In den späten Sechzigern terrorisierte der Zodiac-Killer Kalifornien und prahlte mit 37 Morden. David Finchers Film "Zodiac" und ein soeben auf Deutsch erschienenes Buch rollen den ungelösten Fall wieder auf. Von Stephan Maus

Ex-Cartoonist Robert Graysmith verbiss sich in den Zodiac-Code und widmete dem Falls sein Leben© AP
"Hier spricht der Zodiac!" So begannen die Bekennerschreiben des legendärsten Serienkillers nach Jack the Ripper. Es klang wie: "Hier spricht der Teufel!" - und Kalifornien hielt den Atem an. Von 1968 an terrorisierte Zodiac - zu Deutsch "Tierkreis" - jahrelang die San Francisco Bay Area. Sein letztes Schreiben an die Öffentlichkeit wurde am 24. April 1978 aufgegeben. Er wurde nie gefasst. Der Name "Zodiac" steht für einen der größten ungelösten Fälle der Kriminalgeschichte. Heute stehen 2500 Zodiac-Verdächtige in den Polizeiakten. In einem Schreiben behauptete der Killer, 37 Menschen umgebracht zu haben. Sechs Morde werden ihm sicher zugeordnet. Genau wie Charles Manson und seine diabolische Gefolgschaft ertränkte Zodiac den Hippie-Traum von Peace and Love in Blut. Im tektonisch unberechenbaren Kalifornien verschoben sich in den späten Sechzigern die Verhältnisse vom Flower-Power-Paradies hin zu einer David- Lynch-Freakshow. Der Zodiac-Freak hat nie aufgehört, die Menschen und vor allem die Medien in den USA zu beschäftigen.
Vorläufiger Höhepunkt der Manie ist jetzt der neue Kino-Thriller "Zodiac" von David Fincher ("Fight Club", "Sieben") mit Robert Downey Jr. als manisch recherchierendem Journalisten und Mark Ruffalo als schillerndem Cop (Filmstart: 31. Mai). Der gut zweieinhalbstündige Film beruht auf dem spannenden True Crime Book des ehemaligen Cartoonisten Robert Graysmith (im Film Jake Gyllenhaal), das minutiös der dunklen Seite Amerikas nachspürt und soeben auf Deutsch erschienen ist ("Zodiac. Auf der Spur eines Serienkillers", Heyne, 8,95 Euro).
Zodiacs Opfer waren meist junge Paare, die den typisch amerikanischen Liebesritualen nachgingen: Der Killer schlug an der Lover’s Lane zu oder beim Kuschel-Date am See. Wenn überhaupt jemand eine Chance hatte, seine Schüsse oder Messerstiche zu überleben, waren es die Männer - die größte Brutalität richtete der Psychopath immer gegen Frauen. Oft ermordete er seine Opfer im Auto: Hier durchbrach ein Ausgeschlossener gewaltsam die blecherne Urzelle des amerikanischen Traums. Zodiac hatte einen ausgeprägten Sinn für theatralische Effekte. Ein Überlebender einer Zodiac- Attacke berichtete, dass der Killer eine schwarze Henkerskapuze trug, auf die er sein Symbol aufgenäht hatte: ein Kreis mit einem Kreuz in der Mitte. So brannte sich der Killer mit eigenem Logo ins amerikanische Kollektivgedächtnis ein.
Eine besondere Befriedigung fand der Psychopath im grausamen Katz-und-Maus- Spiel mit der Polizei. Nach seinen ersten drei Morden sandte er ein Bekennerschreiben an den "San Francisco Chronicle". Auch hier zeigte er Sinn für bannende Bildsprache: Seine Botschaft war mit mysteriösen Symbolen verschlüsselt. In einem Begleitschreiben drohte er, weitere Morde zu begehen, sollte die chiffrierte Botschaft nicht gedruckt werden. Mehrere Spezialabteilungen machten sich an die Entschlüsselung - vergebens. Erst ein Lehrerpaar knackte den Code zu Hause am Esszimmertisch und förderte eine Botschaft von atemberaubendem Hochmut zutage, die mit folgendem Satz begann: "Ich töte gerne Menschen, weil es so viel Spaß macht." Die Hobby-Kryptologen waren die Vorhut einer Armada von Amateurermittlern, die sich in den Fall verbissen.