Tabletten helfen gegen Kopfweh. Wer zu viele Medikamente schluckt, riskiert allerdings, noch mehr Pein aushalten zu müssen. Denn die schmerzstillenden Substanzen können genau das auslösen, was sie bekämpfen sollen - Schmerzen. Das klingt paradox, ist aber bewiesen. Wer in diesem Teufelskreis steckt, hat nur eine Wahl: den Entzug.

Zählen Sie mit: Pillen sollten Sie nicht länger als zehn Tage hintereinander einnehmen© Laurents Hamels/Colourbox.com
Wenn Sie Schmerzen haben, können Sie ein Mittel dagegen einnehmen. Und die Pein wird verschwinden. Manche Menschen haben jedoch ein Problem: Trotz Tablette gehen die Qualen nicht weg, im Gegenteil, sie bleiben. Denn ihr Körper hat sich schon an die Substanzen gewöhnt. Weil die Betroffenen annehmen, die Dosis habe eben nicht gereicht, nehmen sie mehr Arznei. Mit der Folge, dass die Schmerzen sich wiederum steigern. Dieser Teufelskreis setzt sich bei manchen Kopfschmerz-Geplagten fort, bis die Schmerzen zum Dauerproblem geworden sind: Sie leiden unter einem Schmerzmittel-Kopfschmerz, weil sie das Medikament zu oft und zu lange eingenommen haben.
Dann kann nur ein Entzug helfen. Sie können zu Hause entgiften, ein Schmerztherapeut sollte Ihnen in diesem Fall allerdings beraten. Oder Sie können in eine Schmerzklinik gehen. Beim Entzug werden alle Medikamente abrupt abgesetzt. Zu Beginn verschlimmern sich die Kopfschmerzen. Zusätzlich können auch Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Herzrasen und Angstzustände auftreten. Die Beschwerden erreichen am dritten oder vierten Tag ihren Höhepunkt und klingen dann langsam ab.
Ihr behandelnder Arzt kann die Entzugs-Erscheinungen lindern: Kortison mildert die Beschwerden erheblich, spezielle Medikamente helfen gegen die Übelkeit. Bei heftigen psychischen Reaktionen setzen Ärzte so genannte Neuroleptika ein.
Nach etwa zwei bis sechs Wochen lassen die Dauerkopfschmerzen nach. Der ursprünglich vorhandene Kopfschmerz bleibt allerdings bestehen. Gegen den sollten Sie sich behandeln lassen, weil Sie sonst möglicherweise wieder zu viele Schmerzmittel dagegen einnehmen. Das Risiko eines Rückfalls ist im ersten halben Jahr nach der Entgiftung am größten.
Behandelt werden sollten die ursprünglichen Beschwerden vor allem ohne Kopfschmerz-Tabletten. Besser sind vorbeugende Maßnahmen wie Entspannungstechniken, Selbsthilfe-Programme, Psychotherapien oder alternative Heilmethoden.
Wenn Sie wirklich eine Kopfschmerz-Tablette nehmen wollen, achten Sie darauf, höchstens zehn Tage im Monat von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen - egal, wie hoch Ihre Tagesdosis ist. Noch besser: Sie behandeln sich nicht selbst mit Medikamenten, sondern besprechen dies mit Ihrer Ärztin.
Yamina Merabet