Zur Schnupfen-Saison halten die Apotheken das ganze Arsenal chemischer Kampfstoffe bereit, das die Pharma-Industrie gegen Erkältungen erfunden hat. Dabei helfen Hausmittel genauso gut.

Viren weichen der Wärme: Eine Bettflasche hilft mehr als Sie denken© Colourbox.com
Sind Sie erkältet oder vergrippt, hat Ihr Abwehrsystem schwer zu tun. Sie können es unterstützen: mit viel Wärme, viel Schlaf, viel Flüssigkeit. Vitamin C in Obst und Gemüse ist gut, Sie sollten seine Wirkung aber nicht überschätzen.
Grundsätzlich gilt bei Erkältung und Grippe: Vermeiden Sie jegliche Art von Stress. Denn der fordert Ihrem Immunsystem zusätzlich einiges ab. Außerdem sollten Sie Ihre Stimme schonen und ans Rauchen gar nicht erst denken! Bleiben Sie bei starker Erkältung oder Grippe am besten im Bett und halten Sie sich warm. Im Schlaf ist Ihr Abwehrsystem besonders aktiv und kann die lästigen Eindringlinge schnell vertreiben. Wenn Sie Fieber gehabt haben, sollten Sie sich bis mindestens drei Tage nach dessen Abklingen schonen.
Wenn Sie stark verschleimt sind oder Fieber haben, sollten Sie unbedingt viel trinken. Bei 38 Grad Fieber benötigen Sie einen halben Liter Flüssigkeit zusätzlich. Steigt die Temperatur noch höher, braucht Ihr Körper bei jedem weiteren Grad einen ganzen Liter mehr Flüssigkeit. Leiden Sie zudem an Erbrechen und Durchfall, müssen Sie noch mehr trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
Sie sollten Wasser und heißen Tee bevorzugen, zum Beispiel Lindenblüten- oder Holunderblüten-Tee. Geben Sie zwei Teelöffel voll Blüten in eine Tasse und überbrühen Sie die Blüten mit kochendem Wasser. Lassen Sie den Tee mit den Lindenblüten fünf, den mit Holunderblüten zehn Minuten ziehen, bevor sie ihn abseihen und möglichst heiß trinken. Kratzt der Hals, wirkt heiße Milch mit Honig lindernd.
Über die Wirkung von Vitamin C bei Erkältungen streiten sich die Forscher. Es gibt Hinweise, dass es wirkt, andere Studien belegen das Gegenteil. Aber schädlich ist das Vitamin keinesfalls: Probieren Sie es daher ruhig aus. Vitamin-C-haltige Nahrungsmittel zur Vorbeugung gelten generell als hilfreich.
Einige Untersuchungen zeigen, dass eine Erkältung um etwa einen Tag verkürzt werden kann, wenn regelmäßig 0,2 Gramm Vitamin C eingenommen werden. Denn Vitamin C schützt die Immunzellen. Vitamin C ist in hoher Konzentration enthalten in Sanddornbeeren, Paprikagemüse, Broccoli, schwarzen Johannisbeeren, Stachelbeeren, Fenchel, Zitrusfrüchten, Kartoffeln, Kohl, Spinat und Tomaten.
Die Inhalation ist ein altbewährtes Heilmittel bei Erkältungs-Krankheiten: Übergießen Sie in einer Schüssel etwa eine Handvoll Kamillenblüten mit heißem Wasser. Halten Sie Ihr Gesicht über die Schüssel und legen Sie ein Handtuch über Ihren Kopf, so dass der Dampf nicht entweichen kann. Atmen Sie mehrmals mit geschlossenen Augen tief durch die Nase ein.
Wiederholen Sie die Inhalation ein paar Mal am Tag für einige Minuten. Die Schleimhaut Ihrer Atemwege wird dadurch befeuchtet, das Sekret abtransportiert und die festsitzenden Krusten werden gelöst. Zudem schädigt heißer Dampf Schnupfenviren: Viele dieser Erreger sind hitzeempfindlich.
Kamille lässt die Schleimhaut abschwellen und erleichtert das Atmen. Weitere bewährte Inhalationsstoffe sind: Thymian, Japanisches Minzöl, Latschenkiefernöl (nicht bei Asthma und Keuchhusten), Eukalyptusöl, Teebaumöl, Pfefferminzöl (nicht bei Kindern).
Sie helfen Ihrem Abwehrsystem beim Kampf gegen Bakterien und Viren, wenn Sie die Durchblutung mit einem warmen Halswickel steigern. Wickeln Sie ein feuchtes Baumwolltuch um den Hals und decken Sie es mit einem Handtuch ab. Je wärmer der Wickel, desto besser. Nur in der akuten Phase sollten Sie ein kaltes Tuch nehmen und warten, bis es warm geworden ist.
Ruhen Sie mit dem Wickel eine Zeit lang unter der Bettdecke. Trocknen Sie sich danach sorgfältig ab und halten Sie sich weiterhin warm. Neben der wohltuenden Wärme können ein paar Tropfen Lavendelöl auf dem Wickel den Hustenreiz drosseln. Besonders Kindern kann das zu einem ruhigen Schlaf verhelfen.
Lüften Sie Ihre Wohnung regelmäßig und achten Sie auf eine hohe Luftfeuchtigkeit, vor allem im Winter. Stellen Sie mit Wasser gefüllte Schälchen auf die Heizung oder hängen Sie nasse Handtücher darüber. Das verdunstende Wasser befeuchtet die Raumluft. Das schützt Ihre Schleimhäute vor dem Austrocknen. Wenn Sie kein Fieber mehr haben und sich kräftig genug fühlen, gehen Sie wenigstens einmal am Tag spazieren und atmen Sie dabei tief durch.
Hustenbonbons oder Halspastillen schützen Ihre Schleimhaut vor dem Austrocknen. Sie regen den Speichelfluss an und halten die Schleimhaut feucht. Der Speichel enthält außerdem bestimmte Stoffe, die gegen Bakterien wirken. Auch Gurgeln kann Ihre Halsschmerzen lindern: Verrühren Sie einen halben Teelöffel Salz in einem Viertel Liter warmem Wasser.
Mit einer Nasenspülung befeuchten Sie die Schleimhäute, waschen den Schleim samt Keimen heraus und lösen verhärtete Krusten. Verrühren Sie dafür einen halben Teelöffel Salz in einem Viertel Liter warmem Wasser und füllen Sie die Lösung in eine Nasendusche. Beugen Sie Ihren Kopf über das Waschbecken und halten Sie ihn leicht schräg zu einer Seite. Öffnen Sie den Mund und füllen sie das lauwarme Salzwasser in das oben liegende Nasenloch. Durch dass untere Nasenloch läuft es wieder hinaus. Schnäuzen Sie die Nase jetzt leicht und wechseln Sie anschließend die Seite.
Wolfgang Schillings