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19. Juli 2010, 10:19 Uhr

Umstrittener Plan für mehr Sicherheit im Netz

Kriminalbeamte wollen das Web sicherer machen und legten der Bundesregierung ein 15-Punkte-Sofortprogramm vor. Darin ist auch von einem "Reset-Knopf" zur sofortigen Abschaltung des Internets die Rede. Fachleute bezeichneten die Vorschläge als "albern".

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Die Vorschläge des BDK sollen für mehr Sicherheit im Internet sorgen© Jens Büttner/DPA

Wegen der Sorge vor manipulierten Webcams und großangelegter Cyber-Attacken fordern Experten jetzt unter anderem eine Ausweispflicht im Internet. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) legte der Bundesregierung dazu ein 15-Punkte-Sofortprogramm vor. Darin wird auch ein "Reset-Knopf" zur sofortigen Abschaltung des Internets in Deutschland gefordert. Der Chaos Computer Club (CCC) wies diese Idee als albern zurück.

Der BDK-Vorsitzende Klaus Jansen forderte in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Samstag einen "verlässlichen Identitätsnachweis im Netz". Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen wolle, müsse sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen.

Jansen forderte die Bundesregierung auf, "Verkehrsregeln" für das Internet zu schaffen. Es habe sich zum größten Tatort der Welt entwickelt, und die Bundesregierung verharre immer noch in der Zuschauerrolle. Es sei dringend erforderlich, "Spezialeinheiten für Computerkriminalität" in jeder Polizeibehörde einzurichten. "Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes können sich ähnlich verheerend auswirken wie atomare Angriffe", beklagte der BDK-Chef. Deshalb bedürfe es eines "Reset-Knopfs für das Internet", mit dem das Kanzleramt Deutschland im Ernstfall sofort vom Netz nehmen könne.

Aufkleber über der Linse

"Der kann mal seine Science-Fiction-Romane wieder einpacken", sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz zu Jansens Vorschlag. "Der Reset-Knopf ist eine lächerliche Schnapsidee", sagte sie. Damit würden sowohl die Menschen vom Informationsfluss abgeschnitten als auch die Wirtschaft generell ausgeschaltet. Die Kriminalitätsstatistik zeige zudem, dass Straftaten im Internet deutlich häufiger aufgeklärt würden als in der nicht-virtuellen Welt. Es sei gefährlich, das Netz als Gefahrenraum zu hysterisieren.

Mit Blick auf mutmaßliche Hacker-Angriffe auf Webcams in Kinderzimmern unterstützte Kurz jedoch Warnungen des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar vor manipulierten Geräten. Webcams seien durch klassische Spionageprogramme angreifbar, sagte die CCC-Sprecherin. "Aber da gibt es ein ganz einfaches Hilfsmittel - ein Aufkleber über der Linse." Ein Hacker aus dem Rheinland soll in die Computer von mehr als 100 Mädchen eingedrungen sein und sie über Webcams ausspioniert haben. Die Aachener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Tatverdächtigen.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner erhob derweil erneut schwere Vorwürfe gegen den Betreiber des Internetnetzwerks Facebook. "Facebook ist zu einem Einwohnermeldeamt für die ganze Welt geworden", sagte die CSU-Politikerin dem Nachrichtenmagazin "Focus". Die Firma lasse eine Software entwickeln, um Kontaktdaten von iPhones-Mobiltelefonen direkt auf Facebook zu übertragen. "Wenn meine engsten Mitarbeiter beispielsweise ihr iPhone synchronisieren würden, landet meine geheime Handynummer samt Mail-Adresse bei Facebook, ohne dass ich es erfahre." Im Verbraucherschutzministerium hätten sich Ärzte, Psychologen und Anwälte gemeldet, die bestürzt seien über diesen Datenabgleich.

AP/bla
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
Proteus (20.07.2010, 16:28 Uhr)
Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) erwartet digitalen Atomschlag
?Was wir brauchen, ist ein verlässlicher Identitätsnachweis im Netz. Wer das Internet für Käufe, Online-Überweisungen, andere Rechtsgeschäfte oder Behördengänge nutzen will, sollte sich zuvor bei einer staatlichen Stelle registrieren lassen müssen.? , so Jansen.

