ý nicht jedoch die weit verbreitete Vorgängerversion CS3. Laut verschiedenen Testberichten läuft aber auch das ältere Programmpaket auf dem neuen Apple-System.

DPA/Christoph Dernbach
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
joswig (11.09.2009, 13:07 Uhr)
Skaf
klar gibt es Windows in einer 64bit-Version schon länger. Mac OS X 10.6 ist aber keine 64bit-Version. Mac OS X unterstützt 64bit und 32bit gemischt. Man muss nicht eine spezielle Version starten, um 64bit-Programme zu nutzen. Mac OS X kann beides: 64bit und 32bit.
joswig (11.09.2009, 13:04 Uhr)
doch verschlankt
stefan_l, das war nix. Der PPC-Code macht längst nicht die Hälfte aus. Der PPC Code ist nur ein kleiner Teil des eingesparten Platzes. An andere Stelle wird mehr gespart, z.B. bei den Druckertreibern.
stefan_l (06.09.2009, 10:27 Uhr)
Nix hat Apple verschlank
Vorher hat MacOSX 12 Gigabyte auf der Platte belegt und davon immer nur die Hälfte benötigt. Entweder den Intel-Code oder den PPC-Code.

Jetzt wurde PPC abgeschaltet und dann braucht man halt nur noch die Hälfte des Platzes.

Apple hat also durch Weglassen von Features verschlankt.
facilidad_de_ser (29.08.2009, 17:18 Uhr)
Hoffentlich wird OSX wirklich besser...
...ich find Tiger nämlich enttäuschend langsam, außerdem stürzt Safari andauernd ab auf mehreren Kundenrechnern.
Apple verscherzt es sich so bei den Umsteigern, die unter Windows schon seit Jahren keine Abstürze mehr erlebt haben.
OttoB (29.08.2009, 16:22 Uhr)
gut das ich das nicht brauche
Denn es gibt Linux!
damani-dancer (29.08.2009, 12:36 Uhr)
SKAF,
Apple hatte schon 2003 begonnen sein OS X Betriebsystem auf 64bit umzustellen. Was bei Apples-System ein sehr komplexer Schritt ist! Abgesehen davon, läuft das Betriebsystem auf 32 bit kernel (kann man auch auf 64 umstellen manuell), die Programme im 64bit.
Das mit dem Marketing da muss ich dir recht geben. Allerdings wiegesagt! : Das Neue System dient hauptsächlich dazu den Vorgänger, der ohnehin schon gut war, zu optimieren!
Skaf (29.08.2009, 12:25 Uhr)
revolutionär... eben typisch Apple
64 Bit im Jahre 2009? Wow, das haut mich jetzt echt um. Aber so ist das nunmal: Vorher braucht das angeblich kein Mensch, aber wenn Apple es rausbringt, wird das groß gefeiert (wie auch die Copy-Paste-Funktion auf dem iPhone). Ich frage mich, warum es Leute gibt, die noch an diesem Marketingramsch hängen.

Windows und Linux gibt es in 64-bittigen Versionen schon seit etwa 8 Jahren.

Natürlich bleibt Linux meiner Meinung nach die bessere Alternative, das System wird von Benutzern für Benutzer gemacht, und man hat ein wirklich schlankes, flexibles, schnelles und zuverlässiges System, ohne DRM und Spionierfunktionen.



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