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Wann muss ich abnehmen?

Ein paar Kilo schlanker – das fühlt sich einfach gut an. Daneben hat Abnehmen aber auch medizinische Aspekte: Es kann vor Krankheiten schützen. Ab welchen Werten ist ein Gewichtsverlust sinnvoll?

  Mithilfe eines Maßbandes lässt sich der Bauchumfang messen. Der Wert gibt Aufschluss über ungesundes Übergewicht.

Mithilfe eines Maßbandes lässt sich der Bauchumfang messen. Der Wert gibt Aufschluss über ungesundes Übergewicht.

Body-Mass-Index

Der Body-Mass-Index, kurz BMI, galt lange Zeit als universeller Gradmesser für Übergewicht. Er errechnet sich aus dem Körpergewicht, das durch die Körpergröße im Quadrat geteilt wird. Der Betrag soll angeben, wie es um das Gewicht bestellt ist: Zahlen zwischen 18,5 und 24,9 deuten auf ein normales Gewicht, niedrigere Werte auf Untergewicht, höhere auf Übergewicht.

Allerdings sind Größe und Gewicht allein nicht aussagekräftig genug. Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskelmasse. Zudem lässt er die körperliche Fitness und die Fettverteilung außen vor – zwei Parameter, die eine wichtige Rolle für die Gesundheit spielen. Neuere Forschung zeigt, dass das Bauchfett schädlicher ist als das Fett an der Hüfte: Es produziert schädliche Botenstoffe und erhöht das Risiko für Diabetes und Gefäßablagerungen. Diese wiederum begünstigen Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Der BMI kann daher nur ein grober Richtwert sein. Über den Gesundheitszustand sagt er zu wenig aus. Dies belegt auch eine Beobachtungsstudie aus England an 22 000 Frauen und Männern. Die Forscher teilten sie in zwei Gruppen auf: Personen mit gesundem Stoffwechsel und solche, die nach Ansicht der Forscher stoffwechselkrank waren. Dann berechneten sie den BMI der Teilnehmer. Das Ergebnis war bemerkenswert: Immerhin 22 Prozent der Adipösen besaßen einen gesunden Stoffwechsel, während 25 Prozent der schlankeren Teilnehmer als stoffwechselkrank eingestuft wurden. Außer dem BMI sollten deshalb weitere Parameter berücksichtigt werden, raten Experten, beispielsweise der Bauchumfang.

Bauchumfang

Als guter Indikator für ungesundes Übergewicht hat sich der Taillenumfang erwiesen. Anders als der BMI berücksichtigt er die Menge des Bauchfetts. Fettdepots an dieser Stelle gelten als das eigentliche Gesundheitsproblem, insbesondere wenn es sich zwischen den Organen ansammelt: Das viszerale Fett arbeitet als Drüse und setzt Entzündungsbotenstoffe frei. Auf diese Weise begünstigt es Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Leiden.

Der Bauchumfang lässt sich mithilfe eines Meterbands bestimmen: Dafür das Maßband am obersten Punkt des Hüftknochens waagerecht anlegen und den Bauch entspannt lassen. Bei Frauen sollte der Wert nicht mehr als 80 Zentimeter betragen, bei Männern nicht mehr als 94 Zentimeter. Liegt der Bauchumfang bei Frauen über 88 Zentimetern und bei Männern über 102 Zentimetern, ist das Krankheitsrisiko stark erhöht. Mediziner sprechen dann von einer abdominalen Adipositas.

Taille-Hüft-Verhältnis

Mediziner unterscheiden zwei Fettverteilungstypen: Menschen vom "Apfeltyp" haben einen rundlichen Bauch und einen stämmigen Oberkörper, während der Unterkörper vergleichsweise schlank erscheint. Diese Körperfettverteilung tritt häufig bei Männern auf. Menschen des "Birnentyps" speichern das Fett dagegen vornehmlich an Po und Oberschenkeln. Sie haben eine breite Hüfte und eine vergleichsweise schlanke Taille. Dieser Typ ist unter Frauen weit verbreitet.

