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16. Juli 2010, 19:56 Uhr

iGott gesteht Fehlbarkeit ein

Es war kein leichter Termin für Steve Jobs. Einfachen Kunden sowie Jüngern weltweit musst der Apple-Chef erklären, warum das vermeintliche Wunderding iPhone 4 Macken hat. Jobs gestand, dass selbst Apple nicht perfekt sei - nur um dann zu bestreiten, dass es Konstruktionsfehler gebe. Von Karsten Lemm, San Francisco

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"Telefon sind nicht perfekt", auch das iPhone nicht: Steve Jobs beim Entschuldigungsauftritt für Empfangsprobleme des iPhone 4© Paul Sakuma/AP

Soll nur keiner sagen, Apple könne nicht über sich lachen, wenn mal etwas schiefgeht. Ehe Vorstandschef Steve Jobs am Freitag in der kalifornischen Firmenzentrale vor die Presse trat, um zu erklären, warum das iPhone 4 sich mit dem Empfang manchmal schwer tut, bekamen die geladenen Gäste ein kleines Video zu sehen: den "iPhone Antenna Song", in dem ein Internet-Barde humorig Apples Probleme mit der jüngsten Version des smarten Telefons besingt. "Das haben wir heute Morgen bei YouTube gefunden", verkündete Jobs mit feinem Lächeln, "und dachten, wir zeigen es Ihnen mal."

Eigentlich sind dies trübe Tage bei dem Elektronikpionier. Das sorgsam gepflegte Image der Edelmarke hat Kratzer abbekommen, seit sich bei Version 4 des iPhones Klagen häufen. Immer mehr Benutzer berichten, dass sie oftmals das Signal verlieren, wenn sie ihr iPhone falsch anfassen. In Blogs und Internetforen schaukelte sich das Thema hoch, Videos kursieren, die zeigen, wie die Datenübertragung in bestimmten Fällen einbricht und die Stärke des Antennensignals zurückgeht. Das Problem, so lassen die Beispiele vermuten, hängt zusammen mit dem komplett neuen Design des iPhone 4, das seit Mitte Juni auf dem Markt ist: Die Entwickler haben die Antenne erstmals zum Teil des Gehäuses gemacht - eigentlich mit der Absicht, den Empfang zu verbessern. Doch wenn die Finger das Metall umgreifen und ungünstig die Antenne berühren, bekommt das iPhone offenbar Daten-Schluckauf.

So muss Jobs nun, wohl oder übel, in einer hastig einberufenen Pressekonferenz versuchen, den Schaden zu begrenzen. "Wir sind nicht perfekt", räumt er gleich als erstes ein; natürlich könne Apple Fehler machen, und nichts liege der Firma mehr am Herzen, als ihre Kunden glücklich zu sehen. Es ist eine symbolische Geste an die aufgebrachte Öffentlichkeit. "Antennagate" haben einige Medien das Drama um die Signalschwankungen sogleich getauft, in reflexhafter Anspielung auf Watergate - nicht zuletzt, weil Apple zunächst versuchte, das Problem totzuschweigen. Einem Kunden, der sich per E-Mail bei ihm beklagte, schrieb Jobs zurück, er solle das iPhone einfach anders halten - so, dass der Empfang nicht gestört wird. Als die Beschwerden weiter zunahmen, erklärte die Firma in einem offenen Brief, die Software sei Schuld: Seit Jahren schon habe ein bisher unbemerkter Fehler dazu geführt, dass die Signalstärke falsch angezeigt wird. Unglücklich, aber das lässt sich per Update beheben - und nein, ein Konstruktionsfehler liege beim iPhone 4 ganz gewiss nicht vor.

"Was ist in der Testphase passiert?"

Bei dieser Botschaft blieb es auch am Freitag: Der manchmal schwächelnde Empfang sei keine iPhone-Eigenheit, argumentierte Jobs, sondern ein Problem, mit dem alle Mobiltelefone zu kämpfen hätten. "Telefone sind nicht perfekt", betonte der 55-Jährige mehrfach und führte Videos vor, die zeigten, wie auch bei Konkurrenzmodellen der Empfang einbrach, sobald die Geräte bei geringem Signal in den Klammergriff genommen wurden. "So ist das Leben in der Welt der Smartphones", erklärte Jobs lakonisch. "Es ist eine Herausforderung für die gesamte Branche, und wir bemühen uns alle, so gut es geht. Jedes Telefon hat Schwachstellen."

Beim iPhone 4 liegt die Schwachstelle durch das neue Antennendesign nun offen zu Tage. Deshalb bietet Apple jedem Käufer kostenlos eine Schutzhülle, die helfen soll, die empfindliche Elektronik vor Störungen zu schützen - sofern die Kunden das tatsächlich möchten. "Ich habe mehr als 5000 E-Mails bekommen, von Nutzern, die mir schreiben, dass ihr iPhone 4 wunderbar funktioniert und die nicht verstehen, was die Aufregung soll", berichtete Jobs bei der Pressekonferenz, räumte dann allerdings doch ein: "Es gibt ein Problem - aber wir glauben, es betrifft lediglich eine kleine Zahl an Nutzern, und ein Teil dieses Problems findet sich in nahezu jedem Smartphone wieder."

Experten halten es durchaus für möglich, dass beim iPhone 4 eine generelle Schwäche moderner Mobiltelefone deutlicher sichtbar wird. "Beim Antennendesign gibt es Schwierigkeiten", erklärt Mike McGuire, Analyst beim Marktforscher Gartner, "besonders bei kleinen Geräten voller Elektronik, die man in den Händen hält. Die Physik spricht bei der Erklärung für Apple." Fragt sich nur, warum die Ingenieure des kalifornischen Computerriesen nicht eher auf den Gedanken gekommen sind, dass ihr neues Antennendesign Ärger machen könnte. "Wie ist es möglich, dass ein solcher Fehler niemandem aufgefallen ist?", rätselt Charles Golvin, Mobilfunkspezialist bei Forrester Research. "Was ist in der Testphase passiert?" Schließlich ist Apple bekannt dafür, peinlich genau auf jedes Detail zu achten. Allerdings steht das bisweilen im Konflikt mit dem Drang zur Geheimhaltung, der Apple über alles geht.

Seite 1: iGott gesteht Fehlbarkeit ein
Seite 2: Geheimniskrämerei Teil der Firmenkultur
 
 
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