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8. Januar 2007, 16:19 Uhr

Kopfüber in den Preiskampf

Bei den Mobilfunktarifen ist ein heftiger Preiskrieg entbrannt. Laut Statistischem Bundesamt waren die Preise 2006 um zehn Prozent günstiger als im Vorjahr. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht. Handytelefonierer können viel Geld sparen - wenn sie flexibel sind. Von Ralf Sander

Die Kosten für Handytelefonate befinden sich im freien Fall© Volker Hartmann/DDP

Mit dem Handy zu telefonieren, ist in Deutschland deutlich billiger geworden. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat errechnet, dass die Preise für Mobiltelefonie 2006 um 10,7 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres lagen. Ein Preisverfall, der den Trend der Vorjahre (2005: 3,0 Prozent; 2004: 1,1) verstärkt fortsetzt. Insgesamt ist der Preisindex für Telekommunikationskosten (Festnetz, Handy, Internet) laut Destatis um 3,0 Prozent geschrumpft. Auf dem Mobilfunkmarkt tobt also ein wesentlich härterer Preiskampf als in den beiden anderen Segmenten.

Die großen Mobilfunkanbieter haben zwei Probleme: Erstens ist der Handymarkt gesättigt, statistisch gesehen besitzt jeder Deutsche ein Handy. Den Kundenstamm um bisherige Handyabstinenzler zu erweitern, ist schwierig. Gleichzeitig muss bei der Konkurrenz gewildert werden. Der Köder ist der Preis, die erfolgreichsten Jäger sind dabei die Mobilfunkdiscounter. Das ist das zweite Problem der Großen. Seit 2005 E-Plus die Billigmarke Simyo startete, fallen die Preise. Inzwischen drücken Anbieter wie blau.de, easymobil oder simply - insgesamt gibt es laut Experten ein Dutzend - die Preise, weil sie mit wenig Personal und teilweise nur über Onlineshops das bieten, was viele Menschen offenbar wollen: Günstig telefonieren ohne Schnickschnack. Keine aufwendigen Zusatzfunktionen, keine Handys - "No Frills", "ohne Rüschen", werden solche Anbieter auch genannt. Die eingesparten Kosten spiegeln sich in den Preisen wider. Simyo-Chef Rolf Hanse erwarte laut der Nachrichtenagentur Reuters, dass bis 2010 zwischen 20 und 30 Prozent der deutschen Handytelefonierer auf Discountangebote zurückgreifen werden. Michael Krammer, Geschäftsführer von E-Plus, prophezeite in einem Interview mit der "Rheinischen Post", dass sich die Mobilfunkgebühren in Deutschland innerhalb von drei Jahren halbieren würden. "Bei den Preisen ist noch Luft nach unten", sagt auch Thomas Hagen, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, "im internationalen Vergleich ist Deutschland immer noch deutlich teurer. Aber immerhin: Im Gegensatz zum Energiemarkt ist beim Mobilfunk der Preiskampf endlich da".

Spartipps vom Verbraucherschützer

Wie soll sich der Kunde angesichts des Preisverfalls verhalten? Abwarten und gleichzeitig flexibel sein. Verbraucherschützer Hagen empfiehlt: "Keine langfristigen Verträge mehr. Dafür ist die Preisentwicklung einfach zu schnell. Mit Prepaid-Karten kann man besser reagieren." Im Gespräch mit stern.de fordert Hagen außerdem den Abschied von der Fixierung auf das Null-Euro-Handyangebot. "Solche Geschenke bezahlt man immer mit einer langen Laufzeit oder anderen versteckten Kosten. Das Geld muss reingeholt werden, und das passiert nun mal über die Tarife." Gleiches gelte, so Hagen, auch für Angebote, denen zum Mobiltelefon noch DVD-Player, Digitalkameras oder sogar ganze PCs beigelegt werden. "Das Günstigste ist, ein etwas älteres Handy ohne Vertrag und Bindung an eine bestimmte Prepaid-Karte zu kaufen und getrennt davon eine günstige Discount-Prepaid-Karte", so Hagen.

Ein harter Wind weht den Mobilfunkfirmen auch außerhalb Deutschlands entgegen. Die hohen so genannten Roaming-Gebühren, die bei der Handynutzung im Ausland anfallen, sind nicht nur hiesigen Verbraucherschützern ein Dorn im Auge. Die EU-Kommissarin für Telekommunikation, Viviane Reding, hat sich den Kampf gegen überhöhte Auslandsgebühren auf die Fahne geschrieben. "Roaming ist Zoll-Erheberei", sagte sie Mitte vergangenen Jahres im stern.de-Interview. Und die deutsche Bundesregierung hat sogar eigene Forderungen gestellt, die über die der EU-Kommissarin hinausgehen. Bis zum Sommer sollen die Veränderungen den Europäern zugute kommen.

Auch fürs Handy: Voice over IP

Und dann war da noch Voice over IP (VoIP): Das Telefonieren über das Internet ist zum Teil mitverantwortlich für die Preissenkungen der letzten Jahre im Festnetz und schickt sich an, auch bei den Mobilfunkern mitzumischen. Digitalisierte Sprachpakete werden über das Internet verschickt, die Infrastruktur der Mobilfunkanbieter benötigt diese Technik erst dort, wo sich die Kunden mit ihren Handys befinden. So lassen sich zum Beispiel die horrenden Roaming-Gebühren umgehen. Firmen wie die schwedische Rebtel oder Jajah, von zwei Österreichern gegründet, bieten bereits solche Dienste an. Die Berliner Firma Smart2Talk vertreibt eine Software für Handys, die automatisch immer den günstigsten Tarif auswählt.

Beim Sparen der Handykosten sind in diesem Jahr der Fantasie offenbar keine Grenzen gesetzt.

Mit Material von DPA und Reuters
 
 
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