Nur Bio-Kühe haben es so gut wie die Milka-Kuh. Rinder aus herkömmlichen Betrieben können von fettem Gras nur träumen. In überfüllten Ställen wird ihnen Kraftfutter hingeworfen, eine Weide bekommen die meisten nicht zu sehen.
Dabei ist es das Gras, das die Milch wertvoll macht: Die Milch von Biokühen enthält daher bis zu 60 Prozent mehr gesunde Omega3-Fettsäuren. Diese können vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen, wie viele Studien gezeigt haben.
Ob dieser Qualitätsunterschied der Milch tatsächlich unsere Gesundheit verbessert, ist noch nicht eindeutig nachgewiesen. Untersuchungen legen jedoch nahe, dass die Säuren auch das Immunsystem stärken. Bekommen herkömmlich gehaltene Kühe viel frisches Gras oder Klee, enthält ihre Milch ebenso viele gute Omega3-Fettsäuren. Sie könnten also auch diese Milch kaufen. Leider lässt sich an der Verpackung nicht erkennen, welches Futter die Tiere bekommen. Daher liegen Sie mit Bio-Milch immer auf der sicheren Seite.
Ob Öko oder nicht - Milch wird während des gesamten Produktionsablaufs ständig kontrolliert. Giftige Rückstände und Überbleibsel von Arzneimitteln kommen in herkömmlich hergestellter Milch nur unterhalb der festgelegten Grenzwerte vor. Doch die Chemie-Reste sind da: Denn die Euter der Kühe entzünden sich schnell. Deshalb mischen die Bauern vorbeugend tagtäglich Antibiotika ins Futter. Diese Medikamente sollen die Entzündungen verhindern.
In Bio-Milch werden nur sehr selten Antibiotika nachgewiesen. Denn Biobäuerinnen versuchen es erstmal mit homöopathischen Mitteln und Pflanzenarzneien. Schlagen diese Substanzen nicht an, geben auch Biolandwirte ihren Tieren Antibiotika. Allerdings nur wenige Tage lang, bis die Entzündung verheilt ist. In diesem Zeitraum - und auch noch eine Weile danach - dürfen Biobauern ihre Milch nicht verkaufen. So sollen Arzneirückstände so gering wie möglich gehalten werden.
Bauern, die auf herkömmliche Art und Weise Kühe halten, geben ihren Tieren Hormone. So wollen die Landwirte den Zeitpunkt des Eisprungs kontrollieren - das ist wichtig, wenn der Bauer die Kuh künstlich besamen lassen will und einen festen Kalbtermin wünscht.
Biolandwirtinnen können einen solchen Eingriff nicht mit ihrem Naturverständnis vereinbaren und verzichten deshalb auf Hormone. Im übrigen sind aus demselben Grund auch gentechnisch veränderte Futtermittel in Biobetrieben verboten.
Andere Rückstände in der Milch können Biobauern hingegen nicht verhindern. Dazu gehören Dioxine, DDT oder Hexachlor-Benzol. Denn diese Gifte gelangen über Luft, Boden und Trinkwasser zu den Tieren und sammeln sich in ihrem Fettgewebe sowie in der Milch. Die Pegel dieser Substanzen sind bei Biomilch genauso hoch wie bei normaler Milch. Die festgelegten Höchstmengen werden dabei meist nicht überschritten.
Antje Helms