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27. November 2009, 10:28 Uhr

Stimmungskanönchen

Für ein Linsengericht verkaufte der hungrige Esau laut Bibel sein Erstgeburtsrecht. Das war zwar dumm, aber für den Moment verständlich. Denn Linsen sind nicht nur gesund, sie sorgen auch für gute Laune.

Linse, Gemüse, Biokiste

Linsen enthalten viel Eiweiß und sind reich an Mineralstoffen© Colourbox

Der Winter kann schrecklich sein: Wenn es draußen grau und neblig ist, wenn feuchte Kälte sich in die wärmste Jacke bohrt. Gerade solch trostlose Tage können aber auch herrliche Gefühle bereiten: wenn man in eine warme Stube kommt und ein dampfender Teller Linsensuppe mit knackigen Würstchen auf dem Tisch steht. So wie früher, bei Oma. "Lecker-Linsen" hat sie die bräunliche Pampe genannt, die optisch wenig her-, uns aber glücklich machte. Der Effekt entspringt möglicherweise nicht nur der schönen Erinnerung. Denn die in Linsen enthaltenen Kohlenhydrate sind so komplex aufgebaut, dass sie nur langsam verdaut werden, so den Blutzuckerspiegel über viele Stunden konstant hoch halten - und damit auch die Laune heben können.

Als Kinder hat uns der hohe Eiweiß- und Kohlenhydratgehalt der Linsen so wenig interessiert wie ihr Reichtum an Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium und Eisen. Wir kannten weder die würzigen schwarzen Beluga-Linsen noch die edlen Champagner-Linsen, erst recht nicht die zarten roten, die in der indischen Küche verwendet werden. Bei Oma kamen die rustikalen grünen Samen in den Topf, möglichst große Exemplare, "wir sind ja nicht bei armen Leuten". Dabei schmecken die kleinsten am besten: Sie haben einen höheren Schalenanteil, und die linsentypischen Aromastoffe befinden sich nun mal in der Schale.

Auch bei der Zubereitung machte Oma nach heutigem Kenntnisstand Fehler. Denn man sollte Linsen nicht salzen, bevor sie weich gekocht sind. Nur wenn die Salzkonzen-tration im Wasser niedriger ist als in den Linsen, strebt Flüssigkeit dort hinein. Auch der tradi-tionelle Schuss Essig darf erst am Ende zugefügt werden. Denn die in Linsen enthaltenen Pektine werden im Essigwasser viel langsamer weich. Eilige Köche geben deshalb eine Messerspitze Natron oder Backpulver ins Wasser - das entsäuert, und die Linsen garen schneller. Dass es auch ohne diese Tricks und Regeln funktioniert, hat Oma bewiesen. Sie kochte ihre Linsen mit Salz, Essig, Schmalz und viel Liebe. So wärmten sie nicht nur den Körper, sondern auch die Seele.

Omas Linsensuppe

Sättigender Eintopf für 4 Personen: 200 g Teller-linsen in 2 l Gemüsebrühe aufwallen lassen, dann abgedeckt 20 Min. köcheln. Inzwischen 4 große festkochende Kartoffeln schälen, fein würfeln, 4 große Möhren schälen, fein würfeln, 1/2 Staude Bleichsellerie entfädeln, in feine Scheiben schneiden. Alles unterrühren, noch 8-10 Min. köcheln, bis die Linsen weich sind. Mit 2 EL Rotweinessig, 1 EL oder mehr Salz und Pfeffer aus der Mühle nach Wunsch abschmecken. 4 Mettenden fein schneiden, in vier Teller geben, Linsensuppe darüberlöffeln, mit fein gehacktem Selleriegrün garniert servieren.

Übernommen aus ... GesundLeben GesundLeben
Ausgabe 06/2009

Anja Haegele
 
 
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