. .
Telefon - Handy und Festnetz
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. Juni 2008, 15:05 Uhr

Auf ewig verbunden

Mit einem Motorola-Handy von Größe und Gewicht eines Vollkornbrots begann vor 25 Jahren die Ära des Mobilfunks. Seine gesellschaftlichen Folgen sind vielfältig. stern.de hat die fiktive Familie Hildebrand durch Jahrzehnte Mobilfunkgeschichte begleitet - stellvertretend für uns alle. Von Ralf Sander

Das weltweit erste Handy, das DynaTAC 8000X von Motorola, wog 800 Gramm und kostete fast 4000 US-Dollar© Motorola/DPA

Jürgen Hildebrand wird sein erstes Telefonat mit einem Handy nie vergessen. Es klingelt, und er hebt das Mobiltelefon von Motorola ans Ohr. Wie leicht es ist. Und wie klein. Nur 800 Gramm wiegt es, fast so viel wie eine Wasserflasche. Es ist zwar 33 Zentimeter lang, aber nur 8,9 Zentimeter hoch und 4,5 Zentimeter breit. Und ganz ohne Kabel. Wahnsinn. Kein Vergleich mit dem schweren Koffer, den ihm sein Onkel als Junge mal gezeigt hatte. Onkel Manfred gehörte zu den wenigen Menschen in der Bundesrepublik, die über ein Autotelefon verfügten. Es waren rund 16.000. Einmal, in den 70ern, durfte Jürgen damit telefonieren. Ehrfürchtig wählte Jürgen die Nummer: "Mama, ich fahre gerade im Auto". Der 14-Jährige sog alles auf, was er über mobile Telefone erfahren konnte. Dass er das so genannte B-Netz genutzt hatte, welches im Gegensatz zum alten A-Netz ganz ohne Fräuleins vom Amt auskam. Dass man für den Preis eines Autotelefons (zwischen 8000 und 15.000 D-Mark) auch ein Auto bekommen hätte. Nach diesem Erlebnis träumte er davon, überall telefonieren zu können.

Wir alle sind Herr Hildebrand

Dieser Jürgen Hildebrand existiert nicht. Er ist eine fiktive Person. Begleiten wir ihn durch die Jahrzehnte der Mobilfunkgeschichte bis heute. Hildebrand und seine Familie werden stellvertretend für uns die alltäglichen und kulturellen Folgen des Handys spüren.

Teurer Riese

Zurück ins Jahr 1983. Als Jürgen Hildebrand während einer Studentenreise in die USA Motorolas erstes Handy in Händen hält, spürt er, dass Telefonieren an jedem beliebigen Ort Realität werden kann. Ihm ist klar: Im Alltag würde der "Stiefel", wie er intern beim Hersteller genannt wird, nicht bestehen. Die Anschaffungskosten des Dynatac 8000X von knapp 4000 Dollar sind zu hoch, und der Akku hält auch nur 30 Minuten. Doch einmal mit dem Gerät zu telefonieren, ist für Jürgen wie ein Blick in die Zukunft. Eine Zukunft, die das Dynatac nicht erleben wird, es verschwindet schnell wieder vom Markt. Immerhin: Innerhalb eines Jahres verkauft sich der Riese 300.000 Mal.

Bis Jürgen endlich selbst mobil telefonieren kann, vergehen mehr als zehn Jahre. In Deutschland gibt es zwar das analoge C-Netz mit 800.000 Nutzern, sein Arbeitgeber, die Deutsche Bank, spendiert ihm ein Telefon für 8600 D-Mark allerdings nicht. Und für einen normalen Angestellten sind die Geräte und Tarife unerschwinglich. Jürgens Frau Stefanie versteht seine Begeisterung sowieso nicht.

Seine Erlösung heißt Global System for Mobile Communications (GSM). 1992 starten auf der Basis dieser Technologie in Deutschland zwei digitale Mobilfunknetze den Regelbetrieb. Mit D1 (Telekom) und D2 (Mannesmann) gibt es erstmals sogar Wettbewerb auf dem Telefonmarkt. Später folgen mit dem E-Netz ein weiteres digitales Netz und weitere Anbieter. Die Preise fallen, die Telefone schrumpfen. 1994 kann sich Jürgen endlich sein erstes Handy leisten, ein Siemens S1 von der Größe zweier aufeinander gelegter Knäckebrotscheiben. Dazu ein Zwei-Jahres-Vertrag bei der Telekom. Grundgebühr: 70 Mark monatlich. Seine Frau Stefanie will kein Mobiltelefon. Ihr Argument: "Du hast doch eines."

