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Der Herr der Konsolen

Wer René Meyers Reich betritt, begibt sich auf eine Reise durch die Geschichte des Videospiels. Meyers Wohnung beherbergt neben seiner Familie auch die größte Spielkonsolensammlung der Welt. Nun will der Leipziger seine Schätze der Öffentlichkeit zugänglich machen - im ersten Konsolenmuseum Deutschlands.

Von Thomas Matsche

Es ist nicht ganz einfach, im Arbeitszimmer von René Meyer eine dampfende Kaffeetasse abzustellen. Der große Eichentisch in der Mitte des Raumes ist voll mit Zeitschriften und Taschenrechner-großen Spielkonsolen mit LC-Display. Hier kann man nur noch nach oben stapeln. Die Wandregale bersten vor Magazinen, Büchern und DVDs. Das ist kein Arbeitszimmer, das ist eine Multimedia-Abteilung. Hier finden sich Raritäten wie die erste Ausgabe der PC-Zeitschrift "Popular Electronics" von 1975, in der der erste Homecomputer vorgestellt wurde. Diese Wohnung in Leipzig ist das Reich von René Meyer und eigentlich auch das seiner Familie. Aber so, wie sich seine schwangere Frau und der sechsjährige Sohn durch die Wohnung bewegen, kommt es eher einem Slalom- beziehungsweise Hürdenlauf gleich. "Meine Frau ist sehr tolerant, und ich mute ihr hier einiges zu", gibt Meyer zu. Zumal in sechs Wochen das zweite Kind kommt. Deswegen müsse jetzt eine Lösung her. Entweder Umzug in eine größere Wohnung, die jetzige ist schon 170 Quadratmeter groß, oder die Konsolensammlung wird in ein Museum umziehen. An dieser Entscheidung kommt Meyer in diesem Jahr nicht vorbei.

Wie alles begann

René Meyer ist 37 Jahre alt und gebürtiger Leipziger. Er wäre lieber in der Bundesrepublik aufgewachsen. Die Entwicklung der Computertechnik hätte er gerne hautnah miterlebt. Da es in der DDR de facto keinen Softwaremarkt gab, musste man sich selbst behelfen. Das hieß, entweder Spiele aus dem Westen untereinander zu tauschen oder selber zu programmieren. Als Abiturient setzte sich Meyer monatelang in die Universitätsbibliothek, um kleine Spiele zu konzipieren. Herausgekommen sind unter anderem eine Software zum Lernen von Straßennamen und verschiedene Musikprogramme. "Die waren so etwa auf dem Niveau der Spiele des Atari 2600", erinnert Meyer sich. Atari 2600 war eine der ersten erfolgreichen Spielekonsole für den Heimgebrauch, sie erschien 1977 in den USA. Nach der Wende stürzte er sich voller Enthusiasmus in ein Informatikstudium, das er aber bald darauf wieder abbrach. "Das war mir zu viel Mathematik und Theorie. Außerdem musste man jeden Morgen um 7.30 Uhr zum Seminar. Das war nichts für mich." Denn eigentlich will René Meyer computerspielen, in der Regel bis spät in die Nacht. "Ich gehe ins Bett, wenn die meisten Menschen wieder aufstehen müssen." Deshalb musste er sich seinen Job selbst erschaffen. Seitdem ist er freier Journalist und Autor. Meyer schreibt für überregionale Tageszeitungen, betreibt die Webseite "mogelpower.de", wo es Tipps und Tricks für Gamer gibt. Und er hat mehr als 60 Bücher rund um das Thema Computerspiele veröffentlicht. Seit Anfang der 90er Jahre hat er weit über 2000 Spiele gesammelt, die in der "PC-Spielewand" im Nachbarzimmer lagern.

Durchbruch auf der Games Convention

Vierzehn Tage vor der Spielemesse Games Convention (GC) im vergangenen Jahr bekam René Meyer eine E-Mail, in der man ihn informierte, dass seine Konsolensammlung die größte weltweit sei. Man wolle ihn deshalb ins "Guiness-Buch der Rekorde" aufnehmen. Meyer: "Ich habe die Mail erst nicht ernst genommen, da sie von einer wenig Vertrauen erweckenden Hotmail-Adresse aus geschickt wurde." Doch auf der Games Convention, wo er knapp 300 Konsolen ausstellte, wurde es offiziell. Aus den Händen eines Vertreters der Guiness-Buch-Redaktion erhielt er seine Urkunde. Inzwischen ist seine Sammlung auf 400 Geräte angewachsen, ein Nebeneffekt der Vorbereitungen für seine Ausstellung auf der letztjährigen GC. Meyer fand nämlich, dass sein Arsenal nicht ausreichte. "Ich musste einfach alle haben." So ging er ein Jahr lang auf Shoppingtour und gab rund 6000 Euro für Spielkonsolen aus. Bei einem Ebay-Kauf schlug er erst in letzter Minute zu und erstand 90 Konsolen auf einmal. "Ich ging zu meiner Frau und sagte: Du, Schatz, ich habe da etwas gekauft." Ein paar Tage später kamen zwei Europaletten mit 16 riesigen Umzugskisten.

Kürzlich war René Meyer in Singapur. Er kam mit einem neuen, größeren Koffer zurück. Darin Dutzende kleine Konsolen aus Fernost. "Die sind besonders interessant, weil in den Konsolen die Spiele bereits integriert sind. So etwas gibt's in Europa nicht." Viele dieser kleinen bunten Spielzeuge bleiben unausgepackt, weil es oft auch die Verpackung ist, die Meyer fasziniert. "Die schaue ich mir einfach nur an. Wenn man die auspackt und anmacht, würde man wohl nur enttäuscht werden." Sein Lieblingsmodell ist die erste Spielkonsole "Odyssey" von 1972, die hinter der Couch liegt.

Wohin mit der Pracht?

Mehrere Städte aus dem Ruhrgebiet hätten sich für seine Ausstellung interessiert, aber am liebsten würde er in Leipzig bleiben. Ein Museumsstifter müsste sich finden, der die Kosten übernimmt. René Meyer könnte sich auch eine Dauerausstellung vorstellen. "Da könnte man dann Broschüren schreiben, Pressekonferenzen geben und Vortragsabende halten." Und das am besten ganz in der Nähe, "da muss man nicht so früh aufstehen."

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