13. Dezember 2006, 16:00 Uhr

Synchronsprecher im Dienste Ihrer Majestät

Er ist die deutsche Stimme des neuen James Bond - und auch von weiteren Hollywood-Stars. Im stern.de-Interview erzählt der Synchronsprecher Dietmar Wunder, wie er so verschiedene Darsteller wie Daniel Craig und Adam Sandler unter einen Hut bringt - und gibt eine Kostprobe. Von Carsten Heidböhmer

Dietmar Wunder

Die Ähnlichkeit mit Daniel Craig hält sich in Grenzen: Synchronsprecher Dietmar Wunder©

Manchmal gehen Kindheitsträume in Erfüllung. Bei Dietmar Wunder war dies der Fall. Seine Begeisterung für Sean Connery als James Bond war einer der Gründe, weshalb sich der heute 41-Jährige schon als Jugendlicher für die Schauspielerei begeisterte. Nach abgeschlossener Schauspielausbildung übernahm er Rollen fürs Theater und Fernsehen. Durch einen Zufall entdeckte der gebürtige Berliner sein Talent zur Synchronisation. Mit "Twin Peaks" und "Ausgerechnet Alaska" geriet Wunder 1990 gleich zu Beginn seiner Sprecher-Karriere an zwei Kult-Serien und machte sich schnell einen Namen.

Im Laufe der nächsten Jahre lieh er zahlreichen hochkarätigen Hollywood-Schauspielern seine Stimme, darunter Jamie Foxx, Edward Norton, Christian Bale, Robert Downey jr. und Jude Law. Regelmäßig spricht er Don Cheadle und Adam Sandler. Nun ist Daniel Craig dazugekommen - und beschert Dietmar Wunder die Erfüllung seines lang gehegten Traums. stern.de-Redakteur Carsten Heidböhmer traf den Synchronsprecher einen Tag nach der Deutschlandpremiere von "Casino Royale" in Berlin.

Herr Wunder, wie haben Sie erfahren, dass Sie die deutsche Stimme von James Bond sein werden? Der Produktionsleiter der Synchronfirma rief mich an und sagte: "Du arbeitest jetzt für Ihre Majestät". Ich habe mich darüber riesig gefreut. Abends habe ich dann mit meiner Frau angestoßen - aber nicht mit Martini. Es ist das erste Mal, dass Sie Daniel Craig sprechen. Haben Sie sich angeschaut, wie er in seinen anderen Filmen synchronisiert wurde? Sich an anderen zu orientieren ist gefährlich. Jeder hat seinen eigenen Charakter in der Stimme. Man sollte versuchen, seine eigene Farbe reinzubringen. Ich habe versucht, das darzustellen, was Daniel Craig vorgegeben hat. Sie leihen mehreren amerikanischen Schauspielern Ihre Stimme. Darunter Adam Sandler, der ein extremer Gegenpol zu Daniel Craig ist. Wie bringt man so verschiedene Typen unter einen Hut?Wie schaffen Sie es technisch, mit Ihrer Stimme so verschiedene Charaktere darzustellen? Grundsätzlich kann man natürlich nicht jeden Schauspieler synchronisieren. Ich könnte zum Beispiel nie Arnold Schwarzenegger sprechen, da müsste ich meine Stimme zu sehr verändern. Das hält man nicht lange durch, damit macht man sich seine Stimme kaputt. Grundsätzlich ist das alles Handwerk. Manchmal spreche ich an einem Tag drei verschiedene Schauspieler. Das ist dann wie ein Schalter, den ich umlege. Sie legen in ihrem Job einen Spagat hin: Einerseits müssen Sie dem Schauspieler eine gewisse Wiedererkennbarkeit verschaffen, andererseits verlangt jede Rolle ihre Individualität. Es ist noch mehr: Gleichzeitig sollen wir unsere eigene Seele auch mit reinbringen, damit es nicht nur eine Kopie ist, sondern auch echte Gefühle zu hören sind. Können Sie da auch etwas Persönliches in so eine Rolle einbringen? Teils, teils. Gerade bei einer solchen Produktion muss man stark am Original bleiben. Wenn er in einer Situation keinen lockeren Spruch bringt, kann ich da nicht im Deutschen komplett etwas anderes machen.

Inwieweit haben Sie Einfluss auf die deutschen Texte? In der Regel liegt das fertig übersetzte Buch vor. Das ist bereits gecheckt, ob es lippensynchron ist. Wir haben aber immer eine künstlerische Freiheit. Wenn man mit einem Supervisor im Atelier ist, kann man da immer was ändern. Geschriebene Sätze lesen sich oft gut, sprechen sich aber manchmal nicht so flüssig. Ich betreue als Synchronregisseur "CSI: NY", da darf ich mir in Absprache mit der Redakteurin von "Vox" gewisse Freiheiten herausnehmen und die Texte mundgerechter machen. Ich versuche dafür zu sorgen, dass die Figuren umgangssprachlich klingen. Sieht man beim Liebesdialog die Schauspielerin oder die Synchronsprecherin vor sich? Man steht vor einem Pult und sieht vor sich einen Fernseher oder die Leinwand. Und man spricht nach vorne. Das heißt: Bei einem Liebesdialog spreche ich mit Eva Green.

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