Gefährlich auch ohne Teer und Rauch

16. Dezember 2011, 18:14 Uhr

Die NRW-Gesundheitsministerin warnt vor E-Zigaretten: Diese seien gesundheitlich riskant und nicht zugelassen. Auch Krebsforscher raten von den künstlichen Glimmstängeln ab.

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Vorsicht! In E-Zigaretten wurden tabakspezifische Nitrosamine gefunden©

Nikotinhaltige E-Zigaretten sind offenbar keine unbedenkliche Alternative zur Kippe. Im Gegenteil: Elektronische Zigaretten sind gesundheitlich riskant und ihr Verkauf verboten - darauf wies am Freitag NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hin. "Was derzeit auf dem Markt ist, ist alles nicht zugelassen und nicht geprüft", sagte Steffens. Die bisher erhältlichen Flüssigsubstanzen, die sogenannten Liquids, enthielten so hohe Mengen an Nikotin, dass sie als Arzneimittel einzustufen seien - und damit unter das Arzneimittelgesetz fielen.

Rauchlose E-Zigaretten sind seit einiger Zeit vor allem über das Internet erhältlich. Bei der E-Zigarette verdampft eine oft nikotinhaltige Flüssigkeit, die der Raucher inhaliert. Im Gegensatz zur herkömmlichen Zigarette werden keine Substanzen verbrannt, der Nutzer nimmt keinen Teer auf. Die Geräte und Flüssigkeiten, die in unterschiedlichen Mischungen auf dem Markt sind, werden vor allem im Internet, aber auch in speziellen "E-Shops" angeboten.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchersatz sind allerdings noch kaum erforscht. Es gebe keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass E-Zigaretten ungefährlich seien, betonte Steffens. Die nächste Konferenz der Gesundheitsminister werde sich mit dem Thema befassen, die EU-Kommission plane eine Überprüfung der gesundheitlichen Folgen. Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte in Bonn hieß es, bei der Beurteilung der E-Zigaretten gebe es derzeit keine Grundsatzentscheidung.

"Nikotin ist ein Nervengift und ein Suchtmittel"

Dem Bundesinstitut, das für die Zulassung von Arzneimitteln zuständig ist, liegen mehrere Anträge von Landesbehörden vor, in denen es um die Überprüfung einzelner E-Zigaretten-Produkte geht. In einem ersten Fall sei eine E-Zigarette als zulassungspflichtiges Arzneimittel eingestuft worden, sagte ein Sprecher des Instituts. Dieses Produkt sei in Deutschland aber bisher nicht in den Verkehr gebracht worden.

"Bei der E-Zigarette wird Nikotin verdampft - und Nikotin wirkt pharmakologisch. Da liegt zunächst die Vermutung nahe, dass es sich um ein Arzneimittel handelt", so der Sprecher. Um das zu ermitteln, bedürfe es immer einer sorgfältigen Einzelfallentscheidung. Zu den Prüfkriterien gehört, wie hoch der Nikotinanteil ist oder welche Substanzen noch inhaliert werden.

Die Techniker Krankenkasse (TK) forderte Warnhinweise für die flüssigen Nikotinkonzentrate. "Nikotin ist ein Nervengift und ein Suchtmittel. Deshalb gehören Warnhinweise auf die Liquid-Fläschchen", sagte eine Sprecherin des NRW-Verbands. Es handele sich ganz klar nicht um ein "gesundes" Rauchen, wie es aufhörwilligen Rauchern gerne suggeriert werde. "Der Nikotinkonsum bei einer E-Zigarette ist mindestens genauso hoch wie beim herkömmlichen Glimmstängel."

Krebserzeugende Nitrosamine im Wasserdampf

Die chemische Zusammensetzung beim Rauchen der E-Zigaretten sind noch weitgehend unbekannt. Die amerikanische Regulierungsbehörde für Nahrungs- und Arzneimittel hatte in einigen Flüssigkeiten von E-Zigaretten tabakspezifische Nitrosamine gefunden, die auch in geringen Mengen krebserzeugend sind. Wegen der unklaren Datenlage könnten sich Verbraucher nicht darauf verlassen, dass E-Zigaretten gesundheitlich unbedenklich seien, erklärte Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

Das DKFZ rät davon ab, das Rauchen der elektronischen Glimmstängel zum Beispiel in Gaststätten oder am Arbeitsplatz zu erlauben. Es bestehe der begründete Verdacht, dass der beim Rauchen entstehende Dampf die Luft in Innenräumen belaste. Pötschke-Langer warnt: Wenn E-Zigaretten als harmloser Ersatz angesehen würden, könnten sie die Erfolge des Nichtraucherschutzes wieder zunichtemachen.

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