Heißt im Klartext, dass jeder der bei eBay ein Schnäppchen sieht oder bei Douglas dem Partner ein olfaktorisches Kleinod bestellen möchte dies nur noch dann kann, wenn er sich vorher eine staatliche Lizenz zum Einkaufen besorgt hat. Keine Transaktion mehr ohne Big Brother im Hintergrund, der mitliest. Orwell lässt grüßen.

Immerhin sagt Jansen, das die Bundesregierung in der Zuschauerrolle verharre.
?Kompetenzgerangel, Unvermögen und Blauäugigkeit führen zu unfassbarem Politik-Versagen.? Da kann ich ihm nur beipflichten. Über die Unfähigkeit und mangelnde Kompetenz unserer Politiker zu diesem Thema steht viel zuviel im Internet.

Weiterhin möchte Jansen die ?gesetzliche Befugnisse für offene und verdeckte Ermittlungen im Internet, speziell in sozialen Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ oder Twitter?. Auch solle die Polizei das Recht bekommen, ?Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dürfen?.

Man stelle sich das mal im realen Leben vor. Die Polizei, dein Freund und Helfer, kommt unbemerkt zum Reparieren meines Rechners, weil ich mir was eingefangen habe. Mit dem derzeitigen Stand der Ausbildung der meisten Polizeibeamten sollte man denen nicht mehr als Legosteine in die Hand geben. Alles andere wäre zu technisch. Jansen sieht das übrigens genauso, drückt es allerdings ein wenig eleganter aus.

Gravierenste Aussage ist allerdings der Vergleich einer virtuellen Attacke auf die Infrastruktur mit den Folgen eines Atomschlages. Möglicherweise sollte Jansen sich mal darüber informieren, unter welchen Vorraussetzungen das Internet entstanden ist: um genau diesen Angriff zu überstehen.
Außerdem fordert er einen ?Reset-Knopf für das Internet?. Damit könne das Kanzleramt im Ernstfall das Internet sofort vom Netz nehmen. Ja sicher, und wenn Focus und Co. etwas hässliches über die Regierung schreiben, oder ich hier etwas (negatives?) über Herrn Jansen, dann einfach mal Not-Aus!

Datenschutz, Rechte und Kriminalität im Internet sind mit Sicherheit Themen, die uns in der nächsten Zeit weiter beschäftigen. Aber so eine Art von Panikmache ist meines Erachtens völlig überzogen. Redefreiheit schön und gut, aber in seiner Position diese Art der Paranoia zu verbreiten kann nicht richtig sein.

Vielleicht sollte man den guten Mann mal überwachen, damit er nicht versehentlich das Internet ausschaltet, wenn er zufällig den Knopf findet.
TimS (19.07.2010, 17:08 Uhr)
aldi
@screne - irgendwie kriegts keine/r so genau hin, was bei Aldi Prepaid Karten wirklich stattfindet ... Kauf ist anonym: Ja. Registrierung geht aber nicht über Perso.Ausweis, sondern es reicht eine Anmeldung mit Name/Adresse/Unterschrift ..!
OneSizeFitsAll (19.07.2010, 15:29 Uhr)
Ein Wunsch.
Ich hätte auch gerne einen universellen Rest-Knopf. Wahrscheinlich könnte ich gar nicht mehr aufhören ihn zu benutzen. ;-)
Katastrophenjunkie (19.07.2010, 15:11 Uhr)
Reset-Knopf
Soweit ich das weiß und ich bin tatsächlich ein Laie, ist das besondere am I-net, dass es dezentral ist.
Mich würde die rein technische Frage interessieren, wie viele Rechenzentren man "reseten" müsste um tatsächlich das vollständige I-net abzuschalten für D...

Schlussendlich wäre damit aber nur das Primärziel der Cyberterroristen erreicht: Der totale Ausfall sämtlicher vernetzter EDV-Anlagen.

War Herr Jansen vor kurzem mal in Afghanistan?
Astsaft (19.07.2010, 14:26 Uhr)
@Preston
Richtig, dass ich so "unverschämt" sagen kann, dass sich der Herr Jansen in dem Interview absolut inkompetenz bewiesen hat, liegt unter anderem auch daran, dass mir persönlich nichts passieren kann, weil eben dieser Herr Jansen dank des Systems nicht weiß wer ich bin. Und das ist gut so!

