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5. Mai 2007, 15:38 Uhr
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"Er ist ein Heuchler"

Während er gerade seine neue Dokumentation "Sicko" fertigstellt, entlarven zwei Kollegen Michael Moore in ihrem Film als egomanischen Lügner. "Manufacturing Dissent", die Demontage des Moore von zwei unbekannten Dokumentarfilmern hat in München Deutschland-Premiere. Von Jan Christoph Wiechmann

Dubiose Methoden: Michael Moore© CHITOSE SUZUKI

Der Film sollte eine Hommage werden. Die Verbeugung vor einem, der Dokumentarfilme zu Blockbustern machte. Die Nahaufnahme eines Arbeitersohns, der mit "Bowling for Columbine" den Oscar gewann, mit "Fahrenheit 911" mehr als 220 Millionen Dollar einspielte und den Weg ebnete für weitere Doku-Erfolge wie "Darwins Albtraum" und "Eine unbequeme Wahrheit". Vor allem aber sollte "Manufacturing Dissent" die Ikone der Linken einfangen, den US-Chefankläger von George W. Bush, der den Mut hatte, während der Oscar-Verleihung 2003 von der Bühne zu rufen: "Schande über Sie, Mr Bush." So hatten es Debbie Melnyk und Rick Caine geplant - zwei unbekannte Dokumentarfilmer aus Toronto, zwei selbst erklärte Linke, zwei Fans.

Das war vor drei Jahren. Heute sitzen sie in ihrem Holzhaus in Torontos East Side auf ihrem geblümten Sofa und sagen Sätze wie: "Wir haben uns sehr getäuscht." "Er ist ein Heuchler." "Er agiert nicht anders als George W. Bush." "Es ist ein offenes Geheimnis in der Filmwelt, dass Michael Moore kein guter Mensch ist." Eine Menge ist passiert in den zweieinhalb Jahren ihrer Recherche, und wenn sie es benennen sollen, wissen sie nicht, wo anfangen. Moore manipuliere die Massen, bestätigten ihnen Wegbegleiter. Moore lüge. Er bedränge Assistenten, für ihn zu lügen. Er behandele Mitarbeiter wie Dreck.

Der Film "Manufacturing Dissent" ist ein Stoß ins Herz aller Moore-Fans. Nach der Premiere in Austin, Texas, verließen seine Anhänger ernüchtert den Kinosaal. Sie sahen Szenen, die ihnen den Atem raubten: Moore, der Nachrichtenmeldungen erfand. Moore, den selbst seine Freunde paranoid und egomanisch nennen. Studenten, die auf gefälschte Moderationen stießen. Melnyk und Caine werfen Moore vor allem vor, dass er in seinen Filmen alles weglässt, was seinen Thesen widerspricht. So zeigt Moore Präsident Bush in "Fahrenheit 911" als prahlenden Schwadroneur vor einer Versammlung reicher Republikaner, verschweigt jedoch, dass dies ein eindeutig satirischer Auftritt war. In "Bowling for Columbine" betritt Moore spontan eine Bank, um im Ausgleich für eine Kontoeröffnung eine Waffe zu erhalten, verschweigt aber, dass die ganze Szene vorher mit den Bankangestellten einstudiert wurde. Michael Moore hat sein Weltbild und ordnete ihm die Fakten unter. Er bedient all das, was Europäer schon immer über Amerikaner zu glauben wussten: Amerikaner sind kapitalistische Ausbeuter ("Roger & Me"), schießwütige Cowboys ("Bowling for Columbine"), lügende Kriegstreiber ("Fahrenheit 911"). Er schuf einen Abglanz von Amerika, wie es stalinistische Chefdemagogen nicht besser hätten machen können, und wurde mit der Masche zum Multimillionär. Nun fahren ihm zwei enttäuschte Fans in die Parade und demontieren den großen Moore - kurz vor der feierlichen Premiere seines neuen Films "Sicko".

Das Plakat von "Manufacturing Dissent", zu Deutsch etwa "Einen Widerspruch herstellen"© Manufacturing dissent

Die Deutschen werden enttäuscht sein.

Debbie Melnyk: Warum?

Ihr Film demaskiert einen Mann, dem viele Deutsche zu Füßen liegen.

Melnyk: Wir hoffen, dass sie weiter hinter seinen politischen Botschaften stehen. Aber seine Methoden sollten sie hinterfragen. Er verführt die Menschen. Er manipuliert Fakten.

Wie kommen Sie darauf?

Melnyk: Ganz klar wurde es, als wir mit Jim Musselman sprachen, der mit Michael Moore an seinem ersten Doku-Erfolg "Roger & Me" arbeitete. Der Film erzählt von Moores vergeblichen Versuchen, den Vorstandsvorsitzenden von General Motors, Roger Smith, vor die Kamera zu bringen. Dabei hatte Moore ihn sehr wohl interviewt. Musselman konnte das beweisen. Moore hat sein Publikum einfach belogen.

