Kliniken verzeichnen deutlich mehr Anfragen zu Brustkrebsrisiken

8. Juni 2013, 17:16 Uhr

Wegen Fällen von Brustkrebs in der Familie ließ sich Angelina Jolie vorsorglich die Brüste entfernen. Auch Frauen in Deutschland sind jetzt besorgt: In vielen Kliniken gibt es mehr Nachfragen.

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Mit einem Artikel in der New York Times brachte Angelina Jolie das Thema Brustkrebsvorsorge auf die Nachrichtenagenda©

Auch wenn sich Hollywood-Schauspielerin Angelina Jolie, 38, jüngst bei einer Filmpremiere strahlend wie eh und je zeigte: Dass sie sich aus Angst vor Brustkrebs vorsorglich die Brüste entfernen ließ, hat offenbar in Deutschland bei vielen Frauen Ängste geschürt. In vielen Kliniken sind die Telefone nicht mehr still, Beratungstermine sind für Monate ausgebucht. "Wir sind regelrecht platt gemacht worden", sagte eine Mitarbeiterin der Uniklinik München. Eine Welle der Hysterie, wie sie Experten unmittelbar nach Bekanntwerden des Falls befürchtet hatten, gebe es aber nicht.

An der Berliner Charité seien seit Jolies öffentlichem Bekenntnis Anfang Mai so viele Anfragen eingegangen wie zuvor im gesamten ersten Quartal, sagte die Gynäkologin Dorothee Speiser. Knapp 180 Frauen wollten zum Beispiel wissen, ob bei ihnen ebenfalls ein hohes Brustkrebsrisiko bestehe, ob Gentests möglich sind oder ob eine Brustentfernung bei ihnen notwendig sei. Bei einem Großteil der Frauen handele es sich um Hochrisikopatienten: Sie hätten in direkter Verwandtschaft mehrere Fälle von Brustkrebs.

Jolie hatte ihre Entscheidung zur Amputation mit dem mutierten BRCA1-Gen in ihrer Familie begründet. Dieses erhöht das Krebsrisiko erheblich. Von einer familiären Häufung seien aber nur fünf Prozent der weiblichen Bevölkerung betroffen, sagte Susanne Volpers von der "Frauenselbsthilfe nach Krebs". Vor einem Gentest sollten sich Frauen gut informieren und sich fragen, ob sie das Ergebnis überhaupt wissen wollen. Liegt eine Genmutation vor, sei es statt einer Amputation auch möglich, sich regelmäßig untersuchen zu lassen.

"Es ist wichtig Ruhe zu bewahren", sagte die Leiterin des Dresdner Brustzentrums, Pauline Wimberger. "Nicht jeder, der Krebs in der Familie hat, hat diesen Gen-Defekt." Und nicht jede, die eine Mutation habe, müsse sich die Brüste abnehmen lassen. Die Brustentfernung sei ein radikaler Schritt, sagte auch Dorothee Speiser von der Charité. Dort werde eine solche OP etwa 20 Mal jährlich vorgenommen. Das Düsseldorfer Uniklinikum konnte in jüngster Zeit schon feststellen, dass durch das Vorbild Jolie mehr Patientinnen mit hohem Risiko eine Brustentfernung durchführen lassen.

Mehr Anfragen und Personalknappheiten

An vielen weiteren Unikliniken und Brustzentren haben sich die Anfragen in jüngster Zeit verdoppelt bis vervierfacht. In Dresden hätten sich die Zahlen pro Tag "im Schnitt um das Fünffache erhöht, an Spitzentagen sogar um das Zehnfache", sagte Pauline Wimberger. Das Uniklinikum Leipzig hat seit der Berichterstattung über Jolies Entscheidung mehr als 80 Anfragen erhalten. Normal waren bisher zwei bis drei pro Woche.

Die Nachfrage stellt die Kliniken vor organisatorische Schwierigkeiten: Am Hannoveraner Zentrum für Brust- und Eierstockkrebs seien frühere Kollegen für die Beratung zurückgeholt worden. Am Uniklinikum Ulm suche man gerade nach Möglichekiten, die vorhandenen Kapazitäten aufzustocken, sagte der Direktor der Frauenklinik, Wolfgang Janni. Es sei aber schwierig, Personal mit entsprechender Fachkenntnis zu finden.

Zusätzlich leisten die Kliniken auch am Telefon viel Aufklärungs- und Beruhigungsarbeit. Der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg klärt anhand einer Checkliste darüber auf, ob man sich untersuchen lassen solle.

Beim Frauenarzt werde Brustkrebs nun ebenfalls verstärkt thematisiert, sagte Christian Albering vom Berufsverband der Frauenärzte. Frauen würden jetzt erstmals überhaupt über familiäre Erkrankungen sprechen und Beratungs- und Früherkennungsangebote wahrnehmen. Von Panik sei aber nichts zu spüren.

ono/DPA
 
 
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