Frauen können nicht einparken, Männer können nicht zuhören. Solche Vereinfachungen bestimmen häufig unsere Vorstellung davon, was typisch weiblich oder männlich ist. Doch obwohl uns die Unterschiede als groß und von Geburt an festgelegt erscheinen, wird vieles von den Erwartungen der Gesellschaft erst erzeugt oder zumindest verstärkt.
Viele Eltern berichten, dass ihre kleinen Jungen partout mit Autos und Pistolen spielen wollen, Mädchen dagegen lieber den Puppenwagen schieben. Immer wieder hört man, dies geschehe allein durch den Antrieb der Kinder. Allerdings ist schwer nachzuweisen, ob die unterschiedlichen Vorlieben wirklich auf angeborenen Unterschieden im Gehirn beruhen oder nicht doch durch unbewusste Prägung entstehen. Menschen behandeln Babys vom ersten Tag je nach Geschlecht anders, auch wenn ihnen das nicht bewusst ist. Das spätere typische Rollenverhalten kommt auch auf diese Weise zustande. So kann man durch Experimente zeigen, dass Kleinkinder besonders jene Spielzeuge bevorzugen, die ihnen als passend für ihr Geschlecht suggeriert werden - auch wenn sie es eigentlich nicht sind.
Die Entwicklung setzt sich in der Schule fort. Lehrer reagieren auf Jungen anders als auf Mädchen. Zudem spielen Jungen und Mädchen meist getrennt. Mädchen haben zwar im Durchschnitt die besseren Schulnoten, Jungen sind tendenziell aber erfolgreicher in Mathematik und Physik. Allerdings ist die Begabung für Mathe im Kindesalter nur geringfügig stärker ausgeprägt, die Unterschiede werden erst ab der Pubertät deutlicher. Psychologen von der Universität von Arizona haben nachgewiesen, dass Frauen ihre Schwierigkeiten bei Matheaufgaben plötzlich überwinden, wenn sie glauben, einfach nur ein Problem zu lösen und ihnen die mathematische Natur der Aufgabe nicht bewusst ist. Ebenfalls verschwanden die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, als die Psychologen die Frauen zuvor eingehend darüber aufklärten, dass ihnen vielleicht nur ihr Selbstverständnis als Frau bei den Matheaufgaben im Weg steht.