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Razzia im Elendsviertel: Die höllische Folterkammer von Bogotá

Bei einer groß angelegten Razzia in Bogotá entdeckt die Polizei Folterkammen, in denen Menschen aufs Grausamste gequält wurden. Selbst die Ermittler sind schockiert - sie sprechen von einem Höllenszenario.

Die "Bronx" in Bogotá

Die "Bronx" in Bogotá: Das Elendsviertel wird von Kriminellen kontrolliert

Glaubt man kolumbianischen Medien, muss sich im Elendsviertel "Bronx" mitten in der Hauptstadt Bogotá seit Jahren der reinste Horror abgespielt haben: Minderjährige, die als Sexsklaven missbraucht wurden, Mord, Entführungen, Drogenhandel, satanische Riten - und Folterkammern, in denen Menschen offenbar aufs Grausamste gequält wurden. Die Opfer sollen von Hunden bei lebendigem Leib zerfleischt worden sein. Das alles kam jetzt ans Licht, nachdem die Polizei eine groß angelegte Razzia durchgeführt hatte.

Der Fall schockiert nicht nur die Kolumbianer, sondern sorgt derzeit international für Schlagzeilen. In den vergangenen Tagen durchkämmten etwa 2500 Einsatzkräfte von Polizei und Militär das völlig verwahrloste Viertel. Nach und nach sickern nun die verstörenden Details durch. Die Gegend, die nur unweit des Präsidentensitzes liegt, ist für Prostitution und Drogenhandel berüchtigt - doch dass dort derartige Grausamkeiten passieren konnten, hätte wohl niemand für möglich gehalten.

Kinder mussten sich prostituieren

Man könne sich nicht vorstellen, welche Höllenszenarien sich in den Gebäuden abgespielt hätten, zitiert die Zeitung "El Tiempo" einen Ermittler. "Viele Häuser wurden für Hexerei, satanische Rituale, Entführungen, Prostitution und als Verstecke für Drogen und Waffen benutzt."

In der "Bronx" soll es auch zu Zwangsprostitution gekommen sein. Im Zuge der Razzia wurden am Wochenende 200 Mädchen und junge Frauen befreit, die offenbar als Sexsklaven arbeiten mussten. Mehr als 70 von ihnen waren minderjährig. Eines der Opfer war hinter einer Wand versteckt und an Hals, Händen und Füßen angekettet, wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft berichtete.

Für Entsetzen sorgt auch, dass es in mehreren Zellen und Kerkern offenbar zu Folter kam. Damit sollen Menschen bestraft worden sein, die für Spione gehalten wurden, Schulden hatten oder Drogen klauten, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Viele Leichen seien in Fässern mit Säure aufgelöst worden.

Ermittler entdecken Drogentunnel

Die Einsatzkräfte befreiten außerdem 1500 Obdachlose, die in dem Viertel offenbar als Sklaven gehalten wurden. Auch ein unterirdisches Tunnelsystem entdeckten die Ermittler: Dort sollen Drogen und Waffen geschmuggelt worden sein.

Seit 2002 operieren in der "Bronx" kriminelle Banden aus ehemaligen Paramilitärs, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft den Waffenhandel in ganz Kolumbien kontrollieren wollen. Schon des Öfteren seien Razzien geplant gewesen - doch die Verbrecher seien zuvor immer gewarnt worden, hieß es. Die Ermittlungen wurden vor etwa einem Jahr eingeleitet, nachdem Beamte der Staatsanwaltschaft dort gefangen gehalten worden waren. 

"So eine Situation kann nicht toleriert werden, vor allem im Zentrum von Bogotá, ein paar Schritte vom Präsidentenpalast entfernt", erklärte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos.

Die Razzia in Bogotá im Video: 

kis