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17. August 2007, 08:40 Uhr

Vatikan manipuliert Wikipedia-Einträge

Eine neue Software zeigt, wer hinter der Manipulation von Wikipedia-Artikeln steckt. Die eifrigsten Redigierer sitzen in Großkonzernen - und im Vatikan. Von Hubert Wetzel

Von hier aus sind keine Manipulationen möglich: Wikipedia ist für chinesische Surfer gesperrt© Reuters

Wer bislang an den Artikeln der Internet-Enzyklopädie Wikipedia herumdokterte, konnte sich hinter seiner Anonymität verstecken. Leser konnten zwar sehen, dass Einträge verändert worden waren - aber nicht, durch wen. Lediglich ein schwer identifizierbarer Zahlencode, die sogenannte IP-Adresse, ließ vage Rückschlüsse auf den Autor zu.

Mit dieser Anonymität ist es jetzt vorbei, jedenfalls teilweise: Virgil Griffith, ein junger Computerspezialist aus Kalifornien, hat eine Software entwickelt, mit der sich zuordnen lässt, zu welcher Institution bestimmte IP-Adressen gehören. Einige Manipulationen, die Griffith mit seinem "Wikipedia Scanner" bereits zutage förderte, haben es in sich.

Nun gut, bei dem CIA-Mitarbeiter, der in einen Eintrag über das Regierungsprogramm des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ein genervtes "Wahhhhh!" hineinschmuggelte, handelt es sich eher um einen Scherzbold. Und in die Kindergarten-Kategorie fällt auch der BBC-Mitarbeiter, der den Mittelnamen von US-Präsident George W. Bush von Walker in Wanker änderte. Wanker heißt im Deutschen "Wichser".

Brisante Veränderungen

Andere Veränderungen hingegen sind durchaus brisant. So wurden von Computern des Vatikans aus Passagen zum nordirisch-katholischen Politiker Gerry Adams getilgt. Durch die Säuberungen verschwanden Hinweise auf eine mögliche Beteiligung des Sinn-Fein-Führers an Mordanschlägen während der Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland.

Besonders beliebt scheint das Redigieren von Wikipedia-Einträgen bei Unternehmen zu sein. In einem Eintrag zu Diebold, einer US-Firma, die Wahlautomaten herstellt, fehlte plötzlich ein nicht unbedeutender Aspekt: Der Chef hatte im Wahlkampf große Summen an US-Präsident George W. Bush gespendet. Hinter der Manipulation, so fand Griffith heraus, stand offensichtlich ein Diebold-Mitarbeiter.

Ähnliche Beispiele gibt es zuhauf: Der Handelsriese Wal-Mart korrigierte Angaben zur Bezahlung seiner Angestellten. Der Pharmakonzern AstraZeneca spielte die Risiken seines Medikaments Seroquel für Kinder herunter. Und der Ölmulti Chevron Texaco bewies, dass er wenig Gespür für Geschäftsfelder der Zukunft hat. Er löschte den Eintrag über Biodiesel.

Von Hubert Wetzel
 
 
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