. .
Gesundheit - News und Ratgeber
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
27. November 2009, 10:59 Uhr

Müll trennen im Kopf

Unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen verrät ein verblüffend einfaches Rezept, um ein angeknackstes Selbstbewusstsein innerhalb von drei Sekunden zu stärken und zu heilen.

 
Eckart von Hirschhausen

Gedankenmüll haben wir alle im Kopf© Colourbox

Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind." Montesquieu

Mensch, der Montesquieu war schon ein verdammt guter Psychologe. So gern wir uns öffentlich für gute Autofahrer, Liebhaber und Bürger halten, so kritisch gehen wir mit uns im stillen Kämmerchen und im Hinterkopf zu Gericht. Ganz tief in ihrer Seele sind überraschend viele Menschen davon überzeugt, dass sie nicht von sich überzeugt sein dürfen. Sehr verbreitete Gedanken sind: "Ich bin nicht gut genug", und: "Wenn andere wüssten, wie ich wirklich denke und bin, wäre ich nicht liebenswert."

Wir neigen dazu, uns Dinge von innen an den Kopf zu werfen, die wir niemandem von außen durchgehen lassen würden. Aber weil diese Stimmen ja von "innen" kommen, halten wir sie voreilig für höhere Weisheit statt für das, was sie wirklich sind. Ein paar Stimmen unter vielen. Denn, Achtung!, hier kommt eine verblüffend einfache und erfrischend banale Erklärung, die Ihr angekratztes Selbstbewusstsein innerhalb von drei Sekunden stärken und heilen kann: Wir halten uns vor allem deshalb für schlechter als die anderen, weil wir von uns selbst mehr wissen als von den anderen.

Weil dieser Gedanke Ihre Stimmung und Glücksfähigkeit nachhaltig verändern kann, noch mal ganz leise und langsam:
1. Wenn ich gerade etwas sage, kann ich gleichzeitig denken: "Na ja, ganz so einfach ist es nicht. Hoffentlich merkt mein Gegenüber nicht, dass ich selbst daran Zweifel habe", oder gar: "Gestern hab ich noch was ganz anderes gesagt." Sich widersprechende Gedanken sind normal!
2. Von dem Mist, der uns den ganzen Tag durch den Kopf geht, bekommen wir 100 Prozent mit. Von jedem Hin und Her, von jeder Notlüge, von jeder Lust auf etwas Verbotenes, von jedem neidischen, gehässigen und notgeilen Gedanken sind wir selbst Zeuge.
3. Von dem, was die anderen an Mist im Kopf haben, bekommen wir nicht alles mit. Zum Glück! Wir bekommen mit, was die Doofes tun und aussprechen. Das aber sind vielleicht nur 50 Prozent von dem, was die selbst heimlich noch so Doofes gedacht haben.

Weil wir von unserem Gedankenmüll 100 Prozent mitbekommen, von dem der anderen aber nur 50, denken wir: Wir sind doppelt so zugemüllt wie die. Das sind wir aber nicht! Der Rechenfehler basiert schlicht auf der Tatsache, dass wir mit unserem Hirn enger verbunden sind als mit jedem anderen Hirn der Welt.

Gedankenlesen wäre ein Fluch

Wie viele Menschen träumen davon, die Gedanken von anderen lesen zu können! Dabei wäre die Gabe kein Segen, sondern ein Fluch. Das ist vergleichbar mit dem Problem der Geheimdienste, die Gespräche mitschneiden. Stundenlang, Megabites auf riesigen Festplatten, ein Datenheuhaufen, bei dem noch nicht mal klar ist, ob es eine Nadel gibt, für die sich die Suche lohnt. Wer soll sich das alles anhören?

Wir sind zwangsläufig unser eigener Geheimdienst, unsere eigenen Abhörer. Wir können den Gedankenstrom im Kopf schwer ausschalten. Dafür braucht es Hilfsmittel, wie Meditation oder Alkohol. Die gesunde Kunst des Glücklichseins besteht darin, was da so im Alltag durch den Kopf quakt, nicht allzu ernst zunehmen. Und sich auch nicht. Mit anderen Worten: Mach dich nicht kleiner als du bist, so groß bist du auch wieder nicht.

