Der Letzte seiner Art

24. November 2011, 18:17 Uhr

Nintendo veröffentlicht mit "Skyward Sword" den letzten großen Kracher für die betagte Wii. Das Spiel lockt mit einer tollen Steuerung und viel Charme - verheddert sich aber in seiner Tradition. Von Christoph Fröhlich

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Zelda, 25 Jahre, Nintendo, Jubiläum, Skyward Sword

In "The Legend of Zelda: Skyward Sword" fliegt Link mit einem Vogel auf die Erdwelt, um seine Geliebte Zelda zu retten©

Ein Vierteljahrhundert lang kämpften sich Spieler in der Videospielreihe "The Legend of Zelda" durch Schlösser und Höhlen und befreiten die entführte Prinzessin Zelda aus den Fängen von Bösewichten. Pünktlich zum 25. Geburtstag veröffentlicht Nintendo den 13. Teil der Abenteuer-Saga: "Skyward Sword", auf deutsch "zum Himmel gerecktes Schwert", ist das vielleicht letzte gute Spiel für die betagte Wii. Momentan konzentriert sich Nintendo auf die Entwicklung von Nintendo-3DS-Spielen, mit der Wii U steht bereits die nächste Konsole in den Startlöchern. Und doch ist "Skyward Sword" das erste Wii-Spiel, das die Möglichkeiten der Konsole voll ausreizt.

Das fühlt sich echt an

Am Spielprinzip der Reihe hat sich bis heute nichts geändert: Der Spieler übernimmt die Rolle des Helden Link, der mit Schwert und Schild loszieht, um Prinzessin Zelda zu retten. Im Laufe seines Abenteuers erhält er eine Vielzahl von Gegenständen wie Bomben, eine Peitsche oder einen Bumerang. Doch nicht nur der Umgang mit den unterschiedlichen Waffen will gelernt sein - auch Köpfchen ist gefragt: In den Höhlen und Kerkern warten viele Rätsel. Mal muss nur ein Block an die richtige Stelle geschoben, ein anderes Mal ein komplexes Spiegelrätsel gelöst werden.

Verändert haben sich im Laufe der Zeit die Grafik und die Steuerung der Spiele. Links erstes Abenteuer erschien 1986 noch für das Nintendo Entertainment System (NES) und wurde lediglich mit Steuerkreuz und zwei Knöpfen bedient. Der Programmcode des Spiels war gerade einmal 128 Kilobyte groß, das ist soviel wie ein 30-seitiges Word-Dokument. Das neueste Abenteuer für die Wii umfasst mittlerweile mehrere Gigabyte und macht von der Bewegungssteuerung der Wii intensiven Gebrauch.

Möglich wird das durch die Controller-Erweiterung "Wii Motion Plus". Sie wird für das Spiel zwingend vorausgesetzt und erlaubt eine genauere Erkennung der Bewegungen. Mit der Wiimote in der rechten Hand schlägt der Spieler zu, das Nunchuk in der linken kontrolliert das Schild. Doch nicht nur die Kämpfe, auch die Erzählung profitiert von der besseren Steuerung: Als Link das magische Masterschwert findet und aus dem Stein ziehen soll, muss der Spieler den Controller umdrehen und nach oben ziehen, um ihn danach in die Luft zu strecken – es wird zum "Skyward Sword". Kenner der Reihe haben diese Szene schon häufiger gespielt, doch noch nie hat es sich so echt angefühlt.

Die Macht der Gewohnheit

Die Geschichte ist in jedem Zelda-Teil gleich. Zwar wechselt ab und zu der Bösewicht oder der Handlungsort, doch reduziert man das Spiel auf das Wesentliche, rennt Link jedes Mal von einem Verlies zum anderen, tötet darin einen Endgegner, um am Ende seine Angebetete vor einem noch fieseren Bösewicht zu retten. Doch es ist nicht die simple Geschichte, die seit Jahrzehnten fasziniert, sondern die Art und Weise der Erzählung.