Jürgen ist glücklich, obwohl er selten angerufen wird - "zu teuer". SMS schreibt er wenige. Bei rund 2,5 Millionen Handynutzern im Land (1994) ist nicht unbedingt jemand dabei, den man kennt. Nur beim Telefonieren muss er sich zusammenreißen, schließlich sind die Gebühren mit durchschnittlich 1,20 Mark pro Minute recht happig. "Vertelefoniere nicht das Essen deiner Kinder", pflegt Stefanie zu sagen. Jürgen bleibt vernünftig, trotz vieler verlockender Neuheiten auf dem Handymarkt. Brav kauft er alle zwei Jahre ein subventioniertes Telefon, das es zur Vertragsverlängerung dazu gibt.

Blut sagt mehr als tausend Worte

In seiner der Familie ist Jürgen immer noch der einzige mit einem Mobiltelefon, doch der Rest des Landes holt rasant auf. 1998 haben bereits 14 Millionen Deutsche einen Handyvertrag. Und dann, auf einen Schlag, sind die Hildebrands auch dabei. Was ihm mit jahrelangen Umschmeichelungen nicht gelungen ist, schafft Jürgen mit einem Mountainbike-Unfall. Sowohl den Rettungsdienst als auch seine Frau informiert er über sein Handy, das er überall bei sich trägt.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, wie Jürgen Hildebrands Handyeuphorie die ersten Dämpfer erhält und er eine unerwartete Entscheidung trifft.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
heiner5362 (14.06.2008, 19:12 Uhr)
wo bist du? was machst du?
raller raller raller.
hab ein handy, ausgeschaltet seit monaten und nur bei bedarf in betrieb was sehr selten vorkommt.
wer was will ruft festnetz oder mailt.
diese vollpratzen die nicht 3 minuten ohne sms oder klingeling auskommen sind selbst schuld.
RUF !!! MICH !!! AN !!!
meistens jugendliche denen man das geld aus der tasche ziehen kann(prestige,zweifelhafter).
dieses medium hat bei sinnvollem einsatz durchaus seine berechtigung und ist zu begrüssen,
aber dauerabonnent bei jamba ist ja wohl das letzte was einem einfallen kann.
-> und es muss sich immer noch lohnen, beobachtet man die werbungsschaltung gerade bei auf kinder zugeschnittene programmangebote.
handy ist ein ortsungebundener notruf kostenlos, gottseidank, und ein mittel zum zweck.
da braucht es keine softpornobildchen oder singende häschen oder nazionalistisches liedgut.
wer die scheisse kauft...
goofy4 (14.06.2008, 14:30 Uhr)
Wozu
Ich frage mich warum jeder meint ständig erreichbar sein zu müssen. Wenn ich im Restaurant sitze und esse, dann will ich essen und sonst nichts. Außer mich mit meinem Gegenüber zu unterhalten. Statt dessen kann man beobachten, wie bei meinen Zeitgenossen die Gabel wegfliegt um ein Handygespräch anzunehmen. Da ist doch gestört.
Was ich auch super finde, die Leute sitzen in der Kneipe und jeder fingert an seinem Handy rum. Echte Kommunikation fehlanzeige.
Außerdem sind die Leute tierisch unzuverlässig geworden. Früher hieß es wir treffen und um 8 genau dort.
Interessiert heute keinen mehr. Man kann ja jederzeit anrufen.
Ich sehe eigentlich kaum Vorteile durch das Handy. Die Ausnahme für mich ist die, dass ich ein Handy bei längeren Autofahrten für den Notfall dabei habe. Das ist dann allerdings ausgeschaltet bis ich es brauche. Ach ja und als meine Frau schwanger war hatte ich es dabei.
Badmax (14.06.2008, 09:17 Uhr)
Ganz ehrlich
ich wünschte mir, das Handy währe nie erfunden worden! Das Handy hat uns allen vor allem eins gebracht: Weniger Freiheit.
screne (13.06.2008, 20:01 Uhr)
"UMTS trat die SMS-Welle los"
Das ist aber falsch lieber Stern...
MEHR ZUM ARTIKEL
Mobilfunkstrahlung Das Handy als Popcornmaschine

Auf Youtube finden sich einige Clips, die zeigen, wie sich mit der gebündelten Strahlung von mehreren Handys Popcorn machen lässt. Dass es sich dabei nur um Fälschungen handeln kann, ergab sich bereits aus der Diskussion über einen ähnlichen Fall, bei dem mit zwei Handys ein Ei gekocht wurde. mehr...

Handynavigation "Squace" Quadratisch, praktisch, aber auch gut?

Ein neuer Mobildienst will das Internetsurfen auf Handys unkompliziert und schnell machen. Der Trick: Vierecke statt Fenster. Allerdings erfordert die Technik einige Vorbereitung am PC. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Partnerangebot Der stern.de-DSL-Vergleich Der stern.de-DSL-Vergleich Sparen bei DSL-Flatrates

Mit einem DSL-Tarif-Vergleich finden Sie einfach und schnell den zu Ihnen passenden Anbieter. Kostenlos, schnell und sicher! mehr

 
 
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft