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2. Mai 2011, 12:03 Uhr

Das Tor zur Genialität

Die Grundidee von "Portal 2" ist simpel: Mit einer Dimensionskanone lässt sich der Ein- und Ausgang eines Wurmlochs erschaffen. Dazwischen liegt eine Welt voller kreativer Einfälle, genialer Puzzles und hundsgemeinem Humor.

Portal, Valve, Half-Life 2, Portal-Kanone

Mit der Portal-Gun lassen sich ganz besondere Löcher in Wände schießen: Wurmlöcher© Valve/Electronic Arts

Es war ein Experiment, eine kostenlose Dreingabe - und ein überwältigender Erfolg. Als Entwickler Valve 2007 die zweite Episode seines Shooters "Half-Life 2" nebst der Mehrspielerballerei "Team Fortress 2" auf den Markt brachte, kauften viele die "Orange-Box" getaufte Spielesammlung nur wegen der Knobelei "Portal". Als menschliches Versuchskaninchen musste man durch das geschickte Platzieren von Dimensionstoren aus einer mit tödlichen Fallen, Kraftfeldern und Geschütztürmen gespickten Forschungsstation fliehen, die von einem durchgeknallten Computer mit sanfter weiblicher Stimme beherrscht wurde. Grips zählte dabei mehr als ein volles Magazin - und das begeisterte die Massen. Nun steht "Portal 2" in den Läden - als Vollpreisprodukt für PC, Mac, Xbox 360 und PlayStation3.

Auch wenn sich über dem Spieler ein Füllhorn voller kreativer Einfälle, bitterbösem Humor und kniffliger Rätsel ergießt - die simple, aber geniale Grundidee des Vorgängers ist geblieben. Wieder ist der Spieler ein Gefangener, wieder ist die sogenannte Portal-Gun der Schlüssel zur Freiheit.

Portal, Valve, Half-Life 2, Portal-Kanone

Mithilfe der Prismenwürfel werden Laserstrahlen zur Aktivierung von Mechanismen umgeleitet© Valve/Electronic Arts

Mit dieser Dimensionskanone lässt sich an Wänden, Böden und Decken der Ein- und Ausgang eines Wurmlochs erschaffen. Wer die Schwelle eines Portals überschreitet, tritt sogleich aus dem anderen heraus. Damit lässt sich einerseits ziemlich viel Schabernack treiben - etwa in die Unendlichkeit fallen oder sich selbst hinterjagen. Oder aber man macht sich daran, all die Aufgaben und Testkammern zu bewältigen, die der reaktivierte Supercomputer Glados für einen bereithält.

An den Physikunterricht erinnern!

Zehn Kapitel lang schlägt man sich durch die verfallenen Labore von Aperture Science, aber auch durch riesige Außenbereiche. Man aktiviert Türen, leitet Laserstrahlen um, hält sich schießwütige Wachroboter vom Hals, hantiert mit wuchtigen Würfeln und lässt sich durch die Luft katapultieren. Wichtigste Faustregel bei alldem: Eintrittsgeschwindigkeit gleich Austrittsgeschwindigkeit. Was also mit großem Tempo in ein Portal fliegt, kommt auf der anderen Seite mit ebenso hohem Tempo wieder heraus - was bei einigen Puzzles von elementarer Bedeutung ist.

Neu in diesem über- und multidimensionalen Laborratten-Experiment sind drei Arten von Flüssigkeiten, die sich überall verteilen lassen und die physikalischen Eigenschaften der Umgebung verändern. Ein weißes Gel sorgt dafür, dass sich selbst auf sonst ungeeigneten Flächen Dimensionstore öffnen lassen. Orangefarbener Glibber beschleunigt den Spieler, blauer fungiert als eine Art flüssiges Sprungbrett. Durch umleitbare Lichtbrücken und Traktorstrahlen steigt die Komplexität der Rätsel im späteren Spielverlauf rapide an.

Portal, Valve, Half-Life 2, Portal-Kanone

Die Wurmlöcher bieten bizarre Einblicke und Situationen© Valve/Electronic Arts

Eine echte Hilfsfunktion gibt es zwar nicht. Dennoch hält sich der Frust in Grenzen. Irgendwann fällt der Groschen, und man beglückwünscht sich zur eigenen Genialität. Falls nicht, nimmt man's mit Humor. Denn der ist neben dem ausgefuchsten Aufbau der physikalischen Rätsel das eigentliche Aushängeschild des Spiels. Das fängt beim ebenso tollpatschigen wie redseligen Droiden Wheatley an, der mit der deutschen Stimme von Bratt Pitt spricht und dem Spieler von der ersten Minute an einen Hirnschaden attestiert, und erstreckt sich über viele kleine amüsante Details bis hin zu Glados - dieser ziemlich nachtragenden, sarkastischen und hundsgemeinen Künstlichen Intelligenz, die fortwährend stichelt. Erfolgreich bestandene Tests quittiert sie schon mal mit "Gut gemacht. Hier ist dein Ergebnis: Du bist ein schrecklicher Mensch. Ja, das steht hier: schrecklicher Mensch. Und das testen wir nicht mal."

Bislang bestes Spiel des Jahres

Zehn bis zwölf Stunden benötigt man etwa, bis man nach einigen durchaus spannenden Wendungen das grandiose Finale zu Gesicht bekommt. Vorbei ist "Portal 2" aber deshalb noch lange nicht. Als grandiose Zugabe erweist sich Kooperationsmodus für zwei Spieler, die in die Rollen der albernen Roboter Atlas und P-Body schlüpfen. Auch die haben Portalkanonen und müssen damit in etwa 40 separaten Levels besonders harte Rätselnüsse knacken, bei denen es in erster Linie auf Teamwork und gutes Timing ankommt. Wer gerade keinen Freund zur Hand hat, kann sich online einen Partner suchen. Bei der PS3- und PC-Version funktioniert das sogar plattformübergreifend! Käufer der PS3-Fassung erhalten zudem einen Code für den Onlineshop Steam, mit dem sich die PC-Version herunterladen lässt. Zwei Versionen des bislang besten Spiel des Jahres zum Preis von einem - eine feine Angelegenheit, auch wenn die Grafik etwas angestaubt wirkt.

Portal 2
Hersteller/Vertrieb Valve/Electronic Arts
Genre Puzzle/Action
Plattform Xbox 360, PS3, PC
Preis 42 bis 55 Euro
Altersfreigabe ab 12 Jahre
Gerd Hilber, Teleschau
 
 
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