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Streaming Wie Netflix mit einer neuen Funktion Hollywood gegen sich aufbringt

Der Videostreamingdienst Netflix bringt eine neue Funktion
Der Videostreamingdienst Netflix bringt eine neue Funktion
© Jakub Porzycki/ / Picture Alliance
Netflix bietet künftig die Kontrolle über die Abspielgeschwindigkeit von Filmen und Serien. Die Neuerung kommt jedoch nicht bei allen gut an.

Der Videostreamingdienst Netflix ist kurz vor der Einführung einer neuen Funktion: Wie das US-Technologieportal "The Verge" berichtet, arbeitet das Unternehmen an der Implementierung einer variablen Abspielgeschwindigkeit. Heißt konkret: Nutzer können wie Wiedergabe von Filmen und Serien je nach Vorliebe beschleunigen oder verlangsamen. Zuerst wird die Funktion auf Android-Geräten zur Verfügung stehen, für iOS-Geräte und Browser sei das Feature ebenfalls in Arbeit.

Laut offiziellen Aussagen teste Netflix bereits seit vergangenem Herbst die Option. "The Verge" zufolge wird man die Wahl zwischen fünf verschiedenen Wiedergabegeschwindigkeiten haben: Neben der Standardgeschwindigkeit (1,0) soll man auch das 0,5-, 0,75-, 1,25- und 1,5-Fache der Originalgeschwindigkeit auswählen können. Die Audio-Tonspur wird sich an die Wiedergabegeschwindigkeit anpassen, wodurch verhindert wird, dass sich die Tonhöhe ändert.

Nutzer mögen mehr Tempo

Laut Netflix kommt die größere Flexibilität bei Nutzern gut an. Vor allem die Beschleunigungen im 1,25- oder gar 1,5-fachen Wiedergabetempo dürften sich großer Beliebtheit erfreuen. Auf Youtube hat sich diese Funktion bereits erfolgreich etabliert, Googles Videoplattform bietet sogar ein bis zu zweifaches Wiedergabetempo.

Was bei Videotutorials und Erklärvideos sinnvoll sein kann, muss jedoch nicht bei Dramaserien und Krimis im gleichen Maße funktionieren. Zwar ist es charmant, für eine 60-minütige Episode nur 45 Minuten zu benötigen, die vom Regisseur und Produzenten gewünschte Atmosphäre dürfte sich jedoch nicht aufbauen.

Kritik aus Hollywood

Der US-Regisseur und Drehbuchautor Judd Apatow ("Girls", "Love", "The Big Sick") ätzte deshalb bereits im vergangenen Herbst auf Twitter: "Nein, Netflix, Nein. Zwingt mich nicht, jeden Regisseur und Show-Schöpfer auf der Erde anrufen zu müssen, um gegen diese Sache zu kämpfen. Erspart mir diese Zeit. Ich werde gewinnen, aber es wird jede Menge Zeit in Anspruch nehmen. Versaut uns nicht das Timing. Wir geben euch schöne Dinge. Lasst sie so, wie sie gesehen werden sollten."

Apatows Flehen wurde nicht erhört, die Funktion wird in den kommenden Wochen global zur Verfügung stehen. Als Entgegenkommen an die Filmschaffenden hat Netflix die Option immerhin als Opt-in integriert, sie muss also jedesmal händisch eingeschaltet werden. Standardmäßig ist immer die normale Wiedergabegeschwindigkeit aktiviert.

Quellen: "The Verge", Judd Apatow

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