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19. Juni 2007, 10:35 Uhr

Handys in der Folterkammer

Mobilfunkbetreiber wie Vodafone machen Herstellern von Handys das Leben schwer. In Versuchslaboren prüfen sie neue Modelle bis ins Detail. Ihre Ansprüche werden dabei immer größer. Von Volker Müller

Jedes neue Handy wird von den Mobilfunkbetreibern auf Herz und Nieren geprüft© Jörg Sarbach/AP

Handynarren würden Thomas Ziolkowsky beneiden. Woche für Woche erhält er die neuesten Modelle; lange bevor sie in den Schaufenstern liegen. Und falls ihm etwas missfällt, er sich über Bedienung oder Funktion ärgert, ändern die Hersteller blitzschnell ihr Produkt - ohne zu murren. Davon können die meisten Kunden nur träumen.

Ziolkowsky ist Ingenieur in Vodafones Test- und Innovationszentrum. Er wacht über die Einhaltung von Standards und Vorgaben - und bringt Handyhersteller manchmal zum Verzweifeln: Den Designgeschmack des Publikums zu treffen ist schon schwer. Aber die technischen Regeln der Mobilfunkbetreiber rund um den Globus zu erfüllen ist eine Herkulesaufgabe. Allein Branchengigant Vodafone macht über 4000 Einzelvorgaben, wie sich ein neues Modell in Funknetz und Softwarewelt zu integrieren hat. Und das allein für Deutschland.

Hilfe aus dem Versuchskeller

Ein Desaster für Nokia, Motorola und andere. Die Vielfalt der weltweit genutzten Mobilfunktechnik macht die Handy-Entwicklung zur Sisyphosarbeit. Denn nicht für alles gibt es Standards: "Die altbekannte GSM-Technik ist zu etwa 85 Prozent standardisiert, die neue UMTS-Generation aber nur zu etwa 60 Prozent. Das lässt Spielraum für Interpretationen", skizziert Ziolkowsky das Problem. Funktioniert ein Gerät problemlos in Irland, muss es noch lange nicht in Ägyptens Handynetz arbeiten.

Vodafone hilft den Herstellern auf seine Weise: Der Konzern baut alle eigenen Netze im Kleinformat im Keller des Testzentrums in Düsseldorf nach. Damit das Gebäude nicht zum Mikrowellenherd wird, gelangen die Funkwellen per Kabel in die Labors - wie beim Anschluss fürs Autotelefon. "So bekommt jeder Hersteller bei uns die Versuchsumgebung, der er braucht: ein Mobilfunknetz aus Malta oder Neuseeland oder aus einem bunten Mix von Siemens-, Alcatel-, Nortel- und Ericsson-Technik", sagt Christian Tralle, Leiter des Testzentrums. Längst sind die Düsseldorfer für die Handytests im gesamten Konzern zuständig.

Nächster Kandidat: iPhone

Der Zustand der Testmuster ist dabei von unterschiedlicher Qualität. "Bei etablierten Herstellern sind die Tests nach vier Wochen durch, Neulinge, wie etwa die Chinesen, brauchen schon mal neun Monate", sagt Tralle. Am liebsten sind ihm die Basis-Chipsätze, etwa von Qualcomm, Broadcom oder EMP. Funktionieren diese einwandfrei, mindert das den Testaufwand der späteren Handys.

Auch Apples iPhone kommt wohl bald in das Versuchslabor. Das Telefon des Computerherstellers ist ein typischer Vertreter der neuen Handy-Generation: der Kleinst-PC für die Hosentasche mit integriertem Telefon. Für sie hält Vodafone noch ganz andere Folterkammern bereit: Heerscharen von Robotern quälen mit schlanken Metallfingern die Tastaturen neuer Handys und malträtieren die Software der Geräte. Eine Kamera filmt dabei die Displays und vergleicht Ist- mit Soll-Anzeige. Gibt es Abweichungen oder Fehlfunktionen, sind die Programmierer gefragt. Termine organisieren, E-Mails senden, im Web surfen, Musik hören, Fotos knipsen und ja noch telefonieren - Handys werden stetig komplexer, mögliche Fehlerquellen nehmen exponenziell zu. Um sie auszumerzen, öffnen Netzbetreiber den Entwicklern von Handyprogrammen ihre technische Infrastruktur und gleichen frühzeitig Wunsch und Wirklichkeit ab.

"Wir haben inzwischen von der Zweimannfirma bis zum Weltkonzern zahlreiche Softwareanbieter im Haus", sagt Tralle. Ihnen stellt Vodafone die eigene Softwarewelt zum Testen zur Verfügung.

Von Volker Müller
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Juckepulver (22.06.2007, 04:28 Uhr)
Prüfung ?
"Handynarren würden Thomas Ziolkowsky beneiden. Woche für Woche erhält er die neuesten Modelle; lange bevor sie in den Schaufenstern liegen. Und falls ihm etwas missfällt, er sich über Bedienung oder Funktion ärgert, ändern die Hersteller blitzschnell ihr Produkt - ohne zu murren."
Offensichtlich hat der entweder keine Ahnung oder er zieht nur den Karren seines Herrn :
1. Branding ohne Ende
2. Menüzusammensetzung und
3. Menüführung
sind bei vielen Mobiltelefonen gerade bei Vodafone hundsmiserabel.
Dazu die Sende- und Empfangsleistungen : nach so viel Jahren sollte man doch mal was richtiges hinkriegen !
Und Marktforschung ist scheinbar auch ein Fremdwort , sonst käme es nicht zu so viel unzufriedenen Kunden.
Ist wie bei den PKW : Keiner schafft es nach 100 Jahren einen Einstieg zu ermöglichen ohne das regen und Schnee vom Dach in den Innenraum fallen oder die Heckscheibe sauber bleibt.
Schöne neue Welt !
Mein Profil : Blockform, Nokia 6230i.
Klapp nicht weil nicht automatisch und beim einzig akzeptablen Razr V3i die Menüs unlogisch aufgebaut.
Schiebe nicht weil Mechanic und Stabilität nicht gut, oberste Tastenreihe nicht immer gut bedienbar.
Und die beiden letztgenannten zu dick und zu schwer.
Dylan1941 (20.06.2007, 07:29 Uhr)
Seltsam....
Um so unverständlicher ist es,das gerade Telefone mit dem Branding von VF und T-Mobile gegenüber den Originalmodellen der Hersteller ständig Systemabstürze aufweisen (schlimmstes Beispiel war für mich S65 von Siemens) .
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