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3. November 2011, 16:43 Uhr

Warum Nina Hoss eine Traumfrau ist

Die Rolle einer Edelhure hat sie berühmt gemacht. Auch 15 Jahre später wird Nina Hoss gern als Femme Fatale beschrieben: blond, unnahbar und wunderschön. Dabei ist das nur die halbe Wahrheit. stern.de auf der Suche nach der Hoss’schen Magie. Von Sophie Albers

Nina Hoss, Fenster zum Sommer, Das Mädchen Rosemarie, Rohwedder, Willi Hoss, Bernd Eichinger, Claus Paymann, Yella, Christian Petzold

La Nina: In dem Märchen "Fenster zum Sommer" muss Nina Hoss ihre Liebe neu finden und erobern© Prokino

Nina Hoss weiß, dass sie schön ist. Es wird ihr häufig genug gesagt. "Sie sind so hübsch, Sie müssen doch Film machen", hat ihr gleich zu Beginn der Karriere Kult-Theatermacher Claus Peymann zugerufen. Bis heute - diverse Kino-, TV-, Theater- und Preisverleihungserfolge später - kommt keine Beschreibung der langbeinigen, blonden Schauspielerin ohne einen Verweis auf das blasse Gesicht mit den "aristokratischen" Augenbrauen und den sinnlichen Lippen aus. Diese Beine, diese Haare und dieses Gesicht sind auch an einem Herbstmorgen in Berlin noch da. Und auch diese dunkle Stimme, die manchmal ins Rauchige kippen kann.

15 Jahre nach ihrem Durchbruch als Edelhure Nitribitt in Bernd Eichingers gefeierter Fernsehproduktion "Das Mädchen Rosemarie" gibt Hoss in einer Hotelsuite Interviews, um ihren neuen Film zu bewerben, der am Donnerstag ins Kino kommt: "Fenster zum Sommer". Ein kleiner Film. Kein Petzold-Drama. Kein Historienschinken. Ein Märchen, eine Liebesgeschichte. Eine Frau ist frisch verliebt, doch wacht sie eines Morgens in ihrem alten Leben vor sechs Monaten auf, als der geliebte Mann noch nicht an ihrer Seite war. Kann und muss sie ihr Schicksal nun bewusst in seine Richtung lenken?

Vielschichtig schwarz

"Glauben Sie an das Schicksal, Frau Hoss?", so die naheliegende Frage. "Nicht wirklich", so die blanke Antwort, für deren Entschiedenheit sie keine drei Sekunden braucht. "Ich denke, ich bin selbst verantwortlich für den Gang meines Lebens."

Schmal ist Nina Hoss, die in ihrem Leben neben großem Talent auch mit viel Glück gesegnet ist. Schmal wie die meisten Schauspielerinnen. Aber nicht so nervös. In vielschichtigem Schwarz, in schmaler Hose, die in halbhohen Cowboystiefeln endet, sitzt sie am Tisch, die schmalen Hände mal elegant verschränkt, mal entspannt im irgendwo. Die Haare ein bisschen verwühlt. Die viel zitierten Augenbrauen wach. Statt an das Schicksal habe sie während des Drehs viel eher an das große Vertrauen ins Leben gedacht, das dieser Film am Ende habe. "Je bewusster du dein Leben führst - also nicht vor dem Schmerz und den Konflikten davonläufst - desto gelassener bist du am Ende."

Auch im wahren Leben läuft Nina Hoss nicht davon. Sie hat den größten Schmerz ertragen: das Sterben ihres Vaters zu begleiten. Der Politiker und Gewerkschaftsführer starb 2003 an Krebs. Zuhause bei seiner Familie. Seine Tochter hat ihm geholfen, seine Autobiografie zu vollenden. Zusammen mit der Mutter, Schauspielerin und Intendantin Heidemarie Rohwedder, hatte sie ihn davon überzeugt, dass er seinen beeindruckenden Lebensweg aufschreiben muss: vom Gewerkschaftsrebellen bis zum Entwicklungshelfer in Amazonien.

"Du musst gut sein"

Ob sie das Musische von der Mutter und das Politische vom Vater hat, da ist sich Nina Hoss nicht so sicher. Doch von beiden das Selbstbewusstsein. "Du musst gut sein in dem, was du tust", habe ihr Vater immer gesagt, "dann kann dir keiner an den Karren fahren, dann wirst du respektiert und kannst dein Maul aufmachen." Das sei eine Anleitung zum Leben, die sich bis heute bewährt habe, hat Hoss einmal in einem früheren Interview verraten. "Der Charakter bleibt unverbogen - das habe ich Papa und Mama zu verdanken."

Ein großer Teil von Hoss' unverbogenem Charakter ist Neugier. Deshalb sei sie Schauspielerin, sagt sie mit diesem klaren, unverstellten Blick, den Männer lieber tief, wenn nicht sogar geheimnisvoll nennen. Und deshalb "will ich mich so wenig einschränken wie möglich. Ich muss Dinge erstmal probieren, bevor ich weiß, dass ich etwas besser nicht noch mal machen sollte. Ich will gucken, wie das geht. Je unterschiedlicher, desto mehr lerne ich auch über mich als Schauspielerin."

Vampir und Muse

Sie spricht von Genrefilmen und -figuren, die sie ergründen wolle - von "Yella" bis "Wir sind die Nacht", vom Klang, den jeder Film in sich trage und immer wieder vom Theater, das ihr wahres Zuhause zu sein scheint. Während ihre Mutter auf der Bühne stand, lag Hoss schon als Baby in den Kulissen, und die Kollegen haben auf sie aufgepasst. Als Teenager stand sie dann selbst auf den Brettern, und nach dem Abitur war es eine "logische Konsequenz", dass sie Schauspiel studierte. Trotz des frühen, überwältigenden Erfolges mit "Das Mädchen Rosemarie" schloss sie das Studium ab und ging erst einmal ans Theater. Und wurde ebenso erfolgreich. Sie höre auf ihren Bauch, sagt Hoss, und der habe ihr schon immer gesagt, dass Theater das Richtige sei. "Hier kann ich mich ausprobieren bis zum Geht-nicht-mehr. Das nehme ich dann mit in den Film und entwickle es weiter."

Stehenbleiben kommt für Hoss nicht in Frage. Deshalb auch die intensive Arbeit mit Regisseur Christian Petzold. Mit dem Wort Muse kann Nina Hoss so wenig anfangen wie mit Star, aber "wir regen uns gegenseitig an - in der Fantasie, in der Art und Weise, wie wir über die Arbeit nachdenken. Ich rede mit ihm wahnsinnig viel über Schauspiel." Diese Gespräche mit Petzold seien jedes Mal wie ein Aufatmen, "weil ich das Gefühl habe: Wir kommen hier voran, wir machen etwas, das wirklich relevant ist." Sagt es und blickt einen an mit diesem klaren Blick, der tatsächlich tief ist, weil er keinen Platz für Hintergedanken, Hintertüren oder Ausflüchte braucht. Glaubwürdigkeit nennt man das. Und die macht Nina Hoss zu der außergewöhnlichen Schauspielerin, die sie ist.

Denn schöne Frauen gibt es viele.

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Von Sophie Albers
 
 
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