Spendenportale im Web verbinden gute Taten mit der Effizienz der Internet-Wirtschaft. Angebote wie Betterplace versprechen eine vollständige Weitergabe aller Spenden und bieten Hilfewilligen eine Auswahl auch an kleinen, unbekannten Projekten. Vor Betrügern soll kein schlichtes Gütesiegel schützen - sondern die gesamte Community. Von Dirk Liedtke

Spendenportale wie Betterplace versprechen schnelle unbürokratische Hilfe. Die grünen Balken zeigen an, zu viel Prozent ein Projekt bereits finanziert ist© Betterplace
Wenn Renée Fetscher aus Berlin eine gute Tat vollbringen will, kauft sie kein Spenden-Los in einer Postfiliale oder füllt ein Überweisungsformular in ihrer Bank aus. Die 50-jährige Juristin geht stattdessen auf eine Internetseite mit dem Namen "Betterplace" und klickt auf ein grünes Feld. Auf dem steht "Spenden", und danach wird der gewünschte Betrag überwiesen, mal 20 Euro, manchmal auch 100 Euro. Klick und Fertig.
Auf diese bequeme Weise unterstützt die zweifache Mutter regelmäßig das Projekt "Cinema Jenin". Im dortigen palästinensischen Flüchtlingslager baut ein deutscher Filmregisseur zusammen mit Einheimischen ein seit 1987 zerstörtes Kino wieder auf. Ihre beiden Söhne (10 und 13) sind auch von der Idee begeistert und haben ihrer Mutter zum Geburtstag Spenden für das Projekt geschenkt.
Was wie eine neue Betrugsmasche im Internet klingt, ist Teil einer über Monate gewachsenen, modernen Art des Spendensammelns. Angebote wie Betterplace, Elargio, Netzwirken, Helpdirect.org oder Spendenportal.de stellen eine direkte Verbindung zwischen einzelnen Hilfsprojekten und meist privaten Spendern am Computer her.
"100 Prozent Ihrer Spende werden weitergeleitet" - Dieses Versprechen ist der heilige Gral der guten Tat. Auch Betterplace macht dieses Versprechen. Dieser besonders lebendige "Marktplatz für soziale Projekte" unterscheidet sich von breit angelegten Spendenaufrufen großer Hilfsorganisationen für ganze Länder oder Landstriche bei Naturkatastrophen oder Bürgerkriegen. Kleine und kleinste Spenden von ein paar Euro sollen direkt in ein Dorf in Mali gehen, um einen Brunnen zu bauen oder traumatisierten Kindern in Leipzig Halt geben. Das klingt gut. Aber ist dem zu trauen?
Angesprochene Spender und Spendensucher äußern sich durchgehend positiv. "Je kleiner und kleinteiliger die Projekte sind, desto befriedigender ist das Spenden", sagt Renée Fetscher, die spendable Berlinerin. Und: "Man sieht genauer, was man mit dem Geld beisteuert, denn der Spendenbalken bewegt sich." So können die Betterplace-Nutzer erkennen, zu wie viel Prozent ein Projekt bereits finanziert ist. "Seit ich diese Plattform kenne, spende ich mehr als vorher", sagt der Frankenthaler Unternehmensberater Max Kraus.

Ob Waisen in Afrika oder deutsche Kindergärten in Geldnot - Spenden kann man für alles© Ramon Espinosa/AP
Über positive Erfahrungen berichten auch die Empfänger der milden Gaben. "Ich denke, es ist seriös", sagt Andreas Feldmann, 35, vom Verein "Ingenieure ohne Grenzen", der über Betterplace Material für den Bau einer Zisterne in Panama sammelt. Studierende und ausgebildete Ingenieure steuern ihre Arbeitskraft zu dem Bau ehrenamtlich bei. Die Organisation "Sterntaler für Afrika e.V." hat teils auch über die Internetplattform 25.000 Euro für die Ausstattung zweier Klassenzimmer für fast 200 Kinder im westafrikanischen Mali zusammenbekommen. Die Sprecherin von Care Deutschland, Sandra Bulling, schätzt an Betterplace, "auch eine jüngere Zielgruppe" anzusprechen." Stark vertreten und voll des Lobes sind auch kleine, regionale Initiativen wie das "KinderReich Leipzig e.V" ("sehr zufrieden") oder "Karo e.V." aus Plauen ("Die Zusammenarbeit läuft sehr gut."), wo von Gewalt und sexueller Ausbeutung betroffene Frauen, Kinder und Jugendliche grenzüberschreitend betreut werden.
In rund einem Jahr haben 3000 Spender 200 Projekte mit rund einer Viertel Million Euro unterstützt. Kleine Spenden, konkrete Projekte mit Ansprechpartnern auf der Empfängerseite und Kontrolle durch die Gemeinschaft - alles modern in Web-2.0-Manier organisiert mit Mail, Blogs und Fotoalben. Mit diesem Rezept will sich Betterplace zu einem perfekten Marktplatz für gute Taten entwickeln. Statt auf ein Spendensiegel soll der spendierwillige Internetnutzer sich auf die Empfehlungen und Berichte anderer Internetnutzer - dem "Vertrauensnetzwerk" ("Web of Trust") verlassen und so rundum informiert seine Euros einsetzen. Missbrauch soll verhindert werden, weil Berichte über Projekte - ob von anreisenden Besuchern vor Ort - oder in Blogs ein "sich selbst regulierendes Bewertungssystem" entstehen lassen sollen - Ebay lässt grüßen.