Keine Lust auf die Facebook-Chronik? Immer mehr Nutzer stört der mangelnde Datenschutz – sie löschen ihr Profil. Doch das ist gar nicht so leicht. Eine Anleitung für Ausstiegswillige. Von Christoph Fröhlich

Raus aus Facebook? Wer seinen Account löschen will, hat's nicht gerade leicht© Philipp Möller/stern.de
Immer mehr Nutzer sind mit Facebook unzufrieden. Eine Umfrage des Sicherheitsunternehmens Sophos zeigt: Mehr als die Hälfte aller Mitglieder findet die neue Profilansicht Timeline (in Deutschland Chronik) verwirrend, ein Drittel weiß überhaupt nicht mehr, warum sie noch auf Facebook angemeldet sind. Nur acht Prozent dagegen finden die Chronik gut.
Auch die Google-Statistik Insight Search, die die Häufigkeit von Suchanfragen auflistet, zeigt bei den Begriffen "facebook löschen" eine stark steigende Kurve.
Datenschützer wie Thilo Weichert kritisieren immer häufiger die Sammelwut von Facebook und fordern mehr Transparenz.
Wer wissen möchte, wie viele persönliche Daten Facebook bereits über einen selbst gesammelt hat, kann diese bei dem Unternehmen anfordern. Laut Max Schrems, Initiator der Kampagne "Europe v. Facebook", ist das aber gar nicht so einfach: Er brauchte mehrere Anläufe, bis er seinen Datensatz erhielt - stolze 1200 Seiten. Hier gibt es eine Anleitung, wie man seine persönlichen Daten anfordern kann.
Andere Nutzer sind rigoroser und beschließen: Raus aus Facebook! Doch auch das ist leichter gesagt als getan. Wir erklären Schritt für Schritt, wie sie aus dem sozialen Netzwerk gelangen.
Wer sich noch nicht sicher ist, ob er Facebook wirklich für immer den Rücken kehren will, kann den Ausstieg auf Probe wagen. Dabei wird das Profil stillgelegt (nicht gelöscht!), und alle Kontoinhalte wie Fotos oder Nutzerinformationen werden für andere Mitglieder unsichtbar. Auch die eigenen Facebook-Freunde und Suchmaschinen können das eigene Konto dann nicht mehr finden. Die Funktion zum Deaktivieren des Kontos finden sie in der Statusleiste am rechten oberen Bildschirmrand. Dort klicken Sie auf den Pfeil neben dem Punkt "Startseite".

Es erscheint ein Menü, dort wählen Sie den Reiter "Kontoeinstellungen". Am linken Bildrand wählen Sie den Punkt "Sicherheit" . Unter einigen Informationen über Passwörter und Anmeldebestätigungen finden Sie den Link "Deaktiviere dein Konto" .
Jetzt wird es sentimental: Bevor man sich auf Zeit aus dem Zuckerberg-Imperium verabschieden darf, werden einem zunächst fünf beliebig ausgewählte Freunde angezeigt, die den Nutzer angeblich sehr vermissen werden. Lässt man sich aber auch davon nicht beeindrucken, findet man darunter ein Formular, das nach dem Grund des Austritts fragt.

Der kann auf Wunsch noch näher erläutert werden, das ist aber kein Muss. Empfehlenswert ist die Zustimmung beim Punkt "E-Mails abbestellen". Der Grund: Facebook versucht, die ehemaligen Nutzer in regelmäßigen Abständen mit Nachrichten wieder in das Netzwerk zu locken. Mit einem Klick auf "Bestätigen" wird das Konto stillgelegt. Überlegt man es sich später anders und will das Facebook-Profil wieder aktivieren, genügt eine erneute Anmeldung auf der Startseite – anschließend sind alle Informationen wieder verfügbar.
Das eigene Profil unwiderruflich ins Datennirwana zu schicken, wird einem nicht gerade leicht gemacht. War die Funktion für die vorübergehende Deaktivierung noch im Menü des Nutzers zu finden, wird es beim endgültigen Abschied schwieriger.

Im Menü "Hilfe" muss man in der Suchzeile zunächst "Konto löschen" eingeben und den Punkt "Wie kann ich mein konto dauerhaft löschen?" auswählen. Dort verweist Facebook zunächst auf die verübergehende Deaktivierung des Kontos. Erst am Ende findet sich der Link zum Netzwerk-Ausgang. Alternativ können Sie auch hier klicken.
Nach einem Klick auf den Button "Mein Konto löschen" und der anschließenden Bestätigung ist das Profil ab sofort Geschichte – zumindest fast.

Denn tatsächlich hofft Facebook im Stillen, man möge doch wieder zurückkommen. Erst wenn man sich 14 Tage nicht mehr einloggt, wird der Löschvorgang wirklich gestartet. Loggt man sich in der Zwischenzeit wieder ein, gilt die Löschung für Facebook als widerrufen. Nach der Zwei-Wochen-Frist dauert es noch einmal weitere 90 Tage, bis die Daten auch wirklich gelöscht sind.
Und selbst dann sind nicht alle Daten hundertprozentig gelöscht, wie ein Blick in den Untersuchungsbericht der irischen Datenschutzbehörde zeigt: Ein paar Reste der eigenen Identität bleiben wohl auf ewig Teil des Zuckerberg-Imperiums.