So bekam Ihr Film über Moore also eine ganz neue Wendung.

Caine: Wir überlegten schon aufzuhören.

Warum?

Melnyk: Wir sind selber Linke und wollten der Rechten nicht noch all die Munition liefern, um Moore zu diskreditieren.
Caine: Aber wenn du solch einen Stoff angehst, hast du eben nur eine gewisse Kontrolle über das Ergebnis. Wir wurden einfach mit einer solch harschen Realität konfrontiert, dass wir sagten: Dokumentarfilme müssen Lügen aufdecken und dürfen sie nicht verbergen.

Aber Dokumentarfilme sind oft einseitig. Auch Ihr eigener. Moore kommt sehr schlecht weg.

Melnyk: Wir haben versucht, fair zu bleiben.

Er füllt Stadien, er ist Bestsellerautor, der britische "Mirror" nennt ihn "the greatest living American".

Melnyk: Wir haben ja auch Positives aufgenommen, aber es gab so ungeheuer viele Leute, die ihn und seine Methoden auseinandernahmen. Wir konnten gar nicht alles zeigen. Sonst hätte der Film eine Länge von fast vier Stunden bekommen.

Ihre Meinung

Ist Michael Moore ein Heuchler oder ein genialer Satiriker?

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KOMMENTARE (10 von 14)
 
