Wer lange lebt, ist oft schwer krank

14. Dezember 2012, 13:58 Uhr

Mehr als ein Jahrzehnt leben die Menschen heute länger als noch vor rund 40 Jahren. Doch diese gewonnenen Jahre gehen oft mit schweren Krankheiten wie Krebs oder Herzproblemen am Lebensende einher.

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6,3 Millionen Menschen starben 2010 an den Folgen des Rauchens©

Mit einer großangelegten, weltweiten Gesundheitsstudie, die am Donnerstag in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht wurde, fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Lebenserwartung der Menschen nur im südlichen Afrika sank.

Im Jahr 2010 war die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes laut der Studie 11,1 Jahre höher als noch 1970. Für Frauen stieg die Lebenserwartung sogar um 12,1 Jahre. Zugleich sterben immer mehr Menschen an nicht-ansteckenden Krankheiten wie Krebs oder Herzproblemen, die in erster Linie ältere Menschen treffen.

"In den vergangenen 20 Jahren haben wir eine rund fünf Jahre höhere Lebenserwartung gezählt, aber nur rund vier Jahre als gesunde Lebenserwartung", berichtete Josh Salomon von der Harvard School of Public Health in den USA, der als Forscher an der Studie teilnahm. Das bedeute, dass das Leben im Durchschnitt um vier gesunde Jahre und ein Jahr mit Krankheiten verlängert werde.

Neue Belastungen für die Gesundheitssysteme

Die Autoren der insgesamt sieben ausgewerteten Untersuchungen riefen zu einer veränderten Gesundheitspolitik auf, bei der es darum gehen müsse, Menschen nicht nur länger am Leben, sondern auch gesund zu halten. "Gesundheit ist mehr, als nur den Tod zu vermeiden", schrieben Alan Lopez und Theo Vos von der australischen Universität Queensland. Durch die gestiegene Lebenserwartung und das neue Krankheitsbild kommen auf die Gesundheitssysteme neue Belastungen zu.

Mit Ausnahme vom südlichen Afrika zeigt die Studie eine klare Entwicklung weg von traditionellen Gesundheitsbelastungen durch Unterernährung, ansteckende Krankheiten oder Geburtskomplikationen hin zu nicht-ansteckenden Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Herzproblemen. Der Studie zufolge waren letztere weltweit für fast zwei von drei Todesfällen im Jahr 2010 verantwortlich - 1990 ging nur jeder zweite Todesfall auf sie zurück. Allein an Krebs starben 2010 acht Millionen Menschen und damit 38 Prozent mehr als 1990.

"Das große Thema ist der weltweite Wandel von Risiken, die wirklich mit Armut zusammenhängen, hin zu Risiken, die mit einer Reihe nicht-ansteckender Krankheiten und dem Lebenswandel der Menschen zu tun haben", sagte Studienleiter Christopher Murray von der University of Washington.

Gefahren durch Bluthochdruck, Rauchen und Alkohol

Denn die Todesursachen stehen laut der Studie zunehmend im Zusammenhang mit einem ungesunden Lebenswandel: An der Spitze standen 2010 Bluthochdruck (9,4 Millionen Tote) sowie die Folgen des Rauchens (6,3 Millionen Tote) und übermäßiger Alkoholkonsum (fünf Millionen Tote). Ungesunde Ernährung und ein Mangel an Bewegung werden für insgesamt rund 12,5 Millionen Todesfälle verantwortlich gemacht.

Anders als im weltweiten Schnitt sank im südlichen Afrika die Lebenserwartung: Bei Männern ging sie zwischen 1970 und 2010 um 1,3 Jahre, bei Frauen um 0,9 Jahre zurück. Grund ist in erster Linie die Immunschwächekrankheit Aids.

Die großangelegte Untersuchung ist das Werk von fast 500 Autoren aus 50 Ländern, die Daten aus wissenschaftlichen Studien, Autopsieberichten, Krankenhausberichten und Bevölkerungsstatistiken auswerteten. So wurden 291 Krankheiten und Verletzungsarten in 187 Ländern erfasst.

ger/AFP
 
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