Das iPhone schläft nie

5. März 2014, 19:18 Uhr

Wenn der Handyakku leer ist, geht nichts mehr. Oder? Ein Kanadier zeigte bei seinem iPhone 5S das Gegenteil: Der Akku war vier Tage tot, doch seine Bewegungen wurden aufgezeichnet. Wie kann das sein? Von Christoph Fröhlich

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Der M7-Chip im iPhone 5S misst die zurückgelegte Strecke und die Schritte des Nutzers, auch wenn der Akku vermeintlich leer ist.©

Wenn in Agentenfilmen jemand von Gangstern entführt und in ein geheimes Versteck verschleppt wird, greifen die bösen Buben oft zu mehreren Mitteln, damit sie unerkannt bleiben: Der Klassiker ist der Sack, der dem Opfer über den Kopf gezogen wird. So kann er nichts sehen und keine verräterischen Details ausplaudern. Seit gut zehn Jahren ist noch eine weitere Maßnahme hinzugekommen: Früher wurde in Filmen meist der Handy-Akku des Entführungsopfers aus dem Fenster geschmissen, bei heutigen Smartphones kann die Batterie jedoch nicht ohne erheblichen Aufwand entfernt werden. Wenn nicht gleich das ganze Handy weggeschmissen wird, dann wird es es zumindest ausgemacht, damit es von Behörden nicht geortet werden kann. Denn ohne Strom ist auf dem Telefon nichts los. Oder?

Das dachte auch der kanadische Programmierer Arman Amin. Er reiste vor kurzem quer durch Europa, sein iPhone 5S hatte er immer mit dabei. Doch sein Ladekabel ging auf der Reise kaputt, schreibt er unter dem Pseudonym "Glarznak" auf "Reddit". Der Akku war schnell leer. Statt sich unterwegs ein neues Kabel zu kaufen oder das Telefon bei Fremden aufzuladen, warf Amin sein iPhone einfach in den Rucksack.

Vier Tage schleppte er das Telefon durch die Gegend. Als er es dann an ein Ladegerät anschloss, staunte er nicht schlecht: Die App Argus, die die Schritte des iPhone-Nutzers zählt, zeigte die jeweils zurückgelegte Strecke der vergangenen vier Tage an - obwohl das Handy nicht mehr anzuschalten ging. Wie kann das sein?

Schritte, Kalorien, Strecke - alles wird gemessen

Was zunächst wie Überwachungsirrsinn klingt, ist tatsächlich ein Feature des iPhone 5S: In der letzten Version des Smartphones verbaute Apple erstmals neben dem A7-Chip einen Co-Prozessor namens M7. Der wertet ständig Sensordaten vom Beschleunigungsmesser, Gyroskop und Kompass aus. Auf seiner Homepage schreibt Apple: "Fitnessapps, die deine körperliche Aktivität verfolgen, können diese Daten vom M7 Coprozessor abrufen, ohne die ganze Zeit auf den A7 Chip zuzugreifen." Außerdem sei der Chip besonders stromsparend. Der M7-Chip steckt neben dem iPhone 5S auch im iPad Air und im iPad Mini mit Retina-Display.

Wie effizient der M7 ist, zeigt der Fall von Amin: Der Akku des iPhone 5S war so schwach, dass das Gerät nicht mehr eingeschaltet werden konnte. Doch selbst zu diesem Zeitpunkt ist die Batterie nicht vollends aufgebraucht: Der Akkustand reichte offenbar, um den M7-Chip mit Strom zu versorgen. Die gesammelten Daten konnte die App Argus, die Amin vor seiner Reise installiert hatte, anschließend abrufen. Darin werden aber nur die zurückgelegte Strecke, die Anzahl der Schritte, die verbrauchten Kalorien und die Zeit, die man mit sportlichen Aktivitäten verbracht hat, angezeigt. Die gelaufene Route lässt sich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen.

Der M7-Chip kann nicht ausgeschaltet werden, da er tief in das System des iPhones verankert ist. Er sorgt etwa dafür, dass die Wlan-Suche eingestellt und damit der Akku geschont wird, wenn man im Auto unterwegs ist. Allerdings kann der Nutzer festlegen, welche Apps auf die Daten des M7-Chips zugreifen. Dazu wählt man in den Einstellungen den Punkt "Datenschutz", dort klickt man auf den Reiter "Aktivitätsdaten", anschließend kann festgelegt werden, welche Anwendung auf die Aktivitätsdaten zugreifen dürfen. Im Datenschutz-Menü können auch die Ortungsdienste via GPS deaktiviert werden.

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