Warum hängen Sie sich eigentlich so übertrieben an anonymen Handkarten auf? Selten so gelacht! Es gibt heutzutage so viele Wege sicher zu komunizieren... vor allem die Massen an Bombenbauern und Terroristen hier in Deutschland werden die kennen ;)

Tut mir leid, dass ich Ihnen evtl. mit meiner Ausdrucksweise auf den Schlips getreten bin aber Leute wie Herr Jansen, die meinen, dass ihre Position sie dazu befähigt, der Welt ihren geistigen Durchfall darbieten zu müssen, regen mich einfach auf! Es ist ja nicht mal die reine Inkompetenz des Herrn, was dieses Thema angeht. Das Problem ist viel mehr, dass der Herr ja der Vorsitzende des "Bund Deutscher Kriminalbeamter" ist. Da denken sich viele Leute (die auch keine Ahnung von der Materie haben, was ja an sich auch nicht schlimm ist), dass der gute Mann schon recht haben wird, mit dem was er sagt denn er ist ja der Vorsitzende des BDK und die glauben dann den Mül, übernehmen ihn in ihrem Denken und verbreiten den Dreck dann weiter. Und da liegt das eigentliche Problem! So wird Meinung gemacht!
h-p-t (19.07.2010, 14:14 Uhr)
SoSo...
...also ich bin im I Net unterwegs seit es dieses gibt, mir ist noch nichts passiert.
Man sollte schon selbst ein wenig aufpassen was man macht und wo man hinklickt.
Wird das Netz besser geschützt wird woanders ein Türchen aufgemacht. So war es immer und wird es immer sein.
Selbst unter dem Totalen Überwachungsstaat vor einigen Jahrzehnten gab es immer noch Gruppen die sich im Untergrund ( zum Guten Glück für eine gute Sache ) zur Wehr setzen.
Da wir keinen Überwachungsstaat wollen müssen wir damit leben das manche Kriminelle eben auch die Vorzüge der Freiheitsliebenden nutzen und für Ihre Machenschaften mißbrauchen.
Aber es ist schon ein komisches Land wo über ein "reset Knopf" für´s I Net geredet wird.
Da kann man nur sagen, der Mann ist entweder ein "Genie" oder ein "Volli****".
OneSizeFitsAll (19.07.2010, 14:03 Uhr)
Brüller der Woche.
Reset-Knopf im Kanzleramt. Na wunderbar. Dann konnte die Staatsratsvorsitzende ja bei jedem "Schütz Artikel" einschreiten :-) Temperhofer käme das bestimmt recht.

Ansonsten sind sowohl der Vorschlag als auch die sich anschließende Diskussion bestenfalls geeignet, als "sommerlochbedingt" bezeichnet zu werden.
Narrenhände beschmieren Tisch und Wände. Mazeltov
Preston (19.07.2010, 13:35 Uhr)
Nachtrag: ich bin kein Kriminalbeamter, nur weil ich die Wahrheit sage
Man kann jede anonym gekaufte Prepaidkarte später (genauso anonym) unter falschem Namen im Internet aktivieren; das würde selbstverständlich NICHT funktionieren, wenn die Verkäufer(innen) zu jedem Paket die Ausweis-Nr. notieren würden.
Preston (19.07.2010, 13:32 Uhr)
ach ja, und wie wollten die "Sauerland-Bomber" ihre Sprengsätze zünden?
- wie kommunizieren Terroristen anonym im Internet?
Natürlich mit unregistrierten Prepaid-Karten (und Laptops); und hier zeigt sich schon der ganze "General-Konflik":
erlaubt man dem Einzelnen seine Anonymität, auch wenn er diese für Straftaten mißbraucht, oder gibt man dem Staat das Recht, seine Bürger zu kontrollieren?
Daß ein Polizeibeamter (oder Innenminister) diese Sachen anders sieht als ein 16jähriger, gibt diesem noch lange nicht das Recht, ihn im Internet (auch hier im STERN-Forum) anonym als "Faschisten" zu beschimpfen.
screne (19.07.2010, 13:31 Uhr)
@Preston
Sie sind wohl Kriminalbeamter. Bei Aldi kann man zwar anonym Prepaid-Karten kaufen, aber man kann sie nicht anonym nutzen, weil man sich nämlich mit dem Personalausweis als Kunde erstmal registrieren muss, bevor man die Karte nutzen kann.

Also Vorsicht mit dem Halbwissen... lol
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