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9. Juni 2010, 13:19 Uhr

"Dahin schauen, wo noch nichts geprüft wird"

Er ist bald Deutschlands oberster Medizin-Prüfer und sitzt auf einem heißen Stuhl: Jürgen Windeler wird Chef des Kölner Instituts Iqwig, das zuletzt unter permantem Beschuss der Pharma-Lobby stand. Was Windeler bei dem Institut ändern will, erzählte er dem stern.

Jürgen Windeler, Krankenkasse, IQWiG, Medizin, Medikamente

Der neue Chef des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit, Jürgen Windeler© Picture-Alliance

Unter seinem neuen Chef steht das Kölner Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (Iqwig) vor einer Neuausrichtung: Der Arzt Jürgen Windeler wird das Arzneitmittel-Prüfinstitut ab September leiten und erzählt in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern von seinen Plänen. Er könne sich vorstellen, "dass sich das Institut in Zukunft mehr mit nichtmedikamentösen Methoden und Produkten befassen wird".

Konkret nennt Windeler, der den Spitzenverband der Krankenkassen mit ärztlicher Expertise berät, das Feld der Medizinprodukte. Dazu gehören zum Beispiel Hüftprothesen oder Herzschrittmacher. In diesem Bereich gebe es "noch nicht mal eine Erstbewertung, wie sie durch das Arzneimittelzulassungsverfahren für Medikamente besteht. Medizinprodukte brauchen keine Zulassung, sie müssen weder Wirksamkeit noch Sicherheit belegen. Wir müssen also auch dahin schauen, wo noch gar nichts geprüft wird", sagte Windeler dem stern.

Unter dem bisherigen Iqwig-Leiter, dem Diabetes-Experten Peter Sawicki, war das Institut vor allem durch Arzneimittel-Bewertungen aufgefallen. Prominentes Beispiel war ein kritisches Gutachten mit dem Fazit, dass Typ-2-Diabetiker keine Vorteile durch teure Insulin-Analogpräparate hätten, verglichen mit Humaninsulin.

Der künftige Chef gilt als ausgewiesener Experte für die Interpretation medizinischer Studien und will Anbietern medizinischer Leistung genau auf die Finger sehen, wenn es um die Frage geht, was die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen sollen: Windeler will dazu beitragen, "dass Entscheidungen zugunsten der besten Verfahren ausfallen und nicht zugunsten der am lautesten beworbenen".

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Lesen Sie ... ... das komplette Interview im neuen stern

 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
schorn (11.06.2010, 16:44 Uhr)
Sträfliche Behauptung zu Medizinprodukten
Seit 1995 gibt es in der EU und in Deutschland sehr hohe rechtliche Anforderungen an die Erfüllung der Zweckbestimmung und Sicherheit von Medizinprodukten, die mit denen der Arzneimittel vergleichbar sind (entspricht Arzneimittel- Zulassung) . Patientensicherheit incl. Risikoabwehr haben EU-weit sehr hohe Priorität. Dies zur Beruhigung von Benutzern von Medizinprodukten und zur Information des zukünftigen Chefs des IQWiG, der dies eigentlich schon längst wissen sollte.
LaoLu (11.06.2010, 00:32 Uhr)
Sehen Sie, paku, funktioniert doch schon.
Sicher ist die Überprüfung neben wirkungsfreier Methoden ('tschuldigung, konnte ich mir jetzt nicht verkneifen) eine wichtige Sache.

Aber das, was das Iqwig unter der Sawickis Leitung betrieben hat, ist, zumindestens im Moment, viel wichtiger:

Der Pharmaindustrie auf die raffgierigen Finger zu hauen.
paku (10.06.2010, 21:08 Uhr)
ich denke, herr windeler hat hier eine sehr mutige aufgabe übernommen. ich kann das nur begrüssen. es gibt nebenwirkungsfreie methoden, wie zum beispiel die hochtontherapie, die dem menschen besser helfen als medikamente, die nur momentan für abhilfe sorgen, aber gravierende nebenwirkungen zur folge haben.
LaoLu (10.06.2010, 01:02 Uhr)
Doch, doch, das ist der richtige Weg!
Schnell in eine andere Richtung.

Eigentlich egal, wohin.

Bloß weg von dem Weg, auf dem Peter Sawicki der Pharmaindustrie immer auf die Hühneraugen getreten ist.
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