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1. Juli 2010, 05:18 Uhr

Der Trittpadfahrer aus dem Westerwald

Der deutsche Telekommunikationsanbieter United Internet hat einen günstigen Konkurrenten für Apples iPad vorgestellt. Optisch ist das "1&1 SmartPad" eher schlicht. Technisch auch. Im Juli soll es den Tablet-PC zu kaufen geben - unter bestimmten Bedingungen.

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Apps gibt es für das SmartPad auch, allerdings zunächst nur knapp 100© 1&1

Es erinnert an David gegen Goliath: Der Internetanbieter 1&1 aus Montabaur hat seinen eigenen Tablet-Computer entwickelt ­ und nimmt es mit dem ganz Großen der Branche auf. Erst im Frühjahr brachte Apple sein iPad auf den Markt ­ mit dem üblichen Erfolg. Binnen 80 Tagen wurden weltweit drei Millionen Geräte verkauft. Ob das mit dem Google-Betriebssystem Android ausgestattete Tablet aus dem Westerwald dem durchdesignten Apple-Gerät aus dem kalifornischen Cupertino das Wasser reichen kann, wird sich beim Start im Juli zeigen. Die United-Internet-Tochter 1&1 hat auf jeden Fall den Vorteil, in Deutschland als erste mit einem eigenen Tablet zu kontern.

Darauf baut auch 1&1-Chef Robert Hoffmann, der seinen Coup über Monate im Verborgenen vorbereitete. "Die Entwicklung hat uns etwas eingeholt", gibt er mit Blick auf den jüngsten Hype um Tablets zu. Die Software entwickelte 1&1 auf Basis der Google-Plattform Android, die Hardware kommt von NEC.

Android Market noch nicht erreichbar

Ob der 7 Zoll (18 Zentimeter) große berührungsempfindliche LCD- Bildschirm es mit Apples Erfahrung bei Touch-Geräten aufnehmen kann, wird sich zeigen müssen. Der App Store jedenfalls muss noch wachsen. Erst nach dem Update auf die Android-Version 2.2 können die Nutzer auch auf die mehr als 64.000 Programme in Googles App Market zugreifen. Zuerst müssen sie sich mit dem App Store von 1&1 begnügen. Der hält für den Start lediglich 100 Anwendungen bereit.

Die Anschaffung könnte allerdings etwas weniger schmerzen als der Kauf eines iPads, für dessen einfachste Wlan-Version derzeit mindestens 500 Euro hingeblättert werden müssen. Subventionierte Angebote für das iPad sind noch rar. Das 1&1-Tablet hingegen gibt es zuerst für 1&1-Neukunden mit dem Flatrate-Paket des Internetanbieters. Das heißt, es wird über die Grundgebühr in den nächsten zwei Jahren abbezahlt. Bestandskunden können es ab Mitte Juli für 300 Euro kaufen. "Wir versuchen die Produkte massenmarktfähig zu machen, das heißt "günstig"", betont Hoffmann.

Zahl der Apps entscheidend

Die Tablets sind als Geräteklasse auf dem Vormarsch. Gartner- Analystin Carolina Milanesi rechnet bis Ende des Jahres mit 15 Millionen verkauften Geräten - der Großteil iPads. Für wettbewerbsfähig hält sie nur die Android-Geräte. "Die Stärke von Tablets wird wie bei den Smartphones die Benutzerumgebung ausmachen." Entscheidend sei, dass es möglichst bald viele Apps für ein Tablet gebe.

Bei anderen deutschen Telekomanbietern liegen die Pläne für Tablet-Angebote noch in der Schublade. Für das iPad liefern sie bislang lediglich die speziellen Micro-Simkarten. Vodafone will bis zum Spätsommer erste Geräte präsentieren. Auch bei der Telekom und O2 könnten im Laufe des Jahres noch Tablets in den Regalen liegen. Darüber, mit welchen Herstellern sie sprechen, schweigen sich die Mobilfunkanbieter aus. "Das Betriebssystem Android ist sehr interessant für uns", sagt ein O2-Sprecher lediglich. Geräte von HP und Samsung, Nokia, aber auch vom chinesischen Hersteller Huawei dürften in den nächsten Wochen und Monaten auf den Markt kommen. Die zweite deutsche Eigenentwicklung - das "WeTab" aus Berlin ­ verzögert sich jüngsten Berichten zufolge mindestens bis Herbst.

Die Telekomanbieter erhoffen sich von Tablets noch einmal einen Schub bei den Datenumsätzen. Mit einem "iPhone-Effekt", den die Deutsche Telekom als Exklusivvermarkter des Apple-Smartphones in ihren Mobilfunkumsätzen spürte, rechnen sie aber nicht. Denn mit dem iPad gehen die Nutzer immer noch am ehesten zu Hause über WLAN online, interessant wird es erst, wenn die Tablets als ständiger Begleiter im Rucksack oder der Handtasche stecken und auf das Mobilfunknetz angewiesen sind.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "WePad: Wie sich das Berliner Unternehmen Neofonie bei der Präsenation seines Tablet-PCs blamierte"

Annika Graf, DPA
 
 
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