jane_doe_13 (07.05.2007, 13:35 Uhr)
War schon vor Moore
Wie oft wurde schon versucht, Michael Moore als Heuchler darzustellen und die Massenmedien stürzen sich jedesmal auf diese Storys. Stürzt euch mal auf die Themen, über die Moore berichtet anstatt dauernd Gegendarstellungen zu drucken. Abgesehen davon hat Moore nichts Neues gebracht. Schon vor Moore's Dokumentationen wussten wir, dass die Amis kapitalistische Ausbeuter, schiesswütige Cowboys und lügende Kriegstreiber (siehe Japan, Afghanistan, Irak und schon bald Iran). Er hat die Storys Mainstream-mässig dargestellt, soll ja schliesslich auch Zuschauer anlocken, aber an den Themen ist nichts falsch oder gar unbekannt. Auf jeden Fall kann man Moore ernster nehmen als die Journalisten von stern, spiegel etc. Er recherchiert wenigstens....
hevosenkuva (07.05.2007, 11:50 Uhr)
echt oder fake?
wer sind diese Leute? warum möchten sie eine Dokumentation über einen Dokumentar machen? greifen sie zu den gleichen Methoden wie der Dokumentierte selbst (was hier noch nicht bewiesen wurde)?
diese Interview lässt Fragen offen und übernimmt unkommentiert sowie unkritisch den Standpunkt der beiden Kanadier. mag sein, dass die beiden Recht haben. könnte aber auch ein Kuckucksei sein.
Vincent_Vega (07.05.2007, 10:05 Uhr)
Kanadier (Toronto) dürfen in den USA nicht wählen
Soviel zum Vorwurf, dass just zum Vorwahlkampf in den USA die Wahlkampfikone der USA-Linken "demontiert" wird.
Ich würde es so sehen: die Menschen lieben manchmal "ungeschönte Wahrheiten" (als gute Unterhaltung), aber es interessiert sie nicht, wie diese zustande gekommen sind.
Jemand der im Schlamm wühlt, wird irgendwie auch Dreck abkriegen, ganz besonders wenn man unter Druck steht wie ein Dokumentarfilmer, der irgendwann auch mal einen Film abliefern muss.
RainerUnsinn (06.05.2007, 19:19 Uhr)
Plumper Versuch
Moore im US-Vorwahlkampf zu demontieren. Zwei Linke wollen etwas positives über Moore drehen und entdecken dabei was für ein linker Unmensch er doch ist. Von ihrem Gewissen gepackt beschließen sie den Film doch zu machen um die Welt zu warnen. Das ist so durchsichtig, amerikanisch platt und hohl das kann nur auf dem Mist der Republikaner gewachsen sein. Sorry aber mit so einem Dummfug kann man heute nicht mal mehr den US Durchschnittsbürger verschaukeln.
Yslsl (06.05.2007, 19:13 Uhr)
Wie naiv...
...muss man eigentlich sein, um Michael Moore für objektiv zu halten?
Trotzdem hat er dazu beigetragen, den Wind zu drehen, nachdem die Bush-Regierung mit der massiven Nachrichtenmanipulation und ihrer Drohungen gegen Journalisten für Entsetzen gesorgt hatte. Seine Filme sind, was sie sind: Unterhaltungsreportagen. Merke: NIX im Fernsehen/Kino ist objektiv, alles dient vorwiegend dazu, Aufmerksamkeit zu erheischen. Das geht mit starken Kontrasten besser als mit vielen Grautönen. (Gell, lieber Stern? Ach ja, und mit Titten gehts natürlich am allerbesten.)
Silbador (06.05.2007, 10:49 Uhr)
Geld, Geld und wieder Geld ...
Moore verdient mit seiner Masche viel Geld und das ist sicherlich nicht nur ein netter Nebeneffekt.
Da er als Konformist mir Sicherheit keine ähnliche Karriere gemacht hätte, hat er es eben anders herum versucht und recht behalten.
Und es gibt noch jede Menge Themen, die man so angehen könnte, wie er das tut, was ja mit dieser "Durchleuchtung" seiner Person schon wieder passiert ist.
Wer als Informationskonsument kann schon durchschauen, was daran wahr und was falsch ist?
Da haben wir ja in Deutschland schon mit vielen Dingen ein Problem und nun gar Stories aus den USA?
Dass G.W. Bush kein Humanist ist, ist offensichtlich.
Dass er nur eine Kapitalmarionette ist, ist sehr wahrscheinlich.
Aber alles weitere? Eine gute Zielscheibe ist er allemal, nur gut, dass sich seine zweite und letzte Amtszeit auch so langsam ihrem Ende nähert. Das ist übrigens in den USA einmal etwas besser als bei uns geregelt, eine dritte Amtszeit kann es nicht geben. Hätte uns vielleicht auch ein bißchen was erspart, 8 Jahre Kohl wären bestimmt auch genug gewesen ;-)
GuenterGaul (06.05.2007, 09:49 Uhr)
..Mit dem Strom
Moore hätte in Fahrenheit 9/11 Hintergründe und wahre Drahtzieher nennen können.Er hat es vorgezogen auf Bush und Konsorten einzudreschen.Randfiguren ohne die er , ironischerweise,niemals diese Karriere gemacht hätte.Ein Populist der mit Strom schwimmt.Der Hilary Clinton als Thema entdecken wird wenn es zu spät ist.
gmathol (06.05.2007, 08:56 Uhr)
Moore ist sicherlich kein Erfinder.
Bowling for Columbine - war allerdings besser als 9/11. Sicher mach Moore hier Geschaefte, aber er investiert dies auch in neue Enthuellungsreportagen.
Natuerlich hat der Mann Feinde und er findet sich auch nicht attraktiv.
Also was soll der Unsinn. Alles was dazu dient die Bush Junta friedlich zu beseitigen kann uns nur willkommen sein. Unsere Politiker ahmen den Bush Figuren bereits nach: Schaeuble zum Beispiel.
bob-der-meister (06.05.2007, 08:26 Uhr)
That's Showbiz!
Michael Moore hat polarisiert: Das ist sein großes Verdienst. Er hat sicher auch Anteil daran, dass viele Amerikaner aufgewacht sind aus ihrem Dornröschenschlaf.
Dass er sich dabei den Methoden Hollywoods und auch den manchmal zweifelhaften Methoden der politischen Gegenseite bedient, ist zwar konsequent und war wohl notwendig. Fraglich ist nur, ob das nicht auf Dauer wieder gegenteilige Auswirkungen haben kann.
Bush hat gelogen, Moore hat es aufgedeckt, Bushs Kritiker haben daurch Zulauf erhalten.
Offenbar ist Moore dabei, den Bogen zu überspannen. Auf Dauer kann man nicht mit Taschenspielertricks punkten. Dann ist es an der Zeit, dass die in den Mitteln der Darstellung seriöseren Kräfte die Meinungsführerschaft bekommen, damit kein Jojo-Effekt eintritt.
Denn wer wollte schon das Risiko einer weiteren neokonservativen Amtszeit in Kauf nehmen?
Sevomann (06.05.2007, 07:34 Uhr)
So what??
Also nun mal ehrlich - von Moores Dokumentarfilmen Objektivität zu erwarten, ist doch nun sehr naiv. Sie sind unterhaltsam, hochgradig satirisch, lustig, bedienen die liebgewordenen Klischees, und man redet drüber. Sie sind eben MMs Sicht der amerikanischen Gesellschaft, die er geschickt inszeniert, und von deren Verkauf er gut lebt. Moore ist eine schrille Stimme im Chor der amerikanischen Opposition, mehr auch nicht. Ich werde Manufacturing Dissent auch sehen, aber wahrscheinlich eben nicht enttäuscht sein, weil ich mir keine Illusionen über MM gemacht habe.
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