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20. September 2009, 17:27 Uhr

Der leidige Erfolg mit Peniswitzen

Er ist der König der Kumpelkomödie: Judd Apatow ist Erfolgsproduzent mit Milliardenumsatz und wurde zur "smartesten Person Hollywoods" gekürt. Jetzt will er weg von Peniswitzen und lässt in "Funny People" Schauspieler Adam Sandler über die Comedy-Branche reflektieren. Von Hannah Pilarczyk

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Judd Apatow und sein ehemaliger WG-Kumpel: Der Filmproduzent wirbt gemeinsam mit Adam Sandler für seinen neuen Film© Chris Pizzello/AP

Als Judd Apatow ein kleiner Junge war, weigerte sich sein Idol Steve Martin einmal, ihm ein Autogramm zu geben. Wütend schrieb ihm Apatow daraufhin einen Beschwerdebrief. Einige Wochen später kam ein Buch von Steve Martin zurück, darin die persönliche Widmung: "Entschuldigung, ich wusste nicht, dass ich mit DEM Judd Apatow gesprochen habe."

Heute, mit 41 Jahren, ist Judd Apatow DER Judd Apatow: Erfolgsproduzent mit Milliardenumsatz ("Anchorman", Superbad"); Erfinder eines eigenen Komödiengenres; von Entertainment Weekly zur "smartesten Person Hollywoods" gewählt. Wütend ist Apatow aber immer noch.

Sein neuester Film "Wie das Lebens so spielt" - nach "Beim ersten Mal" und "Jungfrau (40), männlich, sucht" seine dritte Regiearbeit - kommt nicht so an, wie er sich das vorgestellt hat. Fans seiner derben Komödien sind vom nachdenklichen Grundton irritiert. Sie wollen Peniswitze, nicht Reflektionen über Krankheit und verratene Freundschaften. "Immer, wenn Menschen einen anderen Gang einlegen, hat irgendjemand ein Problem damit", ärgert sich Apatow. "Sich selbst zu wiederholen, ist keine Option - du wirst nämlich nicht besser dabei, du bleibst nur stehen."

Den Ärger merkt man Apatow nur an seinen Worten an. Mit seinen hängenden Schultern und jeder Menge Augenkontakt wirkt der Familienvater überaus freundlich. Doch seine Wutausbrüche sind fast schon Legende: Als Apatows TV-Serie "Undeclared" nach nur einer Staffel abgesetzt wurde, schrieb er den verantwortlichen Redakteuren einen derart ausfälligen Brief, das er ihn wahrscheinlich die Karriere gekostet hätte. In letzter Minute konnte sein Agent den Brief aber noch abfangen. "Mittlerweile habe ich etwas gelernt, was die meisten Leute wahrscheinlich als Kind gelernt haben", sagt Apatow. "Wenn du jemanden von deinem Standpunkt überzeugen willst, ist es nicht ratsam, zu fluchen und sie als Idioten zu bezeichnen."

Komödie zwischen Hommage und Persiflage

Mit "Wie das Leben so spielt" liefert Apatow nun seinen bislang persönlichsten Film ab: "Funny People", so der Originaltitel, ist eine überraschend ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Comedy-Geschäft, in dem Apatow seit über zwanzig Jahren arbeitet. Adam Sandler spielt den Starkomiker George Simmons, bei dem plötzlich eine tödliche Blutkrankheit diagnostiziert wird. Um eine Art Hinterlassenschaft bemüht, nimmt sich Simmons des Nachwuchstalents Ira Wright (Seth Rogen) an und fördert ihn. Wer von wem profitiert, verschwimmt aber schnell: Ira muss nicht nur als Gagschreiber herhalten, sondern zunehmend auch als Pfleger und Prügelknabe, muss Medikamente besorgen und die Hasstiraden des verbitterten Simmons ertragen. Im Laufe seiner Karriere hat sich der Star weder um seine Freunde noch um die Liebe gekümmert.

"Das Comedy-Business ist wirklich ein 'Jeder-für-sich-selbst'-Geschäft", sagt Apatow. "Jeder ist allein auf der Bühne, du kannst nur siegen oder untergehen. Und jeder hat im Blick, wer erfolgreicher ist und die besseren Slots in den Comedy-Clubs bekommt." Apatow hat es selbst einige Jahre als Stand-Up in L.A. versucht - und aufgegeben, als sein Mitbewohner immer erfolgreicher wurde. Der Mitbewohner war Adam Sandler. Gleich am Anfang von "Wie das Leben so spielt" sind Originalaufnahmen aus der gemeinsamen WG-Zeit zu sehen: auf grobkörnigem Video festgehalten, zeigt Apatow einen jungenhaften Sandler bei einem Telefonstreich. Wie der sich über seine eigenen Witze kringelig lacht - selbstverloren, ganz ohne Publikum -, führt einen für einige Momente fast unangenehm nah an Sandler heran.

Seite 1: Der leidige Erfolg mit Peniswitzen
Seite 2: Etablierung des "Apatow movie" als eigene Marke
 
 
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