Welche Verteilung vorliegt, kann anhand der Waist-to-Hip-Ratio, kurz WHR, bestimmt werden: Sie errechnet sich aus dem Taillenumfang, der durch den Hüftumfang geteilt wird. Gemessen wird jeweils am höchsten Punkt des Hüftknochens und an der dicksten Stelle der Hüfte. Je größer der Quotient, umso mehr Fett sitzt am Bauch – und desto höher ist nach Ansicht vieler Experten das Gesundheitsrisiko.

Ab einem Wert von 0,85 bei Frauen und 1,0 bei Männern sprechen Mediziner von einer bauchbetonten Adipositas. Diese gilt als besonders schädlich. Denn das Fett, das im Bauchraum sitzt, arbeitet als Hormondrüse, führt zu Gefäßablagerungen und erhöht somit das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle (siehe Abschnitt Bauchumfang). Menschen, die dem Birnentyp zugeordnet werden können, scheinen dagegen eher im Vorteil zu sein: Experten halten das Fett an Po und Hüfte für weniger schädlich, da es den Stoffwechsel kaum beeinflusst.

Nach Einschätzung der Deutschen Adipositas Gesellschaft e.V. (DAG) reicht der Bauchumfang aus, um das persönliche Gesundheitsrisiko abzuschätzen. Zudem lässt er sich leichter als der WHR ermitteln.

Fettleber?

Der Körper kann überschüssige Energie nicht unbegrenzt abspeichern – irgendwann ist die Kapazität der Fettzellen unter der Haut erschöpft. Dann beginnt er, Fett an alternativen Orten einzulagern. Er nutzt dabei Gewebe, das ursprünglich nicht als Fettspeicher vorgesehen war, etwa die Leber. Diese Depots werden als "verirrtes" oder ektopes Fett bezeichnet.

Von einer Fettleber bekommen Betroffene selten etwas mit. Sie äußert sich – wenn überhaupt – durch unspezifische Symptome wie Müdigkeit oder ein Drücken im rechten Oberbauch. Da es derzeit kein allgemeines Screening gibt, stellen Ärzte die Diagnose meist zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung.

Bestimmte Indizien deuten allerdings auf eine Fettleber hin: So sind Menschen mit hohem BMI besonders häufig betroffen. Fett, das sich rund um den Bauch ansammelt, ist ebenfalls ein Risikofaktor – selbst bei an sich schlanken Menschen. Der Grund: Das Bauchfett produziert Entzündungsbotenstoffe, die über einen Zwischenschritt dazu führen, dass der Körper freie Fettsäuren in der Leber einlagert.

Eine genaue Diagnose kann nur ein Arzt stellen. Anhand des Fettleber-Indexes (FLI) lässt sich abschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Fettleber ist. Er errechnet sich aus vier Messwerten: BMI, Bauchumfang, dem Leberlaborwert GGT und dem Triglyceridspiegel. "In Kombination mit einer Ultraschalluntersuchung hat der FLI eine gute Aussagekraft", erklärt der Ernährungswissenschaftler Nicolai Worm.

Ektopes Fett ist an sich keine Erkrankung, kann aber zu Folgeschäden führen: Das Gewebe kann sich entzünden, vernarben, mitunter entsteht eine Zirrhose. In sehr seltenen Fällen bilden sich Tumore. Zudem erhöht eine Fettleber das Risiko für Diabetes, da sie vermehrt Glukose ins Blut abgibt. Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass ektopes Fett das eigentliche metabolische Risiko darstellt – weniger das Übergewicht an sich.

Da Übergewichtige besonders häufig eine Fettleber entwickeln, rät Andreas Geier, Leiter des Leberzentrums Würzburg, zu einer Gewichtsabnahme. Dadurch sei eine komplette Rückbildung möglich. "Ab etwa drei bis fünf Prozent Gewichtsverlust verschwindet das Fett wieder aus der Leber, ab sieben bis zehn Prozent können sich auch mögliche Entzündungen zurückbilden", so der Experte. Eine 80 Kilogramm schwere, übergewichtige Person müsste demnach zwischen zweieinhalb und acht Kilogramm abnehmen, um von diesen Effekten zu profitieren.

Diabetes

Generell begünstigt Übergewicht, besonders Bauchfett, Typ-2-Diabetes. Vor allem der Taillenumfang gibt laut dem Helmholtz Zentrum München Aufschluss über das Erkrankungsrisiko: So haben Männer mit bauchbetontem Übergewicht ein dreimal höheres Risiko als Männer mit einem Taillenumfang im Normalbereich.

