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Ratgeber Sexualität

So entstehen Männer, Frauen und alles dazwischen

Das biologische Geschlecht

Während mehrerer Schwangerschaftswochen produzieren die frühen Hoden des männlichen Embryos so viel Testosteron, dass die Hormonkonzentration der von erwachsenen Männern entspricht. Auch zwei bis vier Stunden nach der Geburt und im dritten Lebensmonat schütten die Hoden vermehrt männliche Hormone aus. Dagegen findet gibt es im weiblichen Embryo oder bei weiblichen Babies in dieser Zeit keine entsprechenden weiblichen Hormone. Unter dem Einfluss von Testosteron entstehen schon im Embryo die männlichen Geschlechtsorgane. Fehlen die männlichen Hormone, bilden sich die weiblichen Geschlechtsorgane.

Allein ein Penis oder eine Vagina machen aber noch keinen Mann oder Frau. Das zeigen zum Beispiel die Fälle, bei denen männliche Babies als Mädchen aufgezogen wurden, nachdem sie durch einen Unfall ihren Penis verloren hatten. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gingen einige Ärzte dazu über, bei einem solchen Baby auch die Hoden zu entfernen und durch Operationen eine künstliche Vagina herzustellen - bekannt ist der John/Joan-Fall. Die Kinder wurden von ihren Eltern von klein auf wie Mädchen behandelt und bekamen als Teenager zusätzlich weibliche Geschlechtshormone. Allein durch den sichtbar weiblichen Körper und die Erziehung, so dachten die Mediziner und Psychologen, würde sich ein solches Kind zur Frau entwickeln.

Das erwies sich aber als Irrtum. Wie man heute weiß, wirken die männlichen Hormone schon früh auf das Gehirn. Sie beeinflussen so die Geschlechtsidentität - das Gefühl ein Mann oder eine Frau zu sein. Die verunglückten Jungen, die als Mädchen aufwuchsen, entwickelten sich häufig zu so genannten Tomboys, also zu Mädchen, die die typischen, wilden Jungenspiele bevorzugen. Sie fühlten sich später häufig zu Frauen hingezogen. Ohne, dass sie verstanden warum, hatten einige von ihnen Gefühl, dass mit ihnen etwas nicht stimme - sie fühlten sich wie im falschen Körper.

Das Intersex-Syndrom kann viele Ursachen haben

Ein ähnliches Phänomen kennt man auch von Menschen, bei denen sich das Geschlecht nicht eindeutig entwickelt. Aus einer ganzen Reihe von Gründen kann es dazu kommen, dass ein neugeborenes Baby weder eindeutig weiblich oder männlich ist. Ein solches Intersex-Syndrom kann viele Ursachen haben. So kann es zum Beispiel sein, dass bei einem männlichen Embryo zwar die Hoden Testosteron ausschütten, aber der Rezeptor defekt ist, mit dem der Körper das Testosteron-Signal normalerweise wahrnimmt (Androgeninsuffizienz). Es kommt auch vor, dass eine Störung in der Hormonsynthese im weiblichen Embryo eine Überproduktion von männlichen Hormonen auslöst (adrenogenitales Syndrom). Die Folgen können sehr unterschiedlich sein. So kann zum Beispiel die Klitoris nur etwas vergrößert sein, oder aber es kann auch ein "Pseudopenis" entstehen.

Lange Zeit dachten Ärzte, es sei gut für solche intersexuellen Kinder, wenn möglichst rasch über das Geschlecht entschieden werde. Und da es leichter ist, durch eine Operation eine Vaginazu formen als einen Penis, wurden Menschen mit Intersex-Syndrom in der Vergangenheit häufig zu Mädchen umoperiert und ihnen dies verschwiegen. Inzwischen weiß man aber, dass das Gefühl für die eigene Geschlechtsidentität auf sehr komplexe Weise entsteht und zu einem Teil schon von Geburt an im Gehirn verankert sein kann. Durch eine Operation kann man es nicht ohne weiteres festlegen.

Männer und Frauen unterscheiden sich nicht nur durch Geschlechtsorgane, Körpergröße, Muskelmasse und Haarwuchs, auch in den Gehirnen gibt es leichte Unterschiede. Entsprechend ihrer Körpergröße haben Männer im Durchschnitt ein etwas größeres Gehirn. Darüber hinaus besitzen sie mehr Nervenzellen in der Großhirnrinde als Frauen - das wirkt sich aber nicht aus: Frauen und Männer schneiden bei Intelligenztests gleich gut ab. Bei Männern ist die "präoptische Region" größer als bei Frauen. Bei Tieren ist diese Region zuständig für den Sexualtrieb. Inwieweit sie beim Menschen eine Rolle spielt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Dafür sind bei Frauen bestimmte Bereiche des vorderen Großhirns stärker ausgeprägt. Dazu zählt zum Beispiel auch der Frontallappen, die Hirnregion, die direkt hinter unserer Stirn sitzt. Dieser Hirnbereich sorgt dafür, dass wir unsere Handlungen planen und Probleme lösen können. Das alles sind aber nur geringe Unterschiede, die noch sehr umstritten sind und die man nicht in allen Fällen findet.

 
 
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