Wer bereits mehrere von Links Abenteuern erlebt hat, findet in jedem neuen Teil Anspielungen auf bereits erzählte Episoden. Löst Link beispielsweise ein Rätsel oder öffnet eine Truhe, erscheint seit zwei Jahrzehnten dieselbe Melodie. Auch die Titelmusik der Reihe ist seit Jahren fester Bestandteil im Hauptmenü: Auf dem Videoportal Youtube gibt es Hunderte von Aufnahmen, auf denen Zelda-Anhänger das Musikstück auf Klavier, Gitarre oder Flöte vorspielen. Es ist undenkbar, dass Nintendo diese Musik jemals ändern wird, macht sie doch den Charme der Serie aus. Auch wieder auftauchende Figuren, Namen oder Orte sorgen für Aha-Effekte.

Retro-Gefühl mit Abstrichen

Doch so schön die Erinnerungen an früher auch sind: Die Retro-Gestaltung hat ihre Schattenseiten. Beispielsweise hat das Spiel immer noch keine Sprachausgabe, obwohl die in anderen Spielereihen längst zum Standard geworden ist. Vor zwanzig Jahren war das dem geringen Datenspeicher der Spiele geschuldet, heute bieten DVDs millionenfach mehr Platz als früher. Richtige Gespräche gibt es in "Skyward Sword" nicht, unterhalten wird sich nur über Textfelder, ab und zu hört der Spieler eine primitive Lautsprache.

Vielleicht hat Nintendo Angst, dass den treuen Spielern die Stimme von Link nicht gefallen könnte. Doch wie man eine stummen Videospielfigur nach 25 Jahren zum Reden bringt, wissen sie eigentlich am besten: Super Mario bekam 1996 zu seinem 25. Geburtstag und seinem ersten dreidimensionalen Auftritt auf dem Nintendo 64 eine Stimme, die Fans bis heute lieben.

Ein weiteres Manko ist der träge Einstieg: Bis das Spiel für geübte Gamer fordernd wird, vergehen ein paar Stunden. Statt sich dem jeweiligen Können anzupassen, wird der Spieler behutsam mit der Steuerung vertraut gemacht, alle Charaktere werden vorgestellt, auch wenn sie nur bekannte Stereotypen sind: die hübsche Prinzessin, der fiese Widersacher, der gütige König – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Erst im späteren Spielverlauf sorgt die Geschichte für einige Überraschungen. Dass Spiele von Anfang an packend inszeniert sein können, zeigt die Konkurrenz mit "Call of Duty" oder "The Witcher 2". Bei "Skyward Sword" erweist sich die Tradition des märchenhaften Einstiegs als unnötiger Ballast.

Fazit

Obwohl keiner der Charaktere sprechen kann, die Grafik weit hinter den Möglichkeiten der HD-Konsolen ist und die Geschichte bereits ein Dutzend Mal erzählt wurde: "Skyward Sword" ist das beste Wii-Abenteuer seit langer Zeit. Und möglicherweise das letzte gute Spiel überhaupt. Knackige Rätsel, riesige Tempel, beeindruckende Bosse, neue Gegenstände, ein intensiveres Spielgefühl und Melodien, die ans Herz gewachsen sind – Fans der Serie werden sich im neuen Zelda-Teil wie zuhause fühlen. Auch wer bisher keine Erfahrung mit Link und Co. gesammelt hat, sollte einen Blick riskieren. Wenn ein Wii-Spiel unter dem Weihnachtsbaum liegen sollte, dann dieses.

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25 Jahre Zelda
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25 Jahre Zelda Vom Pixelbrei zum Fuchtelabenteuer
The Legend of Zelda: Skyward Sword
Hersteller/Vertrieb Nintendo
Genre Action-Adventure
Plattform Nintendo Wii
Preis 40 Euro
Altersfreigabe ab 12 Jahren
 
 
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