Durch Übergewicht und einen ungesunden Lebensstil kommt es zu einer sogenannten Insulinresistenz, und der Körper hat Probleme, den Zucker aus dem Blut in die Zellen zu befördern. Um der Lage Herr zu werden produziert die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin, was sie auf Dauer überlastet und schädigt und zu Typ-2-Diabetes führt.

In diesem Prozess kommt dem Bauchfett und der Leber eine Schlüsselrolle zu: Wenn das Fettgewebe unempfindlicher für Insulin wird, setzt es verstärkt Fettsäuren frei. Diese wandern größtenteils in die Leber, wo sie zu Triglyceriden umgebaut und gespeichert werden. Die so entstehende Fettleber befeuert ihrerseits Insulinresistenz und Übergewicht – ein Teufelskreis.

Das Helmholtz Zentrum München empfiehlt daher, die Blutzuckerwerte überprüfen zu lassen. Der Arzt kann routinemäßig morgens den Nüchternblutzucker bestimmen. Der Wert sollte unter 100 mg/dl liegen.

Bluthochdruck

Übergewichtige Menschen laufen eher Gefahr, einen hohen Blutdruck zu entwickeln. Mediziner sprechen ab Werten von 140 zu 90 mmHg von einer Hypertonie. Sie schädigt auf Dauer wichtige Organe wie Herz, Gehirn und Nieren und erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Der Deutschen Hochdruckliga (DHL) zufolge ist jedoch weniger das Körpergewicht, sondern der Fettverteilungstyp entscheidend: Menschen mit bauchbetontem Übergewicht entwickeln häufiger Hochdruck und Herzleiden als Personen, deren Fett sich vorwiegend an der Hüfte sammelt. Die Experten haben den Taillenumfang deshalb in ihre Leitlinien aufgenommen. Kritisch sind demnach Werte ab 102 Zentimetern bei Männern und 88 Zentimetern bei Frauen.

Nach Angaben der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) können Übergewichtige den Blutdruck senken, indem sie abnehmen – und dabei zählt offenbar jedes Pfund. Bereits ein Kilogramm Gewichtsabnahme verringert den systolischen Blutdruck um 1,1 und den diastolischen Blutdruck um 0,9 mmHG.

Cholesterin

Übergewicht hängt eng mit Störungen des Fettstoffwechsels zusammen. Dabei kommt der Leber offenbar eine Schlüsselrolle zu: Ist sie zu fett, schleust sie Triglyceride ins Blut und unterdrückt die Bildung des guten HDL-Cholesterins. Zudem verschlechtert sich die Qualität des LDL-Cholesterins, die Partikel werden kleiner und dichter, was eine Gefäßverkalkung vorantreiben kann.

Eine Gewichtsreduktion steuert diesem Prozess entgegen: Übergewichtige, die fünf bis zehn Kilogramm abnehmen, reduzieren Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin und auch den Triglyceridspiegel. Gleichzeitig erhöht sich das gesunde HDL-Cholesterin.

Gelenke

Jährlich werden in Deutschland fast 300.000 künstliche Gelenke eingesetzt. Einige dieser Eingriffe könnten durch rechtzeitiges Abnehmen verhindert werden. Jedes Pfund belastet die Knie beim Gehen mit dem vierfachen Druck.

Zusätzlich produziert das Körperfett Hormone, die Gelenke schädigen und Entzündungen verursachen. Übergewicht ist daher neben dem Alter der wichtigste Risikofaktor für Arthrose, einer fortschreitenden Schädigung der Gelenkknorpel.

"Abgenutzter Knorpel ist ein für allemal verschwunden", erklärt Johannes Flechtenmacher, Präsident des Berufsverbandes für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). "Der Körper ist nicht in der Lage, ihn zu reparieren oder zu ersetzen." Er rät übergewichtigen Menschen daher, so früh wie möglich abzunehmen – und zwar bevor die ersten Symptome auftreten.

Laut Flechtenmacher zählt jedes abgenommene Pfund: "Wer drei Kilogramm verliert, entlastet seine Knie beim Gehen um zwölf Kilo." Bewegung helfe, einem weiteren Verschleiß vorzubeugen.




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