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27. Januar 2010, 15:06 Uhr

800.000 Deutsche sind kaufsüchtig

Das Verlangen beginnt schleichend, wird dann immer massiver. Am Ende kann die Kaufsucht einen Menschen in den finanziellen Ruin treiben. Laut einer aktuellen Studie sind rund vier Millionen Deutsche kaufsuchtgefährdet - und 800.000 betroffen.

Kaufsucht, Verhaltenssucht

Frauen sind häufiger von Kaufsucht betroffen als Männer© Colourbox

Beim Shopping erleben sie einen kurzen, aber intensiven Moment des Glücks: Rund 800.000 Menschen in Deutschland leiden unter Kaufsucht, wie die Techniker Krankenkasse (TK) Niedersachsen unter Berufung auf eine Untersuchung der Fachhochschule Ludwigshafen mitteilt. Kaufsuchtgefährdet seien rund vier Millionen Deutsche, also knapp fünf Prozent. Laut TK sind Frauen stärker betroffen als Männer, im Winter ist die Kaufsucht stärker ausgeprägt als im Sommer.

Befriedigen Männer die Sucht vor allem mit technischen Artikeln, wie Auto- oder Computerzubehör, so erwerben Frauen meist zwanghaft Kleidung, Schuhe oder Kosmetikartikel. Gekauft werden häufig Artikel, die sich die Betroffenen nicht leisten können oder die sie gar nicht brauchen.

Schweißausbrüche nach Kaufverbot

Der Einkauf wird für den Süchtigen ein Ersatz für Anerkennung oder Liebe, bis hin zum Partner. Oft geht die Kaufsucht mit Depressionen und Essstörungen einher. Die Konsequenzen aus der Krankheit, die lateinisch Oniomanie heißt, sind gravierend - nicht nur für den Kaufsüchtigen. Ganze Familien können zerstört werden durch Überschuldung, Insolvenz oder Abrutschen in die Kriminalität.

Wird das Kaufen verboten, stellen sich Herzrasen, Schweißausbrüche und innere Unruhe ein. Als Erste Hilfe empfiehlt die TK zum Beispiel, die Kreditkarten zurückzugeben, Outlet-Center zu meiden sowie den kompletten Garderoben- und Wohnungsbestand aufzuschreiben und die Liste immer bei sich zu tragen. Beim Warten in der Kassenschlange soll die Liste helfen, den überflüssigen Rasierapparat oder Seidenschal wieder ins Regal zu legen.

AFP
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
Euridike (29.01.2010, 16:46 Uhr)
Kann ich bestätigen
Ich kenne mehrere Leute aus meinem Freundeskreis, die an Kaufsucht leiden. Deren Lebensfreude besteht darin von Kaufevent zu Kaufevent zu "leben". Glücksmomente entstehen da nur, wenn wieder etwas gekauft werden konnte, auch wenn sie die Sachen danach in die Ecke legen. Das Verlangen, Dinge zu kaufen ersetzt in der realen Welt alle anderen immateriellen Wünsche. Es ist für Normalos nicht zu fassen!
Xennia (29.01.2010, 08:50 Uhr)
Viele Kaufsüchtige, viel Umsatz
Die Wurzeln für die Kaufsucht liegen in der Kindheit: Mangel an Zuwendung und Anerkennung, Mangel an Liebe und Geborgenheit. Betroffene mussten sich die Zuwendung der Eltern verdienen, durften Gefühle nicht frei äußern. Sie haben erlebt, dass sie als Person nicht wichtig sind. Als Entschädigung gab es sozusagen Spielzeug. Als Erwachsene haben sie nicht gelernt, sich selbst ein gesundes Selbstwertgefühl zu verschaffen. Die hohe Anzahl an Kaufsuchtgefährdeten zeigt, dass in vielen deutschen Familien noch immer zu wenig auf die Bedürfnisse der Kinder eingegangen wird. Aber unsere Industrie kann sich freuen: Viele Kaufsüchtig, viel Umsatz.
Antiphon (28.01.2010, 19:09 Uhr)
Wie dumm...
Dass in Oniomanie überhaupt kein lateinischers Wort drin vorkommt, aber zwei griechische Begriffe - und ich trotz dieses Wissens arbeitslos bin und jemand der so dumm ist und trotz mangelndem Wissen "lateinisch" schreibt (wohl um einen auf Klug zu machen) einen gesicherten Job hat. Aber Hartz IV macht faul, deswegen sind es ja die Klugen die sich in die ach so schöne Hängematte zurücklehnen.....
lummy (28.01.2010, 08:07 Uhr)
Wenn...
wundert es ?
Täglich wird man,egal auf welchen Fernsehprogrammen oder Radio mit tonnenweise Werbung vollgelabert.
Das da somancher diesem Schwachsinn nachgibt ist nicht verwunderlich.
nichtsfuerungut (27.01.2010, 18:57 Uhr)
Jetzt weiss ich endlich wie das heisst...
Oniomanie - kenne ich aus familiaerer Naehe.
Apart ist, wenn man nach ca. 1 Jahr erfaehrt, dass ueber 1000$ Schulden gemacht wurden um etwas zu "befriedigen", an das man sich nach ernsten und heiklen Diskussionen "nicht mehr erinnert". Kreditkarten einziehen - o.k. Aber die "Endloesung" sollte sein, dass man dem Betroffenen 1000$ am Monatsanfang in die Hand gibt, und sie am Ende des Monats noch vorhanden sind. - Kleptomanie scheint wohl die gleichen psychologischen "Eltern" zu haben?
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