20. März 2013, 15:21 Uhr

Suhrkamp muss Barlach 2,2 Millionen Euro zahlen

Schlappe vor Gericht: Der Suhrkamp-Verlag muss seinem Gesellschafter Hans Barlach eine Gewinnausschütttung in Höhe von 2,2 Millionen Euro zahlen. Das entschied das Landgericht Frankfurt.

Literatur, Verlage, Suhrkamp, Millionen, Euro, Barlach, 4161

Das Klingelschild zur Privatvilla von Ulla Unseld-Berkéwicz in Berlin. Der Verlag war Anfang 2010 von Frankfurt in die Hauptstadt gezogen.©

Im Machtkampf um den Suhrkamp Verlag hat Verlagschefin Ulla Unseld-Berkéwicz erneut eine schwere juristische Niederlage erlitten. Das Landgericht Frankfurt verurteilte am Mittwoch die von ihr geführte Familienstiftung, an den Minderheitsgesellschafter Hans Barlach knapp 2,2 Millionen Euro aus dem Bilanzgewinn des Jahres 2010 zu zahlen.

Barlach berief sich vor der Handelskammer auf eine Vereinbarung unter den beiden Gesellschaftern. Danach war sein Gewinnanteil aus dem Verkauf des Frankfurter Verlagsgebäudes und des Verlagsarchivs innerhalb weniger Tage auf ein ihm zustehendes Konto zu überweisen. Eine Gesellschaftsvereinbarung halte die Ausschüttung des Gewinns "klipp und klar" fest, stellte das Gericht dazu fest. Es geht dabei genau um 2,184 Millionen Euro.

Der Suhrkamp Verlag wollte sich am Mittwoch nicht zu der Entscheidung äußern. Man wolle erst die Urteilsbegründung abwarten, sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Jahrelanger Rechtsstreit

Der traditionsreiche Verlag war auf Betreiben der Verlegerin Anfang 2010 vom langjährigen Stammsitz Frankfurt nach Berlin umgezogen. Unseld-Berkéwicz, die Witwe des 2002 gestorbenen Verlags-Patriarchen Siegfried Unseld, hält über die Familienstiftung 61 Prozent des Verlags. Barlachs Medienholding AG Winterthur gehören 39 Prozent.

Die Anwälte der Familienstiftung verwiesen dagegen ohne Erfolg darauf, dass mit dem Bilanzgewinn die finanziellen Reserven des Unternehmens gestärkt werden sollten. Notfalls hätte dann ein Darlehen aufgenommen werden müssen, um die Ansprüche des Minderheitsgesellschafters zu erfüllen, argumentierte das Gericht und wies damit ein "Thesaurierungsinteresse" ab.

Barlach und Unseld-Berkéwicz liefern sich seit Jahren eine erbitterte Auseinandersetzung. Ende Dezember hatte das Landgericht Berlin die Verlagschefin als Geschäftsführerin abgesetzt. Sie habe rechtswidrig für den Verlag Event-Räume in ihrer eigenen Berliner Villa angemietet und den Mitgesellschafter nicht informiert.

Kein Ende in Sicht

Dagegen legte Unseld-Berkéwicz Berufung ein. Auch das Urteil der 13. Handelskammer ist noch nicht rechtskräftig. Das Oberlandesgericht Frankfurt als nächste Instanz kann angerufen werden.

Das entscheidende Verfahren im Machtkampf ist derzeit bei einer anderen Handelskammer des Landgerichts Frankfurt anhängig. Beide Gesellschafter haben beantragt, sich gegenseitig auszuschließen. Im Februar setzte die Kammer beiden Parteien eine letzte Frist, um bis zum 25. September ihren Konflikt außergerichtlich zu lösen. Letztlich könnte das Verfahren die Auflösung des Verlags bedeuten.

Matthias Gerhart und Thomas Maier, DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Galgenfrist für Suhrkamp Zerstrittene Eigentümer sind wieder gefordert

Die Verlagsautoren atmen zunächst einmal auf: Im Machtkampf um Suhrkamp gibt das Landgericht den Kontrahenten nochmals eine Chance. Bis zum 25. September sollen sie nach einer Lösung suchen.

Streit im Suhrkamp-Verlag Autoren unterstützen Verlegerin

Mehr als 70 Autoren haben im Suhrkamp-Konflikt für Ulla Unseld-Berkéwicz in einem Appell Partei ergriffen. Zwischen der Verlegerin und Medieninvestor Hans Barlach tobt ein erbitterter Streit.

Konflikt im Suhrkamp-Verlag Das intellektuelle Futterhaus der Republik

Im Streit um den Suhrkamp Verlag ist kein Ende in Sicht. Medieninvestor Hans Barlach hat den früheren Kulturstaatsminister Naumann als Vermittler abgelehnt. Was Barlach vor hat, bleibt im Dunkeln.

Suhrkamp Verlag Schriftsteller drohen mit Weggang

Der Streit im Suhrkamp Verlag geht weiter: Bekannte Autoren sind gegen eine Verlagsführung durch Mitgesellschafter Hans Barlach und stellen sich öffentlich hinter die bisherige Geschäftsführerin.

Ärger im Traditionsverlag Richter entmachtet Suhrkamp-Chefin

Im Streit um den Suhrkamp Verlag hat ein Berliner Gericht jetzt überraschend Verlagschefin Unseld-Berkéwicz abberufen. Allerdings dürfte die Entscheidung nicht das letzte Wort sein.

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
 
Jetzt stern unverbindlich testen

10 x stern + 30% Preisvorteil + kostenloses stern eMagazine + gratis Dankeschön. Jetzt sichern.

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (15/2013)
Schampus für alle!