Prosieben lotet Kauf von Bigpoint aus

22. Februar 2013, 16:53 Uhr

Der TV-Konzern ProSiebenSat1 verhandelt nach Medienberichten mit der Online-Gaming-Größe Bigpoint. Er will damit sein Stammgeschäft absichern. Von Sven Clausen, Angela Maier und Andrea Rungg

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Kauft der TV-Konzern ProSiebenSat.1 den Browsergame-Anbieter BigPoint?©

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 arbeitet an einem Quantensprung für seine Online-Spiele-Sparte. Nach Informationen von capital.de prüft das Management derzeit den Zusammenschluss mit dem Online-Spieleentwickler Bigpoint, der Nummer zwei in Europa hinter dem Karlsruher Rivalen Gameforge. Die Hamburger kamen 2011 auf einen Umsatz von gut 140 Millionen Euro und wiesen einen Bilanzgewinn von 0,5 Millionen Euro aus. "Es gibt Gespräche zwischen ProSiebenSat.1 und Bigpoint. Dabei geht es um ein Joint Venture oder möglicherweise auch eine Übernahme von Bigpoint. Die Gespräche sind aber noch in einem Anfangsstadium", erfuhr capital.de von einem Eingeweihten.

Der Plan wirft ein Schlaglicht auf die Probleme etablierter TV-Sender mit jungen Zielgruppen. Die Kunden wollen zunehmend nicht mehr nur zugucken, sondern auch mitmachen – etwa indem sie parallel über die Sendung chatten oder online spielen. Der Trend wird als "Second Screen" bezeichnet.

Um sein Stammgeschäft mit TV-Sendern abzusichern, baut ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling daher die eigene Spiele-Sparte stark aus. Bereits 2011 kaufte er Burdas Online-Spieleanbieter burda:ic sowie das Berliner Online-Spiele-Portal Browsergames. Seit Dezember 2012 führt Tung Nguyen-Khac die Sparte ProSiebenSat.1 Games, die inzwischen rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Er kennt Bigpoint exzellent: Zwischen 2004 und 2010 hat er das Unternehmen mit aufgebaut und war einer der wichtigsten Ratgeber von Vorstandschef und Großaktionär Heiko Hubertz.

Harter Kampf im Markt der Browsergames

Hubertz würde mit dem Verkauf sein Nachfolgeproblem lösen. Im November vergangenen Jahres hatte der 36-Jährige angekündigt, sich aus der operativen Führung in den Aufsichtsrat zurückziehen zu wollen. Außerdem wolle er heiraten und sich "um die Familienplanung kümmern", wie er dem "Hamburger Abendblatt" sagte. Zudem wolle er mittelfristig ein eigenes neues Unternehmen gründen. Bislang hat er aber einen Nachfolger für seinen Chefposten bei Bigpoint nicht gefunden. Hubertz selbst hält noch gut 30 Prozent der Anteile.

Im Frühjahr 2011 hatten die beiden Finanzinvestoren TA Associates und Summit Partners die Mehrheit für 350 Mio. Dollar übernommen. Der Gesamtwert der Firma wurde damals auf 600 Mio. Dollar taxiert. Ob sich ProSiebenSat.1 dieser Bewertung aber weiterhin anschließt, ist fraglich. Im Markt für Browsergames tobt derzeit ein harter Verdrängungswettbewerb. Hubertz musste im Herbst 2012 den Abbau von 120 seiner rund 800 Stellen ankündigen.

Sprecher von ProSiebenSat.1 und Bigpoint lehnten einen Kommentar zu dem bevorstehenden Deal ab.

Übernommen von capital.de

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