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28. Januar 2010, 12:53 Uhr

Der Triumph der Grauen

Sie haben Falten, graues Haar und keine Lust auf Bikinifotos. Trotzdem sind sie die Kinokassenmagneten der Saison. Frauen jenseits der 45 stellen Hollywood auf den Kopf. Von Sophie Albers

Meryl Streep, Helen Mirren, Judi Dench, Sandra Bullock, Hollywood, Cougars

Grau ist das neue Blond - Helen Mirren genießt ihre Freiheit© Sang Tan/AP

"Würde ein Marsianer auf die Erde kommen und Hollywoodfilme gucken, er würde annehmen, dass hier alle Frauen im Alter von 45 Jahren tot umfallen." Dieser schöne Satz stammt von Ariel Levy, einer einflussreichen Autorin und Feministin in den USA ("Female Chauvinist Pigs"), und beschreibt ein Phänomen, das zumindest im Augenblick so nicht mehr stimmt. Der Marsianer würde denken, dass alle Frauen mit 60 so strahlend schön aussehen wie Meryl Streep und Helen Mirren. Aber immerhin.

Erstaunlich, aber wahr: In diesem Jahr stehen in der Filmpreis-Saison nicht die glattgezogenen Einheitsvisagen von Hollywoods Hochglanz-Königinnen in der ersten Reihe, sondern Gesichter, die Geschichten erzählen. Es gibt tatsächlich Haut zu sehen, die nicht verschämt abgeschnitten, abgenäht oder paralysiert wird, weil sie die Verwerfungen des Lebens spiegelt.

Die Macht der Zahlen

Meryl Streep ist 60 Jahre alt und lehnt Botox und Schönheitschirurgie ab. Sie hat gerade den Golden Globe gewonnen und Chancen auf den Oscar. 15 Oscar- und 23 Golden-Globe-Nominierungen sind es insgesamt. Und: Sie war im Januar auf dem Titel der "Vanity Fair", dem Hofblatt im Reiche der Jungen und Schönen. So etwas war lange gar nicht vorstellbar. Denn, wie Streeps noch junger Kollege Jude Law soeben im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" bemerkte: "Schauspielerin zu sein, ist das Schlimmste, was es gibt. [...] Für eine Frau ist es hundertmal so hart, erfolgreich zu sein und nicht ausschließlich danach beurteilt zu werden, wie alt sie ist [...]".

Deshalb hat sich Streep auch gewundert, dass sie mit 60 die Hauptrolle in der romantischen Komödie "Wenn Liebe so einfach wäre" spielen durfte. Und mit welchem Erfolg: In nur einem Monat hat die Geschichte einer geschiedenen Frau, die eine Affäre mit ihrem Ex anfängt, den seine neue, junge Gattin langweilt, knapp 150 Millionen Dollar eingespielt. Bei "Julie & Julia" (2009) waren es knapp 120 Millionen, bei "Mamma Mia!" (2008) waren es mehr als 600 Millionen, und "Der Teufel trägt Prada" (2006) spielte 326 Millionen ein. Eine 60-Jährige mit Leben im Gesicht ist Kinokassenmagnet. Wow. Der Studioboss kratzt sich am Kopf.

Frische Brise im Land des gefrorenen Lächelns

Bisher waren die Filmfinanciers der Meinung, dass sie Filme für kleine und größere Jungs machen. Dass alles, was sie dazu bräuchten, das neueste Spezialeffekt-Monster auf der Jagd nach der neuesten Megan Fox sei. Die wüssten meist gar nicht, was sie mit der weiblichen Hälfte der Bevölkerung anfangen sollten, zitiert "Vanity Fair" "Julie&Julia"-Regisseurin Norah Ephron. Doch das ändere sich nun. "Meryl Streep hat die gläserne Decke für ältere Frauen als Stars durchbrochen", erklärt US-Filmemacher Mike Nichols, mit dem Streep "Silkwood" drehte, ihr Wirken. "Sie zeigt Hollywood gerade, wie viel Geld mit Frauen-Filmen zu machen ist", urteilt "Entertainment Weekly".

So geht eine frische Brise durch das Land des eingefrorenen Lächelns. Neben Streep zeigen auch Helen Mirren, 64, Sigourney Weaver, 60, oder Judi Dench, 75, dass es sich ohne Botox im Gesicht viel besser arbeiten lässt. Mirren gewann 2006 für ihren Auftritt in "The Queen" den Oscar, und der eher kleine Film spielte mehr als 123 Millionen Dollar ein. Für "Ein russischer Sommer" wird sie schon wieder als Oscar-Kandidatin gehandelt. Sigourney Weaver bricht derzeit mit James Camerons "Avatar" alle Rekorde. Und Judi Dench braucht nur einen Blick, um den neuen, harten James Bond weichzukochen. Alles Frauen, die das tun, wovon so viele reden, sich aber die wenigsten trauen: "in Würde altern".

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KOMMENTARE (2 von 2)
 
KernersKern (29.01.2010, 10:05 Uhr)
Kein Botox im Alter ....
... steht doch in der Filmbranche mittlerweile für Intelligenz und Überzeugungskraft der Schauspieler bei gleichzeitiger Akzeptanz der Zuschauer. Das wissen natürlich auch die Filmschaffenden. Daher kommt mir der
Trend zu echten Gesichtern, auch mit weißen Haaren, sehr entgegen.
Henning100 (29.01.2010, 03:38 Uhr)
viele von uns vergessen wohl,
dass wir alle mal aelter werden. Und wer sich entsprechend hegt und pflegt, sieht halt im Alter dementsprechend aus. Das gilt fuer Maennlein und Weiblein...
So einfach ist das ! ! !
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