Übernommen aus ... GesundLeben GesundLeben
Ausgabe 06/2009

 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
crvnshkr (30.11.2009, 10:43 Uhr)
Dankeschön!
Nach längerer Zeit endlich wieder was Vernünftiges vom Arzt meines Vertrauens:

"Wir können den Gedankenstrom im Kopf schwer ausschalten. Dafür braucht es Hilfsmittel, wie Meditation oder Alkohol."

So was will ich auch mal von meinem Hausarzt hören! "Ach so, sie trinken keinen Alkohol. Na dann pfeifen Sie ich doch ne schöne Tüte rein! Hier, ich hab noch n Gramm in der Schublade. Dann klappt's auch mit dem Meditieren."
Fakten (29.11.2009, 03:44 Uhr)
Im Prinzip schon richtig - Jeder sollte sich selbst kontrollieren...
...und vom Ballast der Vergangenheit befreien koennen. Heisst aber nicht das man Nur Positiv Denken soll - oder etwa doch?
SpringbokCT (28.11.2009, 17:12 Uhr)
@Mermaid3011
Ob die Empfehlung von Dr. Hirschhausen bei Ihnen auch funktioniert kann ich mir aber nicht vorstellen, in Kanada ist doch immer alles anders. Wenn in Buffalo im Sommer die Sonne scheint, schneit es doch in Toronto, oder? Noch ein Unterschied: In Europa werden Fenster z.B. zeitweise zum Lüften geöffnet, in Kanada nie.
SpringbokCT (28.11.2009, 16:24 Uhr)
@Echolot
Es sind sich auch keine Megabits, Megabytes oder Kilometers, sondern Megabit, Megabyte und Kilometer, auch wenn es mehrere Kilometer sind.. Die Mehrzahl ist bereits in den Vorsätze für die Maßeinheit ausgedrückt. Um den Fehler zu umgegehen müsste man also auch Waschpulver statt "Megaperls" benutzen.

Das einfache Rezept von Dr. Hirschhausen ist nur zu bestätigen, super. Es hat auch übrigens damit zu tun, warum man in einem Dialog den Gegenüber mehr reden läßt wie man selber spricht.

Mermaid3011 (28.11.2009, 16:05 Uhr)
Grossartig!
Danke für den erfrischenden Beitrag! Das ist genau das, was ich am Ende dieser Woche hören musste! Übrigens ist dieses Mülltrennungsphänomen ein ganz Internationales - das funktioniert hier in Kanada genauso wie in Deutschland! :o)
Echolot (28.11.2009, 14:43 Uhr)
Genial
Wirklich, ein genialer Beitrag bei dem Schmunzeln und Nachdenken Hand in Hand geht! Eine Kleinigkeit, ohne jetzt allzu pedantisch wirken zu wollen, aber es sind entweder Megabits oder Megabytes - aber Megabites ganz sicher nicht, ausser jemand beisst da ganz megamässig... ;-)
klabautermann79 (28.11.2009, 14:30 Uhr)
Montesquieu
Da hat der gute Mann wohl Recht. Werde mir das das nächste mal in Erinnerung rufen. Und wehe, das hilft nicht! ;)
Sprechstunde

Die etwas andere Medizinkolumne: Egal ob Inline-Skaten, Weintrinken oder den inneren Schweinehund überwinden - unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen nimmt kein Blatt vor den Mund

WEITERE ARTIKEL DER KOLUMNE
MEHR ZUM ARTIKEL
Eckart von Hirschhausen Impfen für die anderen

Er ist einer der erfolgreichsten Kabarettisten Deutschlands - und Arzt. Im Gespräch mit stern.de verrät Eckart von Hirschhausen, warum er sich gegen die Schweinegrippe impfen lässt und wo in der Krise das Glück liegt. mehr...

Sprechstunde Humor ist, wenn man später kommt

Ohne seine sprunghafte Aufmerksamkeit wäre unser Hausarzt Dr. med. Eckart von Hirschhausen nie Komiker geworden. Und er würde nicht ständig "Last Minute" fliegen - oder mit offenen Schuhen vorm geschlossenen Schalter landen. mehr...

Eckart von Hirschhausen Warum Bewegung glücklich macht

Die deutsche Sprache braucht ein positives Gegenstück zum Teufelskreis, findet Eckart von Hirschhausen. Sein Vorschlag: Glücksspirale. Das Wort beschreibt die wunderbaren Erfahrungen von Menschen, die mit regelmäßigem Sport anfangen. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind