Handytrojaner stiehlt 36 Millionen Euro

8. Dezember 2012, 14:11 Uhr

Es ist einer der komplexesten Angriffe in der Geschichte des Onlinebankings: Kriminelle haben europäische Bankkunden mit einem Trojaner um 36 Millionen Euro erleichtert. Auch Deutsche sind betroffen. Von Christoph Fröhlich

Trojaner, zeus, Zitmo, Bank, Onlinebanking, online-Banking, mTan, unsicher

Cyberkriminelle räumten mit einem Handytrojaner schätzungsweise 36 Millionen Euro von europäischen Bankkonten.©

Es war ein penibel geplanter Beutezug mit jeder Menge High-Tech: Cyberkriminelle haben in diesem Jahr europäische Bankkunden mit einem Trojaner um 36 Millionen Euro erleichtert, schreiben die beiden Sicherheitsunternehmen Versafe und Check Point Software. 30.000 Kunden von mehr als 30 Banken sollen betroffen sein, darunter Geldinstitute aus Spanien, Italien, Holland und auch Deutschland. Rund ein Fünftel der Betroffenen sind Deutsche, wegen des Wirkungsraums sprechen die Verfasser des Berichts bereits vom "Eurograbber"-Angriff.

Das Brisante an dem virtuellen Raubzug: Die Kriminellen konnten mit einem kombinierten Angriff auf Computer und Smartphones der User und einer gut verschleierten Serverstruktur sämtliche Sicherheitshürden der Banken umgehen. Selbst das gemeinhin als sicher geltende mTan-Verfahren wurde ausgehebelt. Es sei eine "ausgefeilte, mehrdimensionale und gezielte Attacke" gewesen, schreiben die Autoren in ihrer Fallstudie.

Wie sind die Angreifer vorgegangen?

Wie die meisten digitalen Angriffe beginnt auch dieser auf dem PC des Opfers: Zunächst muss der Computer des Nutzers mit einer Schadsoftware namens "Zeus" infiziert werden, das gelingt den Kriminellen entweder mit einem verseuchten Link, den sie via E-Mail verschicken, oder mit einer zuvor manipulierten Webseite. Per Drive-by-Download installiert sich von dort die Schadsoftware automatisch und vom Nutzer unbemerkt auf dem Computer.

Sobald sich der Nutzer in sein Onlinebanking-Konto einloggt, wird der Trojaner aktiv und fordert den Anwender auf, persönliche Daten wie Handynummer und Betriebssystem einzugeben. Außerdem wird er gebeten, den weiteren Instruktionen zu folgen, die per SMS verschickt werden. Kurz darauf erhält der Nutzer eine vom Angreifer verschickte Kurznachricht. Darin enthalten ist ein Link, der angeklickt werden muss, um Onlinebanking auf dem Smartphone vermeintlich sicherer zu machen. In Wirklichkeit installiert sich aber eine mobile Variante des "Zeus"-Trojaners namens "Zitmo" (Zeus in the mobile). Betroffen sind Android- und Blackberrygeräte, eine Version für Apples iOS-Geräte gibt es offenbar nicht.

Will der Nutzer nun eine Überweisung tätigen, erhält er beim sogenannten mTan-Verfahren eine mobile Transaktionsnummer per SMS zugeschickt. Nur mit dieser Nummer ist es möglich, im Browser Geld zu überweisen. Allerdings fängt "Zitmo" diese nur einmal gültigen Codes ab und nutzt sie, um Geld vom Bankkonto des Opfers abzuheben und auf das Konto des Angreifers zu überweisen. Somit wird nicht direkt das System des Onlinebankings angegriffen, für die Bank sind die Daten in Ordnung und die Angriffe nicht zu verhindern. Je nach Transaktion werden zwischen 500 und 250.000 Euro abgehoben.

Experten raten zu Vorsicht

Es ist nicht das erste Mal, dass Experten vor solch einem Angriff warnen: Bereits im November warnte die Berliner Polizei vor dem Missbrauch von mTans. Dabeie wurden Konten vollständig inklusive des verfügbaren Überziehungsrahmens geleert, Rückbuchungen waren nicht mehr möglich.

Nur durch die Gutgläubigkeit vieler Nutzer ist es Kriminellen möglich, an sensible Informationen zu gelangen. Vermeintliche Aufforderungen der Banken zum Download von Software - egal ob für PC oder Smartphone - oder Sicherheitsupdates sollten stets mit Vorsicht behandelt werden. Im Zweifelsfall sollte direkt beim Geldinstitut nachgefragt werden. Aktuelle Sicherheitssoftware kann das Risiko einer Trojanerinfektion zumindest einschränken.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Holland Onlinebanking Schadsoftware SMS Trojaner Zeus
Digital
Ratgeber und Extras
iPhone 6: Die nächste Smartphone-Generation iPhone 6 Die nächste Smartphone-Generation
Vergleichsrechner
Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Finden Sie den günstigsten DSL-Tarif Unser kostenloser DSL-Vergleich zeigt Ihnen die DSL-Tarife, die am besten zu Ihnen passen. Zum Tarifvergleich
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.

 

  von Bananabender: Der Mythos Megapixel

 

  von Amos: Warum müssen verunglückte Reitpferde immer eingeschläfert werden?

 

  von Amos: Haus mit 5 Wohneinheiten. Jetzt steht eine Wohnung längere Zeit leer. Wie verhält es sich dann mit...

 

  von Amos: Smartphones zu Weihnachten: Kaufentscheidung abhängig von der Fotoauflösung? Telefonieren wäre doch...

 

  von StechusKaktus: Wie kann die kalte Progression abgeschafft werden?

 

  von bh_roth: Gastherme versetzen

 

  von Bananabender: Drucker Patronen

 

  von bh_roth: Lichterführung bei speziellen LKW

 

  von Amos: Wenn ich einen Karton Sekt aus Bequemlichkeit im Kofferraum "vergesse": wie hoch ist die...

 

  von Musca: Vogelschwarm filmen

 

  von Amos: Da ich als Arzt nicht mehr tätig bin, habe ich meine Berufshaftplicht gekündigt.

 

  von Amos: Eine Fondsgesellschaft schickt mir am 2..12.2014 die Steuerbescheinigung für 2013. Obwohl ich meine...

 

  von Gast: Ist der Nahme "Haircouture" geschützt

 

  von Gast: ich habe eine rente in höhe von 760 ?,wie viel kann ich dazu beantragen?

 

  von Amos: Ich werde von der Telekom mit tollen Angeboten zu schnellerem Internetzugang bombardiert.

 

  von Amos: Obwohl schon oft gestellt: bei trockener Straße ohne Schnee darf ich doch mit Sommerreifen fahren....

 

  von Amos: Habe von Bio-Mineralwaser gelesen. Was ist das oder was soll das?

 

  von Gast: Ich trainiere ca. 5-6 mal pro Woche und habe einen Ruhepuls von 35 mit 15 Jahren, leider bekomme...