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19. März 2010, 15:49 Uhr

Jährlich 1900 Tote durch Radon in Gebäuden

Die Zahl ist dramatisch: Rund 1900 Menschen sterben alljährlich in Deutschland durch Radon. Das radioaktive Gas dringt aus dem Erdreich in Innenräume ein, siedelt sich dort an und löst Lungenkrebs aus. Forscher drängen darauf, Gebäude schnellstens radonsicher zu machen.

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Langzeit-Radon-Messung in Wohnräumen: Das radioaktive Gas ist noch gefährlicher als bisher gedacht© picture-alliance

Das radioaktive Gas Radon ist einer Studie zufolge gefährlicher als bisher bekannt. Fast 1900 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland, weil sie in Gebäuden das Gas einatmen. Zu diesem Ergebnis kommen Erlanger Umweltmediziner nach einer Auswertung weltweiter Studien zu Fragen der Radon-Belastung. Etwa fünf Prozent aller Lungenkrebs-Todesfälle in Deutschland gehen auf das Konto einer erhöhten Radon-Belastung, schreiben die Forscher in einem Beitrag für das "Deutsche Ärzteblatt" vom Freitag.

"Radon ist damit nach dem Zigarettenrauchen die zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebserkrankungen", betonten die Wissenschaftler. Selbst Asbest und sogenannte polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe stellten ein geringeres Lungenkrebsrisiko dar. Die Radon-Belastung sollte daher in Innenräumen 100 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft nicht übersteigen, fordern Klaus Schmid und Hans Drexler vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Uni Erlangen in ihrem Beitrag. Unterstützt werden ihre Untersuchungen von Thorsten Kuwert von der Klinischen Nuklearmedizin der Uni.

Radonwerte innerhalb von Gebäuden generell höher

Radon-Gase gelangten in der Regel aus dem Untergrund in Gebäude und konzentrierten sich dort. Während etwa in der Außenluft Radonwerte zwischen 1 und 15 Becquerel pro Kubikmeter gemessen worden seien, liege die Konzentration in Innenräumen bei durchschnittlich 49 Becquerel. In 36 Prozent aller überprüften Gebäuden in Deutschland habe die Konzentration der Raumluft höher als 100 Becquerel gelegen, in 18 Prozent der Fälle höher als 200 Becquerel, berichten die Erlanger Umweltmediziner.

Wie stark die Belastung sei, hänge sowohl von der geologischen Beschaffenheit des Untergrunds als auch von der Bauweise und dem Luftaustausch im Gebäude ab. Wegen der unterschiedlichen geologischen Bedingungen sei auch die regionale Belastung verschieden hoch. Besonders groß sei die Radon-Belastung im Erzgebirge, in Teilen des bayerischen Alpen- und Voralpenraums, der Region nördlich von München und im südlichen Schwarzwald. Auf vergleichsweise geringe Radon-Konzentrationen seien Wissenschaftler im Rhein-Main-Gebiet, weiten Teilen Württembergs, in Brandenburg und in der norddeutschen Tiefebene gestoßen.

Nach Feststellungen der Mediziner wird die Bronchialschleimhaut beim Einatmen von radonbelasteter Luft einer starken Alpha-Strahlung ausgesetzt. Dies könne zu DNA-Schäden führen, wodurch wiederum Tumore verursacht werden könnten.

"Radonsichere" Neubauten gefordert

Als Konsequenz fordert das Forscher-Trio "radonsichere" Neubauten; die Radon-Belastung sollte dort unter 100 Becquerel liegen. Bei Sanierungen müssten Gebäudefundamente und Kellerwände besser abgedichtet werden, um ein Eindringen des radioaktiven Gases zu verhindern. In manchen Fällen könne auch das Absaugen des Gases unterhalb der Bodenplatte notwendig sein, empfehlen die Wissenschaftler.

"Obwohl die Vermeidung und die Verhinderung der Radon-Belastung in Innenräumen Teil eines Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit ist, konnte ein Radonschutzgesetz in Deutschland bisher nicht verabschiedet werden", bedauern die Umweltmediziner. In Deutschland gingen frühere aber überholte Schätzungen von jährlich rund 3000 Lungenkrebs-Todesfällen durch Radon aus.

DPA/